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Zwanzigers Rücktritt als DFB-Präsident:Theos Tischfeuerwerk zum Jahresabschluss

Der scheidende DFB-Präsident Theo Zwanziger hat seinen Rücktritt ähnlich fragwürdig inszeniert, wie er mitunter während seiner Amtszeit agiert hat. Mit Wolfgang Niersbach folgt ihm ein Funktionär, der dem Profifußball deutlich näher steht - was allerdings auch eine große Gefahr birgt.

Wolfgang Niersbach bietet sich eine große Chance. Der neue Mann an der Spitze kann dem Deutschen Fußball-Bund das zurückbringen, was jüngst sukzessive verloren ging: Glaubwürdigkeit, Verlässlichkeit, Augenmaß. Die Unterstützung für den 61-Jährigen ist so breit, dass er den Verband auch intern wieder zusammenführen kann.

Weg fuer Niersbach zum neuen DFB-Praesidenten frei

Der scheidende DFB-Präsident Theo Zwanziger (links im Bild) und sein Nachfolger Wolfgang Niersbach.

(Foto: dapd)

Der einstige Sportjournalist, einstige Mediendirektor und bisherige Generalsekretär kennt sich aus in der Materie, so gut sogar, dass daraus eine der wenigen Gefahren erwächst, die seine Beförderung begleiten: Niersbach steht dem Profifußball so nahe, dass es eine wegweisende Verschiebung der Gewichte innerhalb des größten Sportfachverbandes der Welt geben könnte, weg von den bisher so starken Amateuren.

Was Niersbach zu gesellschaftlich wichtigen Themen wie der Radikalisierung einzelner Fangruppen, Integrationsfragen oder Homosexualität im Sport einfällt, wird ebenso spannend zu beobachten sein wie die Frage, wie er der zunehmenden Bedeutung des Frauenfußballs gerecht werden will. Bisher hat Niersbach sich dazu nicht positioniert.

Es ist ein Verdienst des scheidenden Theo Zwanziger, diese Themen auf die DFB-Agenda gebracht zu haben. Anders als seine Vorgänger, der Hinterzimmer-Funktionär Gerhard Mayer-Vorfelder und der onkelhafte Egidius Braun, erkannte Zwanziger die öffentliche Bedeutung, die das Amt eröffnet - und füllte sie bereitwillig aus.

Genau das wurde mit der Zeit aber zum Problem, weil Zwanziger nicht nur reklamierte, wichtige Fragen zu stellen, sondern zunehmend auch so tat, als habe er selbstverständlich alle Antworten darauf. Die Affäre um die Affäre des einstigen Schiedsrichter-Obmanns Amerell mit dem Schiedsrichter Kempter managte Zwanziger stümperhaft. Wichtige Personalentscheidungen wie die Frage, wer die Nationalmannschaften trainieren soll, traf er quasi im Alleingang.

So wurde es einsam um ihn. So einsam, dass er nicht mehr mitbekam, dass sein Wunschnachfolger Erwin Staudt keine Chance in den Gremien hatte. Die Art, wie Zwanziger seinen Rückzug offenbarte - quasi als Tischfeuerwerk zum Dessert bei der DFB-Jahresabschlussfeier - wird als finaler Dilettantismus in Erinnerung bleiben.

In den Gremien des europäischen und des Weltfußball-Verbandes hat Zwanziger nun noch einige Gelegenheiten, sich zu produzieren. Lange wird es aber wohl nicht dauern, bis er auch dort merkt: Ein Mann ohne Macht ist nicht mehr wirklich gefragt. Der ambitionierte Theo Zwanziger - am Ende ließ er seine Chance ungenutzt.

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