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Bayern-Spieler als Werbeträger:Sternchen des Südens

FC Bayern München

Mario Götze und Thomas Müller bei einem Fotoshooting an der Säbener Straße.

(Foto: dpa)

Müller ärgert Boateng, Lahm kichert, Schweinsteiger ist zeitweilig nur mit einem Frotteebadetuch bekleidet. Mit den Spielern des FC Bayern als Werbegesichtern lässt sich selbst Salz-Haarspray an den Mann bringen. Ein Set-Besuch an der Säbener Straße.

Es soll um Kosmetikprodukte für Männer gehen, um Shampoo, Dusch- und Haargel, um Deodorant und ein Salzspray "für ultra-coole Styling-Looks", aber am Ende des Tages ist das perfekteste Produkt immer noch: der FC Bayern selbst.

Ein sehr blauer Oktobertag, auf der Vereinsanlage an der Säbener Straße ist das öffentliche Training eben abgepfiffen worden. Doch das Volk zaudert noch. Es strömt auf den Parkplatz, befühlt und fotografiert den Bayern-Bus, brandet am Gebäudekomplex entlang, groß wie drei Gymnasien, quillt dann in den Fan-Shop und kommt tütenbepackt wieder heraus. Drei Generationen schleppen Trikots, Schals, Uhren, Stofftiere, Babystrampler, Hundehalsbänder und Triple-Gummibärchen davon. Beglückt wie nach einem religiösen Erlebnis.

Der FC Bayern ist der feuchte Traum jedes Werbers. Es ist so einfach: Nimm irgendein Produkt, pappe das Vereinswappen oder das Gesicht von Bastian Schweinsteiger drauf, und das Produkt ist gut.

Das Produkt stammt in diesem Fall von einem deutschen Kosmetikriesen: eine siebenteilige Pflegeserie für Männer, die Kampagne mit fünf Bayern-Spielern soll in der Sporthalle an der Säbener Straße fotografiert werden. (Genauer: in der einen Ecke der Halle. In der anderen stehen Arjen Robben und vier weitere Spieler für einen Handy-Hersteller stramm.) Für die knapp zwei Stunden haben sich drei Setbauer, zwei Stylistinnen, zwei Haare/Make-up-Frauen, vier Werbeleute, ein Making-of-Fotograf und ein Making-of-Kameramann eingefunden. Aber das Erste, was man sieht, ist die Spielecke. Weiße Ledersofas mit Beistelltisch und Flatscreen. Auf dem Tisch liegt ein Stapel Kicker und Sport Bild. Auf dem Flatscreen glimmt die Startformation von "Fifa 13". Subtext: Lasst uns die Jungs bei Laune halten, bevor sie die Lust verlieren und zu quengeln anfangen.

Der Mann cremt, zupft und epiliert

Dann ist da noch der Fotograf aus Berlin. Jim Rakete. 63 Jahre, Brusttasche des Hemdes voller Kugelschreiber, amüsiertes Grinsen im Gesicht. Lässiger Typ. Er ist in seiner Branche selbst ein Star, beim FC Bayern aber eine noch unbekannte Größe. "Rakete? Der schießt schnell!" Kalauer von Philipp Lahm. Der Mann von der Agentur drückt es professioneller aus, er sagt: "Rakete ist einer, der die Leute ganz maskulin und iconic umsetzt." Maskulin und iconic ist so etwas wie die Essenz dieses Auftrags.

Es geht um Beauty für Männer, wie gesagt, und da hat der deutsche Mann zuletzt Fortschritte gemacht. Wie ein Irrer Deo unter die Achseln sprühen, das tut er schon lange. Aber seit einigen Jahren cremt, zupft, peelt und epiliert er auch. Er geht immer häufiger zur Maniküre und zum Botox-Doktor, er klatscht sich nicht nur sein Aftershave auf die Backen, sondern tupft noch einen teuren Herrenduft obendrauf, insgesamt gibt er immer mehr Geld für sein Äußeres aus. Während der Umsatz bei den Frauen auf hohem Niveau stagniert, hat sich der Markt für Herrenkosmetik innerhalb weniger Jahre verdreifacht, und da wollen jetzt alle was von abhaben.