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Start der Eishockey-Bundesliga:Achtung, rote Bullen in München

Das Münchner Eishockey lässt sich von einem Getränkehersteller retten, Dennis Endras kehrt in die DEL zurück, die Liga freut sich über härtere Strafen und die Flüche der neuen "Cable Guys". Zehn Dinge, die Sie über den Start der neuen Eishockey-Saison wissen sollten.

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Start der Eishockey-Bundesliga:Ice Tigers im Kaufrausch

Ice Tigers 2012/13

Quelle: imago sportfotodienst

Ice Tigers im Kaufrausch: Es soll Menschen geben, die gehen shoppen, wenn sie schlechte Laune haben. Sie kaufen dann irgendetwas und für einen kurzen Moment geht es ihnen besser. Oft handelt es sich bei diesen Menschen um Frauen; einige kaufen Schuhe, andere ein neues Kleid, manche soll auch Unterwäsche kaufen, je nachdem was eben der Grund für die schlechte Laune war.

Bei Lorenz Funk verhielt es sich ganz ähnlich. Der Manager der Ice Tigers Nürnberg hatte nach der verkorksten zurückliegenden Saison mit Platz 13 mächtig schlechte Laune, also ging er shoppen. Nur mit ein paar Schuhen oder neuen Unterhosen war es bei ihm nicht getan. Funk kaufte Spieler. Insgesamt 16, was bei einem Kader von 29 Spielern mehr als die Hälfte ist. Dazu holte er sich mit Jeff Tomlinson auch gleich noch einen neuen Trainer.

Mengenrabatt gab es zwar keinen, doch den hatte Funk auch nicht nötig. Zum einen hat er nämlich ordentlich ausgemistet und 14 Spieler abgegeben und mit rund sechs Millionen haben die Ice Tigers ihren Jahresetat im Vergleich zum Vorjahr um 1,2 Millionen Euro aufgestockt. Jetzt hat Funk wieder gute Laune, was auch am neuen Trainer liegt. Der hat sogleich verkündet: "Das Ziel sind die top Vier." (mem)

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Start der Eishockey-Bundesliga:Neue deutsche Welle

Torhüter Endras zum besten WM-Spieler gekürt

Quelle: dpa

Neue deutsche Welle: Das Thema hat Brisanz, gerade in Deutschland. Dennoch bleibt die DEL bei ihrer Haltung und vertreibt Stück für Stück die Ausländer aus den Teams. Ziel ist es, die deutschen Spieler so stärker zu fördern und im internationalen Vergleich konkurrenzfähiger zu machen. Und darum dürfen es ab dieser Saison statt der bisher zehn nur noch neun Spieler mit einem ausländischen Pass sein.

Dieser Trend soll in den kommenden Jahren sogar noch verstärkt werden. "In den nächsten fünf Jahren sollten wir die Anzahl der Ausländer auf fünf bis sechs reduzieren", sagt DEB-Vizepräsident Eric Kühnhackl. Die Vereine gehorchen nur widerwillig. Und der Markt protestiert auf seine Art: Die Einbürgerung hat in der DEL gerade Hochkonjunktur und deutsche Spieler mit Qualität werden plötzlich sehr teuer.

Doch schauen die Verantwortlichen nicht nur auf die eigene Liga, sondern auch nach Übersee. Dort bahnt sich in der amerkianischen NHL ein Streik und damit die Aussetzung des Ligabetriebs an, da sich Gewerkschaft und Liga nicht einig werden. Einige Spieler, darunter auch die Deutschen Christian Ehrhoff (Buffalo Sabres) und Dennis Seidenberg (Boston Bruins), können sich durchaus vorstellen, im Falle eines Saisonausfalls in Deutschland zu spielen. Die DEL dürfte sich dann über einen weitere deutsche Welle freuen. (mem)

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Start der Eishockey-Bundesliga:Zurück im Free TV

Kameramann Eishockey

Quelle: imago sportfotodienst

Zurück im Free TV: Nach dem Ausscheiden des Pay-TV-Senders Sky übernimmt ab der neuen Saison der österreichische Red-Bull-Sender Servus TV. Der kennt sich aus mit Eishockey, überträgt er doch seit etwa zwei Jahren die österreichische Liga. Damit sind die Spiele wieder frei empfangbar.

Mit dem neuen Sender kommen auch jede Menge kreative Ideen: Neueste Kameratechnik soll einen nie gekannten Qualitätsstandard setzen, Kameras in der Kabine sollen dokumentieren, wie der Trainer seine Spieler zusammenstaucht, Mikrofone an zwei Spielern übertragen noch den kleinsten Seufzer (siehe Cable Guy) und die sogenannte "Power Break" (90-Sekunden-Pause) sorgt pro Drittel für anderthalb Minuten Werbezeit zusätzlich.

