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Journalismus:Verleger Holger Friedrich lässt Aufsichtsratsposten bei Centogene ruhen

Verleger Holger Friedrich

Der Berliner Verleger Holger Friedrich

(Foto: dpa)
  • Der Berliner Verleger Holger Friedrich will laut eigener Aussage seine Aufsichtsratsmitgliedschaft bei der Biotech-Firma Centogene pausieren.
  • Vergangene Woche war bekannt geworden, dass Friedrich als junger Mann in der DDR zeitweise Inoffizieller Mitarbeiter der Staatssicherheit war.
  • Die Berliner Zeitung, die Friedrich kürzlich zusammen mit seiner Frau gekauft hatte, will diesen Sachverhalt nun selbst journalistisch aufarbeiten.

Der Berliner Verleger Holger Friedrich reagiert auf die öffentliche Kritik an seiner Person. Nachdem vergangene Woche bekannt geworden war, dass er Ende der Achtzigerjahre Kontakte zur Stasi hatte, lässt der Unternehmer nun seinen Posten im Aufsichtsrat der Biotech-Firma Centogene vorübergehend ruhen. Das sagte er am Freitag der Deutschen Presse-Agentur. Er wolle als Aufsichtsratsmitglied pausieren, "bis die vollständigen Unterlagen der Stasi-Unterlagenbehörde vorliegen und von Experten ausgewertet wurden".

Am vergangenen Freitag war nach einer Rechercheanfrage der Welt am Sonntag bekannt geworden, dass Friedrich in der DDR zeitweise Inoffizieller Mitarbeiter der Staatssicherheit war. Kurz zuvor hatte er zusammen mit seiner Frau Silke Friedrich den Berliner Verlag mit Berliner Zeitung und Berliner Kurier von der DuMont-Mediengruppe übernommen.

Die Berliner Zeitung wiederum will dies nun selbst journalistisch aufarbeiten. Ein fünfköpfiges Reporterteam soll zusammen mit der früheren Leiterin der Stasi-Unterlagen-Behörde, Marianne Birthler, und dem Historiker Ilko-Sascha Kowalczuk dafür zuständig sein. Friedrich sicherte laut Redaktion seine Unterstützung zu. Er selbst erklärte, er habe eine handschriftliche Verpflichtungserklärung bei der Stasi aus einer Notsituation nach einer Verhaftung heraus verfasst, um einer befürchteten Gefängnisstrafe zu entgehen. Er sei aber "nicht aktiv" für die Staatssicherheit tätig gewesen.

Berliner Zeitung und Berliner Kurier wollen Redaktionsstatut verabschieden

In die Kritik geriet neben der IM-Vergangenheit Friedrichs auch seine Verbindung zum ostdeutschen Unternehmen Centogene. Das Magazin Der Spiegel griff einen Artikel der Berliner Zeitung über die Firma kritisch auf, weil Friedrich im Aufsichtsrat sitzt und laut US-Börsenaufsicht im Juni über ein in Berlin ansässiges Unternehmen 3,27 Prozent hielt - eine Tatsache, die nicht im Artikel seines eigenen Blattes erwähnt wurde.

Die Berliner Zeitung erklärte daraufhin, dass Friedrich dem Herausgeber und der Chefredaktion den Hinweis gegeben habe, dass Centogene Weltmarktführer in der gentechnischen Analyse sei und dessen Börsengang ein Anlass zur Berichterstattung sein könnte. "Weder der Chefredaktion", hieß es, "noch den beiden Wissenschaftsredakteuren war zu diesem Zeitpunkt bewusst, dass Holger Friedrich an dem Unternehmen beteiligt ist. Wäre das anders gewesen, hätte die Redaktion diese Information in den Artikel mit aufgenommen". Die Redaktionen von Berliner Zeitung und Berliner Kurier haben sich deshalb darauf verständigt, ein Redaktionsstatut zu verabschieden, das in Zukunft die journalistische Unabhängigkeit und Qualität der Redaktionen der beiden Zeitungen garantieren soll.

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