Karl Lagerfeld:Die Welt von Kaiser Karl

"Ich erfinde mich jeden Tag neu", hat Lagerfeld über sich gesagt. Nun ist der Mann, der Chanel zur Marktmacht brachte, im Alter von 85 Jahren gestorben. Sein Leben in Bildern.

Von Violetta Simon

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Karl Lagerfeld hat Geburtstag - 80?

Quelle: dpa

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Karl Lagerfeld wurde an einem 10. September in Hamburg als Sohn des Gründers der Glücksklee-Milch geboren. Als Geburtsjahr gab er lange Zeit 1938 an, Wikipedia hatte resigniert vermeldet: "geboren zwischen 1933 und 1938". Erst als Lagerfelds Geburtsurkunde 2013 in Hamburg-Blankenese auftauchte, wurde das Datum seiner Geburt öffentlich: 10. September 1933. Es dürfte ihm nicht gefallen habe. Jemanden nach seinem Geburtsdatum zu beurteilen, empfand der Modeschöpfer als "Rassismus".

30th International Festival Of Fashion & Photography: Day One

Quelle: Getty Images

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Man kann davon ausgehen, dass der Chefdesigner immens viele Anzüge, Hemden und Accessoires zur Verfügung hatte, um stets gleich auszusehen. Die dunkle Sonnenbrille und das weiß gepuderte Haar gehörten ebenso zu seiner Erscheinung wie die Uniform aus Vatermörder-Kragen, die halboffenen Cabrio-Handschuhe und der klobige Silberschmuck. "Ein Mann sollte sich besser nicht nur auf sein Äußeres verlassen", sagte er in einem Interview. "Sonst wird er irgendwann durch die Zeit verraten."

Karl Lagerfeld präsentiert als Modestudent eine Schöpfung, 1954

Quelle: DPA

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Die Karriere des Hamburgers, der Paris zu seiner Wahlheimat erkoren hat, begann in den 50ern. 1954 gewinnt er, angeblich mit 16 Jahren, bei dem vom Internationalen Wollsekretariat ausgeschriebenen Wettbewerb in der Gruppe Mäntel den 1. Preis - mit der Modellskizze eines kanariengelben Cocktail-Mantels. "Seither glaube ich an die Macht des Glücks", sagte Lagerfeld. "Es gibt Menschen mit viel Talent - aber ohne Fortune. Glück zu haben, ist Zufall."

Karl Lagerfeld hat Geburtstag - 80?

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Als Lagerfeld in Paris seine Mode-Karriere begann, arbeitete er zunächst für Balmain, Patou und Chloé. Sein Wechsel zu Chanel im Jahr 1983 ist wegweisend. Mit seinen unerschöpflichen Ideen weckt er die traditionsreiche Luxusmarke aus ihrem Dornröschenschlaf.

(Karl Lagerfeld 1973)

The Museum Of Modern Art fourth Annual Film Benefit: 'A Tribute T

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Die meisten seiner Kollegen liefern zwei Kollektionen pro Jahr. Lagerfeld liefert etwa 15, davon allein acht für Chanel. Ferien hält er für überflüssig: "Wir tun ohnehin den ganzen Tag, was uns Spaß macht. Entwerfen ist für mich so selbstverständlich wie Atmen. Ich denke noch im Schlaf an meine Arbeit und schreibe die Gedanken beim Aufstehen auf."

Karl Lagerfeld hat Geburtstag - 80?

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Eine Wahrsagerin hatte dem kleinen Karl zwar prophezeit, dass er später Priester werden würde. So lange er denken könne, habe er sich aber für Kleidung interessiert, so Lagerfeld. Als Kind wollte er Bäcker werden, seine Mutter verbot es ihm mit der Begründung: "Kommt nicht in Frage. Macht dick."

Seine Mutter war es auch, die ihn immer wieder auf sein Gewicht ansprach. Als sie ihn in Paris besuchte - zu dem Zeipunkt war er Kreativdirektor bei Chloé -, begrüßte sie ihren Sohn mit den Worten: "Schade, dass du dich nicht über den Hof gehen siehst, sonst hättest du gesehen, was für einen dicken Po du bekommen hast."

(Karl Lagerfeld 1982 in seiner Heimatstadt Hamburg)

Karl Lagerfeld und Nadja Auermann, 1997

Quelle: dpa/DPA

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Ein Bild, das längst vergessen ist: So sah Lagerfeld 1997 mit etwa 100 Kilo aus. Damals hüllte er sich in voluminöse Yamamoto-Anzüge der Größe XL und wedelte mit seinem Markenzeichen, dem Fächer. In einem Gespräch mit der SZ erklärte er später: "Noch mehr als Essen liebe ich gut sitzende Kleidung, also muss man was opfern."

(Karl Lagerfeld und Nadja Auermann 1997)

GERMAN-BORN DESIGNER KARL LAGERFELD ARRIVES AT THE 'BAL DE LA ROSE' CHARITY EVENT IN MONACO

Quelle: REUTERS

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2001 reduzierte Lagerfeld im Laufe eines Jahres sein Körpergewicht um mehr als 40 Kilo. "Ich bin quasi mein eigener Kleiderbügel", witzelte er stolz. Seine Jeans konnte man nur im Liegen schließen. "Da kommen nicht mal meine schlanksten Assistenten rein, höchstens die Kinder meiner Freunde." Sein Ziel war klar: endlich in die Slim-Anzüge von Hedi Slimane zu passen: "Mein einziger Ehrgeiz ist es, weiterhin bei Dior Größe 48/46 tragen zu können."

