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Balkonzeit:Kräuter und Gemüse im Quadrat

Kräuter

So schön kann es im Quadrat blühen. Die Kästen wurden hier mit Korbflecht verkleidet.

(Foto: Annette Timmermann)

Radieschen neben Zwiebeln neben Tomaten neben Geranien, akkurat quadratisch angeordnet. Mit "Square Foot Gardening" wachsen auf kleinem Raum verschiedenste Pflanzen und Gemüse. Schädlinge haben das Nachsehen.

Von Tanja Mokosch

Die Geranien gehen ein, die Tomate lässt die Blätter hängen und die Plastiksitzgarnitur sieht alles andere als einladend aus. In der Serie "Balkonzeit" zeigen wir Ihnen, wie Sie Ihre Oase an der frischen Luft richtig nutzen und mit einfachen Tricks zu etwas ganz Besonderem machen - mit Fischteich, Chillecke oder Gemüsebeet.

Aus dem Terrakottatopf ragen drei kleine grüne Blätter. "Guck mal", ruft der stolze Balkongärtner dem Nachbarn zu "meine Erdbeeren treiben aus". Der Nachbar nickt anerkennend, drückt seine Zigarette aus und verschwindet in der Wohnung. Der Balkongärtner hingegen verbringt noch einige Stunden damit, den Feuchtigkeitsgehalt in seinen zahlreichen Tomatenstaudentöpfen genau einzustellen und erwartungsvoll die Erde rund um die Radieschensaat herum zu tätscheln.

Ein paar Wochen später sind die Erdbeerenblätter unwesentlich größer geworden, die Tomaten sind von Fliegen befallen, das Radieschenbeet im Blumenkasten liegt brach. "Schon geerntet?" ruft der Nachbar vom grünzeugfreien Balkon. "Mh", antwortet der Hobbygärtner, sprüht die Tomatenstaude mit Seifenwasser ein und träumt dabei von einem Schrebergarten. Wenn die nur nicht so selten wären in der Stadt. Und dieser Aufwand.

Die gute Nachricht: Einen kleinen Schrebergarten in Quadratform kann fast jeder haben. Auch auf dem Balkon. "Square Foot Gardening" heißt die Erfindung aus den USA, die es möglich macht, auf kleinstem Raum die unterschiedlichsten Gemüse und Pflanzen anzubauen. Gartenbauwissenschaftler Dr. Folko Kullmann erklärt die Vorteile des "Quadratgärtnerns".

1. Weniger gießen

Tiefe Töpfe müsse man unverhältnismäßig oft gießen. Mit den nur etwa dreißig Zentimeter tiefen Quadratboxen, die mit einem Kompost-Erde-Gemisch befüllt werden, kann man sich viel Arbeit sparen.

2. Weniger Aufwand, mehr Platz - Gärtnern auf Armlänge

Alle Pflanzen sind an einem Fleck. Die Grenze für die Größe eines Quadratbeetes ist, wie Kullmann sagt, "der eigene Arm". Das spart Platz - so bleibt auf dem Balkon vielleicht sogar noch eine Ecke für die Sitzgarnitur frei. Die kann der Balkongärtner dann umso länger nutzen, weil er außerdem beim Gießen nicht ständig zwischen den einzelnen Pflanzenkübeln hin und her laufen muss.

3. Weniger Schädlinge - ganz natürlich

In den verschieden und dicht bepflanzten Minibeeten können Schädlinge sich kaum ausbreiten. "In einem Riesenbeet mit Salat kommt die Salatblattlaus und ist im Schlaraffenland", sagt Kullmann. Wo nur ein Salat steht, kann höchstens der gegessen werden - und nicht die ganze Bepflanzung. "Außerdem schützen die Pflanzen sich gegenseitig." Möhren- und Zwiebelfliegen etwa würden vom Geruch der jeweiligen Pflanze angelockt. "Wenn ich diese beiden jetzt nebeneinander pflanze, vermischen sich die Gerüche so, dass beide Fliegen verwirrt sind und die Pflanze gar nicht mehr finden", erklärt der Gartenbauwissenschaftler.

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