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WM 2011: Erfolgreiche Generalprobe:Spätes Feuerwerk

In ihrem letzten Test beweisen die deutschen Fußballerinnen Geduld und besiegen Norwegen 3:0. Bundestrainerin Neid hat möglicherweise bereits ihre Formation für den WM-Auftakt in zehn Tagen gefunden. Die überzeugt vor allem mit Kondition.

Beinahe hätten sie diesmal den Weltmeisterschafts-Turnierball enttäuscht. Die Hightech-Kugel heißt Speedcell und war mit diesem anspruchsvollen Namen von den deutschen Fