Zwischenfall in der Fußball-Regionalliga:Ein Wunder? Ein Skandalspiel?

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Erst fliegen Böller, dann die Anschuldigungen: Eine durch Fans verursachte Pause in der Regionalliga Bayern beim Spiel zwischen Schweinfurt und Heimstetten hat enorme Folgen. Der Vorfall erinnert an andere Partien, bei denen Fans Einfluss auf den Ausgang eines Spiels nehmen.

Von Johannes Aumüller

In der 85. Minute schien die Sache klar zu sein. Da hatte der 1. FC Schweinfurt im Spiel der Regionalliga Bayern gegen den SV Heimstetten just das 1:3 kassiert, und eine Niederlage wäre ebenso wie ein Remis gleichbedeutend mit dem Abstieg gewesen. In der 90. Minute war die Sache dann wirklich klar - aber anders, als kurz zuvor angenommen. Denn nach drei Schweinfurter Treffern stand es plötzlich 4:3, der Klub darf nun in die Relegation. Direkt absteigen muss stattdessen Bayern Hof.

Die einen freuen sich nun über das "Wunder von Schweinfurt". Die anderen sind empört über all das, was sich in der turbulenten Schlussphase im Willy-Sachs-Stadion ereignet hat. Nach dem Gegentor zum 1:3 zündeten Zuschauer im Schweinfurter Fan-Block China-Böller. Der Schiedsrichter unterbrach deswegen die Partie, die gemäß Statuten zeitgleich mit allen anderen Spielen ausgetragen werden sollte, damit das Ergebnis des einen Spiels nicht den Fortgang anderer Spiele beeinflussen kann.

Drei Treffer binnen fünf Minuten

Just während der Unterbrechung erfuhren die vor dem Spieltag ebenfalls noch nicht definitiv geretteten Gäste aus Heimstetten, dass sie wegen des Ergebnisses bei Bayern II gegen Rosenheim (1:1) selbst bei einer Niederlage nicht mehr absteigen können - entsprechend groß waren Freude und Spannungsabfall; die Kraft war eh schon reduziert, weil sie lange in Unterzahl spielen mussten. Und als die Begegnung nach ein paar Minuten endlich weiterging, gelang es den Schweinfurtern, mit drei Treffern binnen kürzester Zeit die Partie zu drehen und sich so doch noch für die Relegation zu qualifizieren, die am Dienstag gegen Aubstadt beginnt.

Ein Wunder? Ein Skandalspiel? Oder ein Vorgang, wie er in den großen Weiten des Amateurfußballs - und nichts anderes ist die Regionalliga ja, obwohl immer viel von professionellen Strukturen und Ähnlichem die Rede ist - an einem letzten Spieltag dann und wann halt vorkommt?

Fans und ihr konkreter Einfluss auf den Ausgang eines Spiels, das ist ein Phänomen, das in ganz neuer Ausprägung um sich greift. Salzburg etwa im März 2014: RB dominiert das Europa-League-Spiel gegen Basel und führt 1:0, dann erzwingen die Gäste-Fans eine fast viertelstündige Unterbrechung. Basel nutzt das offenkundig, um sich zu sammeln; als die Auszeit vorbei ist, spielt Basel ebenbürtig und gewinnt am Ende sogar.

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