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Abgasskandal:Umwelthilfe misst erneut hohe Abgaswerte

Feinstaub-Alarm

Die Abgaswerte vieler Fahrzeuge sind immer noch zu hoch, klagt die Deutsche Umwelthilfe.

(Foto: Franziska Kraufmann/dpa)

Neue Messungen, altes Problem: Die Deutsche Umwelthilfe zeigt, dass auch mehr als fünf Jahre nach Beginn des Abgasskandals Grenzwerte oft nur auf dem Papier stehen.

Von Markus Balser, Berlin

Er hat den Dieselskandal von Anfang an miterlebt. Axel Friedrich gehörte zu denen, die schon früh misstrauisch waren. Vor zehn Jahren habe er das Bundesverkehrsministerium zum ersten Mal auf Unregelmäßigkeiten bei einem Motor von VW hingewiesen, sagt Friedrich am Mittwoch in Berlin. Dann aber sei lange nichts passiert. Erst als US-Behörden die Vorwürfe aufarbeiteten und VW Betrug vorwarfen, erschütterte der Abgasskandal vor gut fünf Jahren die deutsche Autobranche. Und noch immer gibt es Nachbeben.

Denn neue Messungen der Deutschen Umwelthilfe (DUH) machen klar: Noch immer überschreiten viele Fahrzeuge auf Deutschlands Straßen die bei ihrer Zulassung im Labor vorgeschriebenen Abgasgrenzwerte im realen Betrieb deutlich. Zum Teil sogar um ein Vielfaches. Das sei eine Gefahr für die Umwelt und die menschliche Gesundheit, warnt Friedrich.

Der 74-Jährige ist wissenschaftlicher Leiter des Emissions-Kontroll-Instituts (EKI), das der Deutschen Umwelthilfe angeschlossen ist. In einem neuen Bericht stellte das EKI fest, dass 15 untersuchte Fahrzeuge unter normalen Fahrbedingungen den im Labor zugelassenen Stickoxid-Grenzwert teilweise um das 18-Fache überschritten. Auch der Ausstoß von klimaschädlichem Kohlenstoffdioxid sei teilweise viel zu hoch, beklagt die DUH. Die Untersuchung habe außerdem gezeigt, dass gerade bei Diesel-Pkw der Abgasnorm Euro 5 und Euro 6 der Schadstoffausstoß bei sinkenden Außentemperaturen steige. Als Grund dafür führt die Umwelthilfe temperaturgesteuerte Abschalteinrichtungen in den Fahrzeugen an, die aus ihrer Sicht für eine unzulässige Luftverschmutzung sorgen.

Für den realen Betrieb gibt es keine Grenzwerte

Die DUH warf Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) vor, zu wenig gegen zu hohen Schadstoffausstoß bei Diesel-Fahrzeugen zu unternehmen. Als Beispiele nannte die DUH etwa einen untersuchten Skoda Octavia 1.6 TDI mit der Abgasnorm Euro 6, der den Grenzwert für Labormessungen im realen Betrieb durchschnittlich um das 4,9-Fache übertroffen habe. Ähnlich hohe Werte zeige ein VW Golf GTD 2.0 TDI ABT, der mit durchschnittlich 427 mg/km deutlich den Grenzwert von 80 mg/km überschreite. Bei einem untersuchten Mercedes C 220 d habe sich eine temperaturgesteuerte Abschalteinrichtung gezeigt, die zu einer 7,8-fachen Grenzwertüberschreitung führe.

VW erklärte, man könne die Abgasmessungen nicht kommentieren, da der Konzern die Messbedingungen nicht kenne und auch keine Informationen über den technischen Zustand der Fahrzeuge habe. Der Konzern bestritt aber Grenzwertüberschreitungen, weil es für die Fahrzeuge dieser Euro-5- und Euro-6-Normen keine vorgeschriebenen Grenzwerte im realen Betrieb gebe. Ein Problem, das auch die DUH seit langem anprangert. Daimler teilte mit, die Messungen lieferten nach Meinung des Konzerns keine neuen Erkenntnisse. Euro-5- und Euro-6b-Diesel-Pkw zeigten grundsätzlich Abweichungen bei Labor- und Straßenmessungen. Die Produktion von Euro-6b-Pkw sei aber bei Mercedes-Benz Mitte 2018 ausgelaufen. Aus Sicht des Konzerns seien so genannte "Thermofenster" technisch notwendig und Industriestandard und hätten nichts mit einer Täuschung zu tun.

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