Die Fernsehmacher sind begeistert und preisen ein völlig neues Sporterlebnis an. Trainer und Spieler finden einige Ideen weniger großartig. Immerhin dürfen sie in der Kabine ein Handtuch über die Kamera werfen. (mem)

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Start der Eishockey-Bundesliga:Eishockey unter freiem Himmel:

New York Rangers goalie Henrik Lundqvist plays the puck against the Philadelphia Flyers during the second period in the NHL Winter Classic hockey game in Philadelphia

Quelle: REUTERS

Eishockey unter freiem Himmel: Es gibt Dinge im Sport, die schon immer so waren, wie sie sind: Der Rasen in Wimbledon, zum Beispiel, oder das Rasen in der Formel 1. Und Eishockey wurde in der DEL schon immer in einer Halle gespielt. Bis jetzt.

Ganz nach dem amerikansichen Vorbild der Winter-Classics (im Bild) wird am 5. Januar zum ersten Mal in der Geschichte der DEL ein Spiel unter freiem Himmel angepfiffen. Austragungsort ist das Stadion in Nürnberg, das extra umgebaut wird. "Ich warte seit Jahren darauf, dass in Deutschland mal ein Spiel unter freiem Himmel stattfindet", sagt Nürnbergs Stürmer Patrick Reimer.

Die Fans sehen es genauso: Bereits jetzt sind rund 20.000 Tickets verkauft. Das sind mehr als beim bisherigen Ligarekord (18.700 Zuschauer am 19. April 2002 beim Spiel Kölner Haie gegen Adler Mannheim). Doch die neue Bestmarke dürfte noch weitaus höher liegen. Insgesamt stehen 50 000 Tickets zur Verfügung.  (mem)

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Start der Eishockey-Bundesliga:Cable Guy

GER, DEL, Ice Tigers Nuernberg vs EHC Muenchen

Quelle: nordphoto

Cable Guy: Der Umgangston beim Eishockey ist wie das Spiel: hart, ehrlich, männlich. Beweis gefällig? "Ich könnt mich anspeien. So schlecht schauen wir heut aus", oder: "Alter! Der fährt mir genau ins Gesicht, du Arschloch!"

In der österreichischen Liga (EBEL) erfreut sich der sogenannte Cable Guy - pro Team wird jeweils ein Spieler mit einem Mikrofon ausgestattet - seit einiger Zeit größter Beliebtheit. Auf Internetplattformen rangeln sich Best-Of-Zusammenstellungen wie die Spieler bei einer Schlägerei auf dem Eis.

Seit dort der österreichische Red-Bull-Sender Servus TV die Übertragung in die Hand genommen hat, gibt es den Cable Guy und die Fans hängen den Spielern buchstäblich an den Lippen. Nun auch in Deutschland.  (mem)   

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Start der Eishockey-Bundesliga:Red Bull rettet München

EHC Red Bull München

Quelle: imago sportfotodienst

Red Bull rettet München: Wäre der EHC München ein Lebewesen, wäre seine heutige Existenz ein medizinisches Wunder. Anfang Mai noch vom damaligen Geschäftsführer Jürgen Bochanski für "endgültig tot" erklärt, startet der Klub nun in die dritte Bundesliga-Saison.

Ins Leben zurück geholt hat ihn Red Bull, das sich gleichermaßen in den Vereinsnamen geschlichen hat. Der neue Hauptsponsor rettete die Münchner vor dem Zwangsabstieg, allerdings nur vorläufig. Die abgeschlossen Verträge gelten nur für die nun beginnende Saison. "Red Bull wird uns in dieser Zeit beobachten, evaluieren und danach entscheiden, ob es hier etwas Großes aufbauen wird", sagt Claus Gröbner, der das Amt des kaufmännischen Geschäftsführers eingenommen hat.

Über die Höhe der Investitionen wurde nichts bekannt, angesichts des eher unspektakulären Kaders sollte sie aber weniger wahnwitzig sein, als man sie etwa aus Formel-1-Kreisen kennt. Was in München die Gemüter entzückte, sorgte allerdings in Schwenningen für betrübte Gesichter: Der Zweitligist stand kurz davor, die Lizenz der Münchner zu erwerben. (ska)

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Start der Eishockey-Bundesliga:Härtere Strafen:

Hamburg Freezers - Eisbären Berlin

Quelle: dpa

Härtere Strafen: Es rumpelt und kracht, zuweilen klatscht und klirrt es auch in den deutschen Eishockeyhallen: Unter dem Deckmantel des Aggressionsabbaus wird gerempelt, was das Zeug hält.

Beim Betrachten des bunten Treibens auf dem Eis schießen einem mindestens zwei Fragen in den Kopf: 1. Ist das noch gesund? 2. Darf der das? Bodychecks gehören zum Eishockey wie Theatralik zum Fußball, dennoch liegt oft der Schluss nicht fern, der Sport fördere Aggressionen mehr, als dass er zu ihrer Beseitigung beitrage. Besonders das Attackieren von Kopf- und Nackenbereich geriet aufgrund der hohen Verletzungsgefahr in den letzten Jahren verstärkt in die Kritik.

