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Ladies & Gentlemen:Der Bart des Propheten

DuMont verkauft Berliner Verlag an Unternehmerpaar

Aussagekräftiger Style: Das Verleger-Ehepaar Silke und Holger Friedrich.

(Foto: picture alliance/dpa)

Während Neureiche in München in Gucci ihre G-Klasse besteigen, wollen sie in der Hauptstadt das geistig-kulturelle Leben gestalten. Die Berliner Neuverleger Friedrich fallen aber auch durch ihren Style auf.

Für sie: Der Berliner Blazer

Dies hier ist eine Stilkolumne und deswegen haben wir natürlich keine Ahnung von schlauem Unternehmertum und leicht skandalösen Vorgängen aus dem Bereich der deutschen demokratischen Vergangenheit. Über Silke Friedrich können wir aber auf jeden Fall sagen, dass sie ihre Blazer sehr kosmopolit, also leicht oversized, trägt, und zwar gerne in Kombination mit angesagten Sneakers, so wie das die Stilelite nun mal gerade macht. Auch ihr Lob (Abkürzung für die Frisur "Long Bob") ist genau richtig nachlässig gestylt und suggeriert, dass wir es hier nicht mit einer provinziellen Unternehmergattin zu tun haben, die auf so was Profanes wie Chanel oder Diamanten abfährt. Sondern mit einer weltläufigen Berlinerin, die einen Mann geheiratet hat, der einen Weihnachtsmannbart trägt. Sie hat natürlich selbst auch einen guten Job, leitet erfolgreich eine Privatschule und hat das Berliner E-Werk zu einer sogenannten Event-Location gemacht.

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In all den Interviews, die sie zusammen mit ihrem Mann in den letzten Wochen gegeben hat, äußert sie sich außerdem gerne zu den Soft-Themen, also etwa zur Frage, warum man bei der Berliner Zeitung jetzt ein Style-Ressort einführt ("Ich denke, es gibt in Berlin ein gesellschaftliches Leben, das in keiner Zeitung angemessen repräsentiert wird" ). Und sie erzählt, dass andere Männer mit Ringen ankämen, ihrer aber, haha, mit einem Verlag. Das ist natürlich eine entlarvende Aussage, steckt doch dahinter die gleiche Lust auf Statussymbole wie bei Ring-Liebhaberinnen - nur eben, dass hier noch ein paar hundert Mitarbeiter mit im Kästchen liegen. Aber natürlich fällt das im strengen Snob-Blazer nicht so auf. Hätten wir deutschen Frauen endlich etwas mehr Mut zum Spaß an der Oberfläche - dann fänden uns die anderen vielleicht gar nicht mehr so überheblich.

Für ihn: Der Bart des Propheten

Ach, war das schön, als sich Berliner Society noch mit einem Foto von Ariane Sommer in einer Badewanne voll Schokopudding zusammenfassen ließ. Heute ist da alles so verkopft. Während Neureiche in München weiterhin in Landhausmode und Gucci ihre G-Klasse besteigen, um in Ruhe Andreas Gabalier zu hören und auf einen Anruf von ihrem Wiesnwirt zu warten, wollen sie in Berlin partout das geistig-kulturelle Leben gestalten. Dieser Anspruch setzt natürlich einen anderen Kleidungsstil voraus. Nun hat, wer sich eine marode Zeitung kauft, ja offenkundig kein Interesse an den üblichen Statussymbolen. Unternehmer Holger Friedrich zeigt dann auch meist einen zurückgenommenen Look: hellblaues, offenes Hemd und dunkle Anzughose ohne Gürtel, dazu schöne Budapester ohne Strümpfe, manchmal auch ein ironisches Sakko. Das ist eine kulturnahe Berufskleidung, wie sie jugendliche Verleger, adlige Fotografen oder Chefs einer Werbeagentur gerne tragen. Sie sagt: Ich bin ja trotz meines Erfolges nicht so der Bürotyp.

Die Zutaten des Outfits sind dabei im Detail erlesen, in Summe aber unauffällig. Daran gibt es nichts auszusetzen. Würden sich alle Millionäre so kleiden, wäre Philipp Plein nie passiert! Das Ärgerliche an dem reduzierten Look ist aber, dass er nicht so richtig die Originalität seines Trägers unterstreicht. Nicht alle Männer haben genug Charisma, um auch in Basic-Klamotten zu glänzen. Deswegen ergänzen viele noch eine verrückte Brille, goldene Sneakers oder schrille Strümpfe, um auf die eigene Genialität hinzuweisen. Anderen verbreiten dazu sicherheitshalber unredigierte Traktate in ihrer eigenen Zeitung und tragen einen Bart, vor dem auch Rasputin kapituliert hätte. Kann man machen, Schokopudding wäre aber billiger gewesen.

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