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Ernährung:Wenn Hunde zu Veganern werden

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Das Angebot an veganem und vegetarischem Futter für Tiere wächst stetig, denn: Was Frauchen mag, kann für den Hund ja nur gut sein.

(Foto: imago/Westend61)

Trockenfutter mit Chiasamen, Leckerlis aus Soja: Der Trend zur fleischlosen Ernährung hat den Fressnapf erreicht. Ist das gesund? Darüber streiten selbst vegane Tierhalter.

Schoko und Axel leben im Schlaraffenland. Ihr Frauchen Martina Hinterwallner betreibt am Wiener Naschmarkt ein veganes Bistro, rund um den Laden duftet es nach Steak, gegrilltem Fisch, orientalischen Gewürzen und Bratwurst. Schoko und Axel sind zwei leistungsfähige Fressmaschinen, die beiden Labradore würden grundsätzlich alles verspeisen, was ihnen vor die Schnauze kommt. Dürfen sie aber nicht. Ihr Frauchen achtet streng darauf, dass sie kein Junkfood zwischen die Zähne bekommen.

Martina Hinterwallner ist Veganerin, aus ethischen Gründen. Während sie ihre Ernährung umstellte, fütterte sie die Hunde weiter nach der Barf-Methode mit rohem Fleisch, Knochen, Innereien und Rohkost, eine Art Paläo-Diät nach dem Vorbild der Wölfe. Es kam ihr zunehmend grotesk vor: Um Tierleid zu vermeiden, aß sie selbst nur Pflanzliches, aber ihren Haustieren verfütterte sie Teile anderer Tiere. "Mich hat es gegraust vor dem Fleisch, und ich fand es für meine Hunde genauso wichtig wie für mich, sie möglichst gesund zu ernähren." Also stellte sie auch die Ernährung der Hunde um: auf rein vegane Kost.

Schoko und Alex sind somit auf der Höhe der Zeit. Der Verzicht auf tierische Produkte ist ein Gesellschaftstrend, der sich immer stärker auch auf die Ernährung von Haustieren auswirkt. Mehr als acht Millionen Vegetarier leben nach Angaben des Vegetarierbunds in Deutschland, ungefähr gleich viele Hunde gibt es hierzulande (8,6 Millionen).

Die Zahl der Veganer hat sich innerhalb weniger Jahre vervielfacht und liegt jetzt bei 1,3 Millionen. Gleichzeitig wächst die Begeisterung der tierlieben Deutschen für Hund, Katze, Vogel und Maus; laut einer Statistik des Industrieverbands Heimtiermarkt gibt es 31,6 Millionen Haustiere in deutschen Familien, die Schnittmenge zwischen Hundehaltern und Veganern ist groß. Für die Tierindustrie ein gefundenes Fressen: Das Segment an veganen und vegetarischen Produkten für Tiere wird ständig ausgeweitet.

Das Angebot ist exquisit: Büchsenfutter aus Soja, weizenfreies Trockenfutter mit Cranberrys, Roter Bete und Algenextrakt - und für die Allergiker unter den Vierbeinern die glutenfreie Mischung "Sensibelchen No. 1" mit Linsen, Amaranth, Lupine, Karotten, Algen und Chiasamen. Für die menschlichen Vegetarier gibt es Tofu-Würstchen und Seitan-Ente als Fleischersatz, für Hunde werden Knochen aus Süßkartoffel-Stärke nachgebaut, sogar vegane Schweineohren sind im Angebot, aus Kartoffelstärke, Glycerin, Cellulosepulver, Lecithin, Hefe und Farbstoffen. Dazu kommen Ergänzungsfuttermittel, die dem Tier fehlen, wenn es zum Veganer wird.

Ob es notwendig ist, ein imitiertes Schweineohr aus Cellulose und Zusatzstoffen herzustellen, sei dahingestellt - aber ist es für einen Hund wirklich gesünder als ein echtes Schweineohr? Und kann man Haushunde fleischlos ernähren, ohne dass es zu Mangelerscheinungen kommt? Die Meinungen über die vegane Ernährung für Tiere gehen auseinander, und sie werden ziemlich emotional bis unsachlich dargelegt.

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