Kolumne: Gewusst wie:Auto waschen im Winter

Kolumne: Gewusst wie: Streusalzrückstände sollten lediglich auf den Fenstern sowie auf den Front- und Rückleuchten mit einem feuchten Schwamm oder Lappen abgerieben werden. Wer den Lack (vor-)reinigen möchte, ist mit einem Hochdruckreiniger gut bedient.

Streusalzrückstände sollten lediglich auf den Fenstern sowie auf den Front- und Rückleuchten mit einem feuchten Schwamm oder Lappen abgerieben werden. Wer den Lack (vor-)reinigen möchte, ist mit einem Hochdruckreiniger gut bedient.

(Foto: Imago/Pond5 Images)

Streusalz und Schmutz können in der Waschanlage wie Schmirgelpapier wirken. Wie man den Wagen in der kalten Jahreszeit am besten pflegt - und wann man besser auf eine Autowäsche verzichten sollte.

Von Joachim Becker

Rost schläft nicht, schon gar nicht in der feucht-kalten Jahreszeit. Deshalb halten Oldtimer-Fans eine Art Winterschlaf. Selbst bei Sonnenschein und frisch geräumten Straßen bewegen sie ihre Schätzchen so wenig wie möglich - aus Angst vor der rostbraunen Pest. "Ich musste jetzt mitten in der Salzperiode mit meinem Morgan zum TÜV", ächzt der Besitzer eines alten englischen Sportwagens, "ich habe zwar versucht, das Zeug so gut wie möglich runterzuspülen, aber an verschiedenen verborgenen Stellen wird es doch noch fressen."

Das "Zeug" ist fein verteiltes Frostschutzmittel: Bei trockenem Wetter überpudert eine dünne Salzschicht die Straßen - auch wenn weit und breit kein Streufahrzeug zu sehen ist. Die Salzkruste wird von den Autorädern zermahlen und ständig neu aufgewirbelt. Als klebriger Nebel zieht das Taumittel Schlieren auf den Scheiben, verteilt sich als Grauschleier über dem Wagen und dringt durch jede Ritze.

Früher war dieser weiße Dunst gefürchtet - heute sei alles nur noch halb so schlimm, teilt der Auto Club Europa (ACE) mit: "Streusalz und getrocknete Salzlauge sind für moderne Autolacke weniger schädlich als angenommen. Grundsätzlich kann Salz dem Klarlack nichts anhaben". Das Problem sind weniger die Oberflächen mit einer Extra-Schicht Klarlack, sondern die unlackierten Teile des Fahrwerks und verborgene Hohlräume, die nicht mit einem Spezialwachs konserviert wurden.

In jeder Nische setzt sich das Streumittel auf Kochsalzbasis (oder versetzt mit dem ätzenden Kaliumchlorid) fest und bildet Feuchtigkeitsnester: Salz zieht Wasser an, steigert dessen Leitfähigkeit und beschleunigt die Korrosion auch an kleinen Lackschäden etwa durch Steinschlag. Dieser Rostfraß, also die Oxidation von Metall auch unter dem Lack, bedroht alte Autos in ihren Grundfesten, nagt an glanzgedrehten Aluminiumfelgen - und an den Nerven ihrer Besitzer.

Heiß auf Eis ist im Winter nie eine gute Idee.

Lässt sich das weiße Pulver nicht einfach abwischen oder -waschen? Experten warnen vor Hauruckaktionen: Streusalzrückstände sollten lediglich auf den Fenstern sowie auf den Front- und Rückleuchten mit einem feuchten Schwamm oder Lappen abgerieben werden. Wer den Lack reinigen möchte, ist mit einem Hochdruckreiniger erst einmal besser bedient. Bei einer gründlichen Vorwäsche sollten auch die Schnee- und Salzreste am Unterboden und in den Radhäusern beseitigt werden. "Ohne die Vorbehandlung wirkt die Schmutzschicht in Kombination mit den Waschbürsten wie Schmirgelpapier und kann den Lack unter Umständen beschädigen", sagt Christopher Lang von der Werkstattkette ATU.

Heiß auf Eis ist im Winter nie eine gute Idee. Vor einer Fahrt in die Waschanlage sollte daher das Thermometer konsultiert werden: Eiskalte Autos, die plötzlich in das zwischen zehn und 30 Grad warme Wasser einer Waschanlage eintauchen, strapazieren den Lack; Gummi- und Kunststoffteile werden schneller brüchig. "Um zu starke Temperaturschwankungen zu vermeiden, sollten Autofahrer und Autofahrerinnen ab minus zehn Grad Celsius auf die Wäsche verzichten", so Lang. Bei starkem Frost besteht nach dem Waschen ohnehin die Gefahr, dass die Türschlösser vereisen und die Gummidichtungen anfrieren - selbst wenn man ein Programm mit Trocknung gewählt hat.

Waschen, föhnen, pampern: Eine dünne Schicht Vaseline oder etwas Babypuder auf den Dichtungen und etwas Ölspray im Schloss schützen vor eingefrorenen Türen. Aber wer - außer Oldtimer-Fans - geht schon so pfleglich mit seinem alten Schätzchen um?

Kolumne: Gewusst wie: Der Autor räumt Defizite bei der Winterpflege seines Autos ein. Aber ein tüchtiger Wolkenbruch auf der Autobahn hat es noch immer gutgemacht.

Der Autor räumt Defizite bei der Winterpflege seines Autos ein. Aber ein tüchtiger Wolkenbruch auf der Autobahn hat es noch immer gutgemacht.

(Foto: Bernd Schifferdecker (Illustration))
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