Umweltschutz:Brennholz wird aus Osteuropa importiert

Die Bundesregierung unterstützt den Einbau von Pellet- und Hackschnitzel-Heizungen mit Fördergeld, der Holzverbrauch wird durch die Konjunktur von Kachelofen & Co. noch zusätzlich angeheizt. "Vor allem das industrielle Verfeuern von Holz sollte nicht länger gefördert werden", fordert der Nabu, "und der deutsche Energie- und Ressourcenbedarf muss weiter gesenkt werden."

Weil das Holz aus heimischen Wäldern längst nicht mehr ausreicht, wird Brennholz aus Osteuropa importiert, die deutsche Möbelindustrie kauft Hölzer aus Südamerika und Asien - angesichts der globalen Waldverluste, des Artensterbens und des Klimawandels eine fragwürdige Entwicklung. Die wenigsten Ofenbesitzer besitzen Wald, damit sind sie auf Brennmaterial aus dem Handel angewiesen. Angesichts der Preisexplosion auf dem Holzmarkt achten die meisten Verbraucher da eher auf den Cent als auf die ökologisch korrekte Herkunft.

"Nachhaltigkeit hat bei uns oberste Priorität", sagt Gerd Müller, Leiter der Geschäftsstelle des Bundesverbands Brennholzhandel und Brennstoffproduktion (BBB) in Kamen. Die deutschen Holzhändler, die sich in diesem Verband zusammengeschlossen haben, verfolgen ein ähnliches Prinzip wie Slow-Food-Köche: "Rohstoff aus der Region für die Region". Die Betriebe verkaufen nur zertifiziertes Holz aus Deutschland, der Verbraucher könne sicher sein, dass es aus nachhaltiger Wirtschaft stamme und nicht quer durch Europa gekarrt wurde oder gar aus einem geschützten Urwald stamme, sagt Müller. Dass der deutsche Wald komplett geplündert wird, verhindern Forstgesetze.

Brennholzpreise sind stark gestiegen

Der Holzscheitverband BBB empfindet die Situation naturgemäß als nicht ganz so brenzlig wie der Nabu. Aufgrund der milden Winter der vergangenen beiden Jahre habe sich der Markt etwas entspannt, sagt Gerd Müller, mancherorts gebe es sogar Überbestände, die schon seit zwei, drei Jahren lagern. Stürme und Schneebruch führen zu saisonalen Preisschwankungen, aber langfristig gesehen sind die Preise gestiegen.

Für einen Schüttmeter trockenes Hartholz zahlt man aktuell gut 80 Euro. Billiger wird es, wenn man frisches Holz im Wald selbst abholt, klein sägt und dann lagert. Die Brennholzpreise sind in den vergangenen zehn Jahren zwar stark gestiegen, um 30 bis 90 Prozent. Da der Ölpreis starken Schwankungen unterliegt, auch wenn er zuletzt gefallen ist, bleibt Holz immer noch eine attraktive Alternative.

Selbst wenn das gesamte in Deutschland geerntete Holz ausschließlich verbrannt werden würde, rechnet Stefan Adler vom Nabu vor, würden damit nur vier Prozent des Gesamtenergieverbrauchs gedeckt. Laut Adler ein geringer Beitrag zum Klimaschutz.

Das knisternde Bio-Holzfeuer im eleganten Kamin mag wohlige Wärme erzeugen und einem das angenehme Gefühl geben, naturnah zu leben - aber nur, solange man nicht über diese komplexen Zusammenhänge nachdenkt.

© SZ vom 12.10.2017/cat
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