bedeckt München
vgwortpixel

"Blue Box Café" in New York:Frühstück bei Tiffany ist wie eine Kaffeefahrt mit Carrie Bradshaw

Blue Box Café, Tiffany & Co., New York

Ausgewählte Obst-Variationen, heißt es gerne in Speisekarten. Im Tiffany-Café liegt die Betonung auf "ausgewählt".

(Foto: Johanna Bruckner)

Das "Blue Box Café" in New York lässt eine Filmphantasie wahr werden. Und bietet Juwelier Tiffany die perfekte Ausstellungsfläche für das hauseigene Kaffeeservice.

Das Frühstück bei Tiffany beginnt übersichtlich. Im Schälchen, das der Kellner auf den Teller aus der hauseigenen Porzellanlinie setzt, liegen drei orangefarbene Melonen-Bällchen, drei grüne Melonen-Bällchen, zwei Himbeeren, zwei Brombeeren, zwei Heidelbeeren und zwei Viertel einer Feige. Darauf mussten Fans des Truman-Capote-Klassikers "Breakfast at Tiffany's" also knapp 60 Jahre warten (der Film erschien 1961). Von der einmonatigen Wartezeit für eine Reservierung ganz zu schweigen. Ein 14-teiliges Obst-Arrangement, garniert mit essbaren Blütenblättern.

Seit November ist das "Blue Box Café" im vierten Stock des Tiffany-Flagshipstores auf der Fifth Avenue geöffnet. Beim ersten Versuch, einen Tisch zu reservieren, erklärt die Presseabteilung, man möge es bitte einfach vor Ort probieren. Allerdings: Die Leute stünden ab Mitternacht Schlange. Mittlerweile ist es möglich, über die App "Resy" jeweils ab neun Uhr morgens einen Tisch zu buchen - für einen einzigen Tag, exakt 30 Tage später. Wer das versäumt, kann sich per Mail benachrichtigen lassen, falls kurzfristig etwas frei wird.

Tiffany Tiffany hat ein Problem mit Trump
Luxusjuwelier in New York

Tiffany hat ein Problem mit Trump

Das Weihnachtsgeschäft lief schlecht für den Luxusjuwelier - jetzt muss der CEO gehen. Die Misere des New Yorker Geschäfts hat mit der Nähe zum Trump Tower zu tun.   Von Johanna Bruckner

Wer es ins "Blue Box Café" geschafft hat, feiert umso ausgelassener. Die Stimmung am Nebentisch ist hervorragend. Dort sitzen eine brünette Carrie Bradshaw, pinker Tüllrock, neongelbe Pumps, und drei junge Frauen mit identischer Föhnfrisur in Blond. Die vier Mittzwanzigerinnen wirken wie aus einem Tiffany-Imagevideo. Carrie heißt in Wirklichkeit Emily und geht heute zum ersten Mal nach der Geburt ihrer Tochter wieder aus. Emilys Freundinnen haben sich extra freigenommen für den Besuch im Tiffany's-Café, das zwei Monate alte Baby schläft in seinem Kinderwagen. Nachher soll es noch rübergehen ins Luxuskaufhaus Bergdorf's, Hochzeitschuhe kaufen und ein Glas Champagner trinken.

"Nutella - sooo good!"

Was ihnen am besten geschmeckt habe? Einhellige Meinung: "Nutella - sooo good!" Die Schokoladencreme wird zum zweiten Gang des "Breakfast at Tiffany's" gereicht: einem Croissant, dem zum französischen Idealmaß ebenfalls einige Zentimeter fehlen. Aber vielleicht geht es darum ja auch gar nicht.

Wer ins Blue Box Café kommt, der möchte mehr als ein Rührei mit gehobeltem Trüffel (Gang drei). Er möchte das Gefühl bekommen, hierher zu gehören. Auch wenn er sich hier nur ein Frühstück für 29 Dollar leisten kann. Ein Heißgetränk ist im Preis genauso inbegriffen wie das Gefühl, Teil eines illustren Kreises zu sein. Und sei es nur der Kreis jener, die das Auswahl-Schrägstrich-Reservierungsverfahren erfolgreich bestanden haben.

Blue Box Café, Tiffany & Co., New York

Wer sich für das dreigängige "Breakfast at Tiffany's" entscheidet, hat die Wahl zwischen Rührei mit Trüffel, einem Bagel mit Lachs, Avocado-Toast oder Buttermilch-Waffeln.