Mit der neuen Saison soll genau das härter bestraft werden. Verhängt der Schiedsrichter aus dem Anlass eines solchen Angriffs ein Foul, wird automatisch ein Ermittlungsverfahren eingeleitet - unabhängig vom Strafmaß. Bislang erfolgte das nur bei Matchstrafen oder auf Antrag des geschädigten Klubs. Ein eigens geschaffenes Gremium der DEL soll diese Aktionen wöchentlich beurteilen. Für Checks gegen den Kopf- und Nackenbereich kann eine Sperre von bis zu 16 Spielen inklusive Geldstrafe verhängt werden. (ska)

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Start der Eishockey-Bundesliga:Rückkehrer Dennis Endras

Dennis Endras

Quelle: imago sportfotodienst

Rückkehrer Dennis Endras: Deutsche Basketballer träumen von der NBA, deutsche Eishockey-Spieler von der NHL. Die nordamerikansiche Profiliga ist die stärkste der Welt und gilt als Mekka der Eishockey-Verrückten. Für Dennis Endras sollte sich 2010 der Traum erfüllen, als er vom NHL-Klub Minnesota Wild verpflichtet wurde. "Mein Ziel ist es, so viel und so lange wie möglich bei den Wild zu sein, da gehöre ich hin", hatte Endras damals gesagt. Im entscheidenden Moment verpasste der deutsche Nationaltorwart, der unter anderem für die Augsburger Panther aufs Eis gelaufen war, jedoch den Sprung in den Kader und wurde stattdessen in die unterklassige American Hockey League zum Kooperations-Klub Houston Aeros abgeschoben. Nach einem Zwischenstopp in Finnland bei den Helsingfors IFK ist Endras nun wieder in der Bundesliga angekommen. Der Vizemeister aus Mannheim verpflichtete den 27-Jährigen. "Ich bin happy, dass jetzt alles wieder in geregelten Bahnen ist", sagt Endras. Die Entscheidung für die DEL scheint auf jeden Fall eine langfristige zu sein: Er unterschrieb einen Vertrag bis 2015. Hohe Ambitionen hat sich Endras auch bewahrt: "Für mich kann es nur ein Ziel geben, und das ist die Meisterschaft." (ska)

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Start der Eishockey-Bundesliga:Doppelte Titelverteidigung

Eisbären Berlin

Quelle: dpa

Doppelte Titelverteidigung: Mit zunehmendem Erfolg steigen gewöhnlich die Ansprüche und so ist es nicht verwunderlich, dass es da tatsächlich noch etwas geben kann, was die Eisbären Berlin antreibt.

Zum sechsten Mal wurde der Hauptstadt-Klub in der vergangenen Saison Deutscher Meister und auch für die kommende Spielzeit ist sich der Großteil der DEL-Trainer in seinen Prognosen einig. "Am Ende wird's sowieso Berlin", sagt Rick Adduono von den Krefeld Pinguinen. Zwölf von 14 Trainern nennen Berlin, das von André Rankel als Kapitän angeführt wird, als Titelaspiranten.

Als größten Konkurrenten nennen sie den ERC Ingolstadt. 2005 beginnend war den Eisbären der Coup immer zwei Mal in Folge gelungen, nach der Statistik müsste nun wieder eine Saison ohne Meistertitel folgen. Oder auch nicht, wenn sich Berlin aus dem Bann befreien kann. Zugegeben, im Vergleich zu insolvenzgefährdeten Vereinen ist das eher ein nichtiges Problem. Aber mit dem Erfolg steigen nun einmal die Ansprüche. (ska)

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Start der Eishockey-Bundesliga:Neubeginn Düsseldorfer EG

DEG - Campino und Köberle

Quelle: dpa

Neubeginn Düsseldorfer EG: Der Traditionsverein aus Düsseldorf ist einer der wenigen, der in seiner Geschichte ohne Tiernamen durch die Eishockey-Hallen der DEL tourte. Wo andernorts Panther, Adler, Tiger oder Eisbären ihre Kufen ins Eis traten, spielten sich in den letzten Jahren schlicht und einfach "Stars" in Düsseldorf die Puks zu.

Hauptsponsor Metro hat sich nun verabschiedet und damit auch die Stars: Sowohl aus dem Namen, als auch von der Eisfläche. Von den "DEG Metro Stars" bleibt die "Düsseldorfer EG", vom alten Team lediglich vier Spieler. Insgesamt 18 neue und größtenteils unbekannte Namen zieren nun die Trikots der Düsseldorfer. Da der Verein finanziell am Abgrund stand, musste der Spieleretat von 3,2 auf zwei Millionen gesenkt werden. "Billig heißt nicht gleich schlecht. Unsere Jungs haben was drauf, sind nur noch nicht so erfahren und waren daher preiswerter zu verpflichten", sagt der sportliche Leiter Walter Köberle (li.).

Köberle durfte sich schon zu Beginn des Jahres über besondere Unterstützung freuen: Toten-Hosen-Sänger Campino (rechts) kreierte ein Trikot im Stile der Band und kaufte eines der neu geschaffenen Retter-Pakete, die maßgeblich zum Fortbestand des Klubs beitrugen. Wer weiß, ob den Punkrocker ein Klub mit Tiername nicht abgeschreckt hätte. (ska)

© SZ.de/ska/mem/joku

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