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Pandemie:Airbus erwägt trotz Corona, Produktion wieder auszuweiten

Flugzeugbauer Airbus

135 fabrikneue Maschinen, die von den Kunden bisher nicht abgenommen wurden, standen Ende September immer noch bei Airbus auf Halde.

(Foto: Christian Charisius/dpa)

Der Flugzeugbauer rutscht im dritten Quartal tief in die roten Zahlen. Der Konzernchef verspricht aber, von Mitte 2021 an wieder leicht zu wachsen.

Von Jens Flottau, Frankfurt

Der Flugzeughersteller Airbus erwägt, die Produktion von Kurz- und Mittelstreckenflugzeugen im Laufe des kommenden Jahres wieder auszuweiten. Die derzeitige Planung sieht laut Konzernchef Guillaume Faury vor, von Juni an statt nur 40 wieder 47 Maschinen der A320-Baureihe pro Monat zu fertigen. Dies stehe allerdings angesichts der großen Unsicherheit darüber, wie sich die Pandemie weiterentwickelt, noch unter Vorbehalt und könne auch noch verschoben werden.

Airbus hat im dritten Quartal vor allem wegen der Krise im zivilen Geschäft einen operativen Verlust von 626 Millionen Euro gemacht, der Umsatz ging um 27 Prozent auf 11,2 Milliarden Euro zurück, im Passagierflugzeugbau ist er sogar um 33 Prozent eingebrochen. Dennoch hat der Konzern es geschafft, keine weiteren liquiden Mittel zu verbrennen - der operative Cashflow war mit 600 Millionen Euro wieder positiv. In den ersten neun Monaten lieferte Airbus nur 341 Maschinen aus, 230 weniger als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Allerdings zogen die Auslieferungen mit 145 Jets im dritten Quartal zuletzt wieder merklich an.

Faury machte daher deutlich, dass aus seiner Sicht die Produktion mittlerweile wieder an die Nachfrage angepasst sei. Zwar seien immer noch 135 fertige Maschinen nicht ausgeliefert worden, doch dies seien weit überwiegend Flugzeuge, deren Übergabe verschoben, aber nicht storniert sei. Eine höhere Produktionsrate für die A320-Reihe wäre aus seiner Sicht kein spekulativer Schritt, sondern sei durch den Auftragsbestand gedeckt. Airbus hatte in den vergangenen Monaten mit Hunderten von Kunden Aufträge nachverhandelt. Das Unternehmen war dabei trotz bestehender vertraglicher Verpflichtungen zwar bereit, spätere Liefertermine zu akzeptieren, wollte aber Stornierungen so weit wie möglich vermeiden.

Die A330 sei "ein sehr gutes Flugzeug, um sich aus der Pandemie herauszubewegen", so der Airbus-Chef

Im Gegensatz zu den Kurz- und Mittelstrecken sieht Airbus im Interkontinentalgeschäft auf absehbare Zeit keine höhere Nachfrage. Daher werde die Produktion der Modelle A350 und A330 nicht ausgeweitet, die A380 wird sowieso im kommenden Jahr ganz einstellt. Faury stellte sich Spekulationen entgegen, dass der kleineren A330-Reihe angesichts eines schwachen Auftragsbestandes und keinen neuen Bestellungen ein ähnliches Schicksal drohen könnte. Die A330 sei "ein sehr gutes Flugzeug, um sich aus der Pandemie herauszubewegen", so der Airbus-Chef. Denn die Fluggesellschaften seien sehr an "günstigen Lösungen" interessiert, dies erfülle die A330.

Trotz der erneuten Einschränkungen des öffentlichen Lebens in Frankreich und Deutschland sei sichergestellt, dass Airbus weiterhin Flugzeuge ausliefern könne. Schon im Frühjahr habe man genaue Hygienepläne erarbeitet und diese zuletzt noch einmal verschärft.

© SZ
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