(Foto: Johanna Bruckner)

Das Café im vierten Stock des Tiffany-Flagshipstores ist eher klein. Der überwiegende Teil des Stockwerks ist der neuen Einrichtungslinie des Luxusjuweliers gewidmet. Das Eck-Café mit Blick auf die Fifth Avenue dient vor allem einem Zweck: Es soll den Verkauf ankurbeln. Kaffeefahrt mit Carrie Bradshaw, wenn man so will. In Vitrinen ist das Porzellanservice mit Akzenten im charakteristischen Tiffany-Türkis perfekt ausgeleuchtet. Ein Dessertteller ist für 50 Dollar zu haben, die Teekanne gibt es für 185 Dollar plus Steuern. Im Angebot sind außerdem herzförmige Fotorahmen, Cashmere-Decken mit Tiffany-Logo und ein Vogelnest aus Silber mit drei türkisfarbenen Porzellan-Eiern.

Letzteres ist auf der Webseite unter "Everyday Objects" katalogisiert und kostet 10 000 Dollar. Upperclass-Humor oder schlicht zielgruppengerechte Ansprache?

Fest steht: Auch jene Kundschaft, die nur zum Gucken gekommen ist, wird bei Tiffany's ausgesprochen freundlich willkommen geheißen. Die vielen Touristen, die jeden Tag durch die goldene Drehtür in die glitzernde Diamanten-Welt gespült werden, helfen, den Mythos aufrechtzuerhalten. Ihnen ergeht es wie Holly Golightly im Film: Das ausgestellte Geschmeide mag unerschwinglich sein, träumen aber kostet nichts. Das "Blue Box Café" fügt sich perfekt in diese Firmen-Philosophie. Trotzdem sind an einem Dienstagmorgen etliche Tische unbesetzt. Das Reservierungsbohei dürfte also auch Marketingstrategie sein - darin war Tiffany's schon immer gut.

1837 eröffneten die Schulfreunde Charles Louis Tiffany und John Young in New York ihr Geschäft. Zunächst gab es dort nicht nur Schmuck zu kaufen, sondern auch Peitschen für Hunde, Mokassins, chinesische Regenschirme und japanische Fächer. Mit ihren ausgefallenen Waren zogen die Unternehmer reiche Touristen an. Verpackt wurden die Einkäufe von Beginn an in türkisfarbenen Schachteln. Den charakteristischen Ton ließen sich die Firmengründer beim amerikanischen Farbenhersteller Pantone als "Tiffany Blue" sichern. Kennnummer: 1837.

Kellner im Erinnerungsfoto-Dauereinsatz

Im Blue Box Café gibt es Wände in "Tiffany Blue", türkisfarbene Marmor-Panele und türkisfarbene Sesselhussen. Letztere überzeugten die Kritikerin des Stadtmagazins Timeout nicht. Die Baumwoll-Überwürfe erinnerten dann doch eher an Ikea als an einen Hersteller von Luxusartikeln, befand sie. Die meisten Besucher dürften sich daran allerdings genauso wenig stören wie an den Wasserrändern auf den Alu-Tischen. Die Kellner sind im Erinnerungsfoto-Dauereinsatz. Emily und ihre Freundinnen, eine Mutter mit ihrer Tochter, ein junges Pärchen, die Etagere mit den türkisfarbenen Petit Fours soll unbedingt mit aufs Foto.

Zwei Männer wirken im femininen Tiffany's-Ambiente auf den ersten Blick wie Fremdkörper. Bullige Statur, Bürstenhaarschnitte, karierte Halbarmhemden. Matthew und Bradley wohnen anderthalb Stunden von New York City entfernt und sind für ein verlängertes Wochenende angereist, um Matthews Geburtstag zu feiern. Am letzten Tag ihres Kurztrips hat es doch noch geklappt mit einer Reservierung im "Blue Box Café". Sie haben einen Tisch mit Blick auf das legendäre Plaza Hotel und den südöstlichen Zipfel des Central Parks ergattert. Matthew strahlt und streckt seine Füße unter dem Tisch hervor - zur Feier des Tages trägt er schwarze Samtslipper, die über und über mit Glitzersteinen besetzt sind.

Die beiden wollen beim Rausgehen noch nach ihrem persönlichen Frühstücks-Favoriten schauen: dem "Tiffany Blend Tea". Den gibt es natürlich auch zu kaufen. Im Set mit Tiffany's-Bechern, Kostenpunkt: 150 Dollar.

Blue Box Café, 727 5th Avenue, New York (im vierten Stock des Tiffany-Flagshipstores). Öffnungszeiten: Montag bis Samstag, 10 bis 17.30 Uhr, Sonntag, 12 bis 16 Uhr.

Essen und Trinken Hype um rohen Teig

"DŌ"-Shop in New York

Hype um rohen Teig

Mehr als zwölf Keksteigsorten hat Kristen Tomlan in ihrem "DŌ"-Shop in Manhattan im Angebot. Sie verspricht: Magengrummeln ausgeschlossen. Ein Besuch.   Von Johanna Bruckner