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Po-Vergrößerung:Gefährliches Ideal

Kim Kardashian

Sie ist das Vorbild: Kim Kardashian bei einer Party im Metropolitan Museum in New York im Mai 2019.

(Foto: Charles Sykes/Invision/AP)
  • In Düsseldorf sind zwei Frauen gestorben, nachdem sie ihren Po vergrößern lassen haben.
  • Der sogenannte "Brazilian Butt Lift" ist nicht ungefährlich: Bei einer von 3000 Operationen stirbt die Patientin an den Folgen.
  • Weltweit lassen sich etwa 335 000 Frauen das Gesäß vergrößern.

Kim Kardashian hat schon so manche Frau zu so manchem Unsinn animiert. Aber in letzter Zeit konnte es gefährliche Folgen haben, dem Reality-TV-Star nachzueifern, der bekannt dafür ist, lieber noch als seine Brüste seinen voluminösen Po in die Kameras zu strecken. In Düsseldorf sind zwei Frauen gestorben, nachdem sie ihr Gesäß einer Schönheitsoperation unterzogen hatten. Sie wollten einen Hintern à la Kardashian, nun sind sie tot.

Die Zonen des weiblichen Körpers, die männliche Blicke einfangen sollen - sie rutschen immer weiter nach unten. Glatte Augenpartien, kleine Stupsnasen aus dem Katalog? Dafür gibt es seit langem bewährte Standardeingriffe. Volle Lippen? Für viele ist es zwar immer noch attraktiv genug, sich Spritzen mit Fillern rund um den Mund setzen zu lassen, aber es gibt auch genügend abschreckende Beispiele von prominenten Frauen, die es etwas übertrieben haben mit der Gesichtsstraffung. Auch bei der Oberweite ist etwas weniger inzwischen oft mehr: Designerin Victoria Beckham, die früher noch stolz auf ihren modellierten Barbie-Busen war, hat es mit ihrer Brustverkleinerung vorgemacht.

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Weltweit lassen sich etwa 335.000 Frauen pro Jahr den Po vergrößern, heißt es

Bleibt der pralle Hintern. Lange Zeit galt er als vulgär und primitiv, aber das hatte auch eine rassistische Komponente. Von Kunsthistorikern ebenso wie von Primatenforschern wurde er ohnehin stets als der eigentliche Grund dafür angesehen, weshalb Brüste sexuell so attraktiv sind - sie sind ihm eben ähnlich. Nun ist ein runder Po so im Trend, dass sich Frauen, die von Natur aus ein eher flaches Gesäß haben und bei denen Kniebeugen oder Ausfallschritte mit Hanteln an den Händen auch nicht genug Gesäßmuskeln erzeugen, zunehmend einer speziellen Schönheitsoperation unterziehen: dem "Brazilian Butt Lift". Dabei wird Fett von anderen Regionen des Körpers abgesaugt und in den Po gespritzt. Das Ergebnis soll ein voller, runder Hintern sein, wie ihn neben Kim Kardashian etwa auch die Popstars Jennifer Lopez oder Beyoncé stolz hinter sich hertragen.

Zuletzt haben sich nach Schätzungen der Internationalen Gesellschaft für Ästhetische Chirurgie weltweit etwa 335 000 Frauen pro Jahr den Po vergrößern lassen. Das sind mehr als fünfmal so viele wie vor zehn Jahren. Für die etwa vierstündige Operation brauchen Interessentinnen zwischen 4000 und 10 000 Euro - sowie einiges an Fettpolstern. Manche Frauen futtern sich vor der Operation monatelang zusätzliche Kilos an, damit sie über genügend körpereigenes Fett verfügen, das dann von Beinen und Bauch zum Po umoperiert werden kann.

Das klingt einfach, aber das Problem ist: Die "Brazilian Butt"-Operation gilt weltweit als der gefährlichste Schönheitseingriff schlechthin. Dass immer mal wieder junge Frauen auf OP-Tischen sterben wie im Jahr 2011 die damals 23-jährige "Sexy Cora", die ihre fünfte Brustvergrößerung nicht überlebte, ist bekannt. In der Regel sind das drastische Einzelfälle. Beim "Brazilian Butt Lift" aber kommen Todesopfer mit einer erschreckenden Regelmäßigkeit vor. Bei einer von 3000 Operationen stirbt die Patientin an den Folgen, hat eine Sonderkommission des Weltverbandes der Plastischen Chirurgen Icoplast im vergangenen Jahr festgestellt. Der Verband warnte seine Mitglieder ausdrücklich davor, den Eingriff durchzuführen.

Und wenn doch, dann bitte nur auf die vorsichtige Art: Die Ärzte sollten das Fett auf keinen Fall direkt in die Po-Muskulatur spritzen, sondern zwischen Haut und Muskel - auch wenn es dort in der Regel nicht so gut aufträgt und auch nicht so nachhaltig sitzen bleibt. "Im Muskel verlaufen Blutgefäße", erklärt Dennis von Heimburg, Präsident der Vereinigung der Deutschen Ästhetisch-Plastischen Chirurgen. "Wenn Fett in diese Gefäße gelangt, kann es direkt zum Herzen oder in die Lunge transportiert werden." Die Folge: eine tödliche Fett-Embolie.

Wer ist ein guter Experte für diesen schwierigen Eingriff? Das ist höchst umstritten

Ursprünglich kommt die Operation, wie schon der Name sagt, aus Brasilien, dem Land, in dem Tangas anders als im Twiggy-geprägten Europa schon seit langem runde Pobacken zur Geltung bringen sollen. Die meisten Brazilian Butt Lifts finden denn auch auf dem amerikanischen Kontinent statt: 65 000 pro Jahr in Brasilien, 35 000 in Mexiko, 29 000 in Kolumbien und 28 000 in den USA.

Und in Deutschland? Das weiß keiner so genau, weil Zahlen von Schönheitsoperationen hierzulande nicht erhoben werden. Im Internet finden sich trotz der Warnungen der Fachverbände zwar zuhauf Angebote von Ärzten und Kliniken, die die Operation im Portfolio haben. Interessiert haben sich dafür aber bislang nur die Kundinnen. Gesundheitspolitiker hielten das Problem nicht für wichtig genug. Und Komplikationen wurden nicht bekannt - bis zu den beiden Todesfällen aus Düsseldorf. Nachdem dort im Juli eine 42-Jährige in einer Schönheitsklinik verstorben war, wurde klar, dass ein Jahr zuvor eine 20-Jährige das gleiche Schicksal ereilt hatte. "Allein daran sieht man, dass es Todesfälle gibt, die nicht an die Öffentlichkeit gelangen", beklagt Chirurg Heimburg. Die Branche müsse besser kontrolliert, Patienten besser geschützt werden.

Heimburg ärgert, wie unkontrolliert Ärzte in Deutschland solche Operationen vornehmen dürfen. Schönheitschirurg darf sich jeder Mediziner nennen, der Begriff ist nicht geschützt. Entsprechend hilflos stehen Patienten vor der Frage, bei welchem Arzt ihre Körperteile in guten Händen sind. Und mitunter geraten sie an Ärzte, die überhaupt gar keine spezielle Ausbildung in dem Bereich vorzuweisen haben, den sie operieren. Deren Instagram-Accounts aber sind voll von Erfolgsmeldungen und Bildern mit sehr runden Hintern darauf. Mitunter schreiben sie auf den Fotos sogar "Made by Dr. ..." quer übers Gesäß.

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