Essen & Trinken:Schlimmstenfalls hat man einen dicken Pfannkuchen

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Lange war Kaiserschmarrn eher ein Arme-Leute-Essen, eine günstige kirchenkonforme Mehlspeise für Fastentage, die schnell und einfach sättigte. In der Zeit des übersteigerten Gesundheitsbewusstseins, in der monatlich neue Sonderernährungsformen propagiert werden, mag Schmarrn auf manche schon fast anachronistisch wirken. Er muss aber so sein. Eine fett- oder kohlenhydratarme Version? "Das kannst du schon machen, aber dann schmeckt's halt nicht", sagt Guggenbichler.

"Eigentlich ist der Herbst die beste Jahreszeit zum Kaiserschmarrn essen", findet Tobi Stegmann deshalb. "Da ist es noch am längsten hin bis zur nächsten Bikini-Saison". Also: ordentlich Zucker in die Pfanne, Schmarrn mit zwei Gabeln in Stücke reißen und in der Pfanne karamellisieren. Die massige Portion schafft in der Klosterschänke nur jeder zweite Gast, alle anderen bekommen einen Plastikteller, um sich die Reste für den nächsten Tag einzupacken. Kaiserschmarrn-Reste sollte man übrigens nie in den Kühlschrank packen, da wird er nämlich schneller trocken.

Im letzten Schritt lässt sich das Arme-Leute-Essen bei Bedarf noch weiter aufwerten. "Der Schmarrn ist nicht beleidigt, wenn man was dazugibt", meint Schuhbeck. Er empfiehlt Apfelmus oder Aprikosenröster - "am besten etwas, das gerade Saison hat". Sehr viel mehr braucht es bei einem guten Schmarrn aber nicht: Schlagsahne oder Eis wäre zu viel des Guten.

Es gibt also viel zu beachten bei einem Gericht, das angeblich so einfach ist. Etwas Übung brauche man schon, gibt nun auch Stegmann zu. Aber spätestens beim dritten Schmarrn sei man Profi. Und misslungene Versuche seien nicht für die Tonne: "Mehl, Eier und Zucker können zusammen gar nicht schlecht schmecken." Schlimmstenfalls habe man statt Schmarrn einen dickeren Pfannkuchen produziert. Oma hat schließlich auch mal so angefangen.

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