Ladies & Gentlemen:Unten ohne

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(Foto: TomboyX)

Und zwar ohne eindeutige Geschlechtszuschreibung. Mit "Genderless Underwear" beschäftigen sich derzeit einige junge Labels. Eine gute Idee?

Von Max Scharnigg und Julia Werner

Für Sie: Tropfschutz für alle!

Nirgends wird deutlicher als im Kleiderschrank, wie kompliziert die Genderdebatte eigentlich ist. Denn die Identifikation als Mann oder Frau oder alles dazwischen zaubert bekanntlich die körperlichen Fakten nicht weg. Die Textilindustrie arbeitet sich seit ein paar Jahren mit wenig Erfolg an Genderfree Fashion ab, denn das Geld wird immer noch mit den traditionellen Frauen- und Männerbildern gemacht. Der neueste Hype ist genderfreie Unterwäsche, was Sinn ergibt, weil es das Thema sozusagen an der Wurzel packt. Boxershorts ohne textile Auswölbung sind eigentlich nicht neu (Kim Kardashian verdient bei ihrem Label Skims schon seit Jahren damit Geld), wirken aber natürlich so, wenn sie ordentlich identitätspolitisch aufgeladen werden: Die Stofftasche sieht nicht nur blöd aus, wenn gar kein Penis drin ist, sie nagt auch am Selbstbild! Ein anderer Hype ist Periodenunterwäsche, mit der man sich den Tampon spart. Das inklusive Label Tomboy X kombiniert mit diesen sogenannten "Leakproof Trunks" jetzt beides, und dagegen ist überhaupt nichts einzuwenden, wenn es Menstruierende glücklich macht. So sollen Menschen mit Vagina ja jetzt genannt werden, wenn es nach dem Willen mancher Aktivisten ginge. Wobei anzumerken ist, dass dieser Begriff Leute nach der Menopause ja marginalisiert. Außerdem warten wir schon auf den nächsten Skandal, nämlich die Tatsache, dass es für stolze Penisbesitzer ungerechterweise keine auslaufsicheren Trunks gibt. Als würden nur Menschen mit weiblichem Geschlechtsteil tropfen! Identitäten sind wirklich ein gutes Geschäft.

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(Foto: Boy Smells)

Für ihn: Wer kriegt das Packerl?

Es war ja nur eine Frage der Zeit, bis die große Gender-Verwischung auch bei den kleinsten Kleidungsstücken ankommt. Die Underwear ist in dieser Hinsicht natürlich auch nochmal weitaus interessanter, und vor allem kniffliger als Parkas oder Overshirts, die ja relativ einfach unisex umdeutbar sind. Aber wo das übrige Outfit heute jede Form annehmen oder verhüllen kann, ist Unterwäsche eben doch en detail mit dem kleinen Unterschied zwischen Mann, Frau und Divers befasst und hat dabei sogar eine gewisse Funktionalität zu erfüllen. Anders gesagt: An den südlichen Klippen der männlichen Anatomie zerschellt so manche Vision von gänzlich neutralen Unterhosen. Der hippe Hersteller Boy Smells, dessen Sortiment aus gleichberechtigten Parfüms, Duftkerzen und eben einer "Umentionables" betitelten Unterwäschekollektion besteht, hat sich dafür entschieden, Schnitte, Farben und Größen seiner Slips zwar unisex zu gestalten, dann aber noch die Variationsmöglichkeit "pouch-front" oder "flat-front" zuzulassen. Salopp übersetzt: Es gibt die Buxen mit Päckchen oder ohne. So lässt sich auf dem Wäscheständer im genderfreien Haushalt von morgen die fliederfarbene Lingerie auf den ersten Blick nicht mehr direkt zuordnen, kann aber heimlich doch nach dem persönlichen Tragekomfort ausgesucht werden. Oder nach Tagesform. Sehr löblich. Setzt allerdings erstmal auch voraus, dass die nachrückende Generation männlich gelesener Personen gewillt ist, sich überhaupt mit der Binnen- oder sogar Außenwirkung ihrer Unterwäsche zu beschäftigen. Da könnte es noch Defizite geben.

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