(Karl Lagerfeld 2001 in Monaco)

Karl Lagerfeld

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Lagerfeld trank nicht und rauchte nicht, sein einziges Laster war eisgekühlte Pepsi. "Wo er geht und steht, wird Pepsi-Cola im Kristallglas von Baccarat für ihn bereitgehalten und alle 30 Minuten ausgewechselt" schreibt der ehemalige Assistent Arnaud Maillard über seinen Chef in seinem Buch "Lagerfeld und ich". Und weiter: "Es ist harte Arbeit, Karl Lagerfeld zu sein".

MODE CHANEL MODESCHÖPFER KARL LAGERFELD

Quelle: DPA

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Lagerfeld, der Heiraten als "Freiheitsberaubung" bezeichnete, hasste es, Tag und Nacht Leute um sich zu haben. "Am liebsten beurteile ich mich selber bei meinem Tun. Und daneben gibt es noch jemanden, der genau beobachtet, was ich tue. Das bin aber auch ich".

(Karl Lagerfeld 2000 in Tokyo)

Karl Lagerfelds im Maison Chloe in Paris, 1972 | Karl Lagerfeld at Maison Chloe in Paris, 1972

Quelle: Max Scheler/SZ-Photo

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Die Aufnahme von 1972 zeigt Lagerfeld mit dem Modezeichner Antonio Lopez (rechts) und dem Model Eija. Im Hintergrund rechts ist der Mann zu sehen, den Lagerfeld als einzige Liebe in seinem Leben bezeichnete: der Franzose Jacques de Bascher, der Lagerfeld zärtlich "Mein Kaiser" nannte. In den 18 Jahren ihrer Beziehung hätten sie nie Sex gehabt, hieß es. Stattdessen verführte Bascher zahlreiche andere Männer und Frauen. Er starb 1989 an Aids. Die Beziehung beschreibt der Modeschöpfer als Vater-Sohn-Verhältnis: "Seine Welt war nicht meine Welt".

Karl Lagerfeld hat Geburtstag - 80?

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Seit dem Tod von Jacques de Bascher hatte der Modeschöpfer keine offizielle Beziehung mehr. Zwar zeigte er sich immer wieder mit aktuellen Musen, doch einen Lebensgefährten sah man nie mehr an seiner Seite. Das einzige Wesen, mit dem er seine Pariser Wohnung in den letzten Jahren teilte, war Choupette - eine Hauskatze mit eigenem Twitter-Account und Kammerzofe.

Ansonsten mochte er Tiere "vor allem, wenn sie mit Baumwolle oder Polyester gestopft sind. So kann man am besten sicherstellen, dass sie nicht beißen, nicht fressen, nicht schlecht riechen und ihre Sachen nicht schmutzig machen."

German designer Karl Lagerfeld and model Hudson Kroenig appear at the end of his Fall/Winter 2016/2017 women's ready-to-wear collection for fashion house Chanel at the Grand Palais in Paris

Quelle: REUTERS

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Auch für Kinder hatte Lagerfeld wenig Verständnis. Er selbst sei nicht allzu lange Kind geblieben, sagt er über sich. "Kinder machen Lärm und können enttäuschend sein. Ich gebe allen Kindern, die ich treffe, denselben Rat, den ich als Kind bekommen habe: Entweder, du machst auf erwachsen, oder du hältst gleich den Mund."

Eine Ausnahme machte er für seinen Patensohn Hudson Kroenig, der "frech wie Straßendreck" sei - und mit dem er sich trotzdem auf den Schauen zeigte.

German fashion designer Lagerfeld and German model Schiffer pose with the 'Mercedes' award 'Platinum' during the Elle Fashion Star award ceremony in Berlin

Quelle: Reuters

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Models waren ihm stets die liebste Gesellschaft. Wie zum Beispiel Kate Moss, Cara Delevingne oder seine langjährige Muse "Clooodia" Schiffer, über die er einmal sagte: "Sie ist und bleibt toll. Sie sieht heute besser und jünger aus als früher."

2012 amfAR's Cinema Against AIDS - Show

Quelle: Getty Images

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Auf Heidi Klum reagierte er nicht so charmant. "Ich kenne sie nicht", antwortet Lagerfeld, nachdem Johannes B. Kerner in seiner Talkshow ihren Namen ausgesprochen hatte. "Claudia kennt die auch nicht. Die war nie in Paris, die kennen wir nicht."

(Heidi Klum und Karl Lagerfeld 2012 in Cannes)

International Herald Tribune Heritage Luxury Conference - Day 1

Quelle: Getty Images for IHT

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Lagerfeld spöttelte nicht nur über Kinder und Heidi Klum, vor seinem Urteil war niemand sicher - weder Designerkollegen (über Wolfgang Joop: "Sieht aus wie eine alte Geisha"), noch Hollywoodstarsänger (über Brad Pitt: "Spielt leider nur noch Kindermädchen") oder britische Royals (über Elizabeth II.: "Ist in der Mode von vor 40 Jahren stehen geblieben").

Warum er das durfte? "Ich habe allerhand Freiheiten, weil ich sie mir nehme", sagte er in einem Interview.

© SZ.de/jana/rus
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