Autohersteller:Die A-Klasse darf nicht sterben

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Autohersteller: Mercedes-Benz will künftig stärker auf Gewinnmargen achten, das könnte für die A-Klasse bedrohlich werden; hier ein A-Klasse-Plug-in-Hybrid.

Mercedes-Benz will künftig stärker auf Gewinnmargen achten, das könnte für die A-Klasse bedrohlich werden; hier ein A-Klasse-Plug-in-Hybrid.

(Foto: OH/Daimler AG)

Mercedes will das Kompaktklasse-Modell wohl einstellen. Das ist ein weiterer Schritt in die falsche Richtung. Statt nur auf Luxus zu setzen, sollten sich die deutschen Hersteller mehr um kleine E-Autos bemühen.

Kommentar von Christina Kunkel

Ankündigungen von Autochefs rufen bei Umweltschützern gern mal Protest hervor. Doch was Mercedes-Chef Ola Källenius jüngst mitzuteilen hatte, könnte sogar Verkehrswende-Verfechtern gefallen, zumindest auf den ersten Eindruck: "Wir jagen nicht mehr das Volumen", sagte Källenius und meinte damit: Es ist total okay, wenn wir als Autohersteller in Zukunft weniger Fahrzeuge verkaufen. Weniger Autos? Das klingt erst einmal nach radikalem Umdenken. Doch das ist es nicht.

Tatsächlich werden die Pläne jetzt konkreter, welche Autos vermutlich spätestens von 2025 an nicht mehr im Mercedes-Portfolio zu finden sein werden: Es wird wohl die Kompaktwagen der A-Klasse und B-Klasse treffen, wie das Handelsblatt aus Unternehmenskreisen erfahren haben will. Der Autobauer selbst bleibt vage und bestätigt nur, dass im günstigsten Mercedes-Segment statt sieben nur noch vier Modelle einen Nachfolger im Elektro-Zeitalter bekommen sollen.

In den vergangenen vier Jahren war immerhin noch jedes fünfte verkaufte Auto mit dem Stern eine A- oder B-Klasse, es geht um rund 400 000 Fahrzeuge pro Jahr. Stellt Mercedes diese Modelle weitgehend ein, verabschiedet man sich endgültig aus dem Rennen um den absatzstärksten Premiumautobauer. Dort hatte Källenius-Vorgänger Dieter Zetsche die Schwaben zeitweise in die Spitzenposition vor BMW gebracht - ohne die kleinen Kompaktmodelle wäre das undenkbar gewesen.

Doch das mögliche Ende der A-Klasse, die einst durch den missglückten Elchtest viel Häme erfuhr, aber später auch durch das neue Design von Gorden Wagener viele jüngere Autofahrer für die Marke begeisterte, ist leider ein Trend, der sich bei vielen Herstellern beobachten lässt: Je kleiner das Fahrzeug, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass es aus dem Portfolio fliegt. Das zeigt sich etwa an Audis Kleinwagen A1, aber auch am VW up, der vor allem als E-Auto sehr gefragt ist, aber wohl keine Zukunft hat.

Aus Sicht der Autobauer, vor allem der Premiumhersteller wie Mercedes, ist der Weg zunächst konsequent und plausibel, sich auf Modelle zu konzentrieren, welche die höchsten Gewinnmargen versprechen. Und das sind vor allem Luxusautos und SUVs, die zwar oft verteufelt, aber auch von Jahr zu Jahr mehr gekauft werden. Doch langfristig kann es sich auch als verpasste Chance erweisen, sich aus dem Klein- und Kompaktwagen-Segment weitgehend zurückzuziehen.

Bei all den Recycling- und Effizienzrekorden, die Mercedes, Audi und BMW ständig für ihre Luxus-Elektrowagen vermelden, gibt es auf ein zentrales Problem immer noch keine Antwort: Wie soll es mehr Platz in den verstopften Städten geben, wenn dort statt kleiner Wagen eben mehr große (Elektro-)Luxusautos stehen und fahren, die für den Bedarf ihrer Fahrer in den allermeisten Fällen deutlich überdimensioniert sind?

Noch sind kleine E-Autos relativ unrentabel, aber das dürfte sich ändern

Natürlich ist eine elektrische S-Klasse deutlich weniger klimaschädlich als ihr Benziner-Pendant. Aber Klimaschutz hat eben auch eine soziale Komponente und erst dann einen echten Effekt, wenn die dafür notwendigen Produkte für die breite Masse vorhanden und auch bezahlbar sind. Wenn man das ernst nimmt, wäre es auch Aufgabe der deutschen Autohersteller, genauso viel Geld und Ingenieurskunst in die Entwicklung von bezahlbaren, elektrischen Klein- und Kompaktautos zu stecken wie in die individuelle Beduftungsanlage oder das vegane Massagesitz-Design im Luxus-SUV. Gerade die A-Klasse hat viele Menschen zu Mercedes-Kunden gemacht, die sich vorher einen Wagen mit dem Stern nicht leisten konnten. Es wäre ein wichtiges Signal, wenn Mercedes neben einer elektrischen G-Klasse auch einen erschwinglichen Batterie-Kompaktwagen in der Pipeline hätte - am besten möglichst schnell.

Noch sind kleine Elektroautos vergleichsweise unrentabel, weil die Batterien so teuer sind. Doch das könnte sich in ein paar Jahren ändern, weil die Technik sich rasant weiterentwickelt. Zudem könnten standardisierte Elektroplattformen die Kosten weiter drücken. Doch die Strategie der deutschen Premiumhersteller heißt leider: Kleine Elektrowagen - die sollen lieber die ausländischen Hersteller bauen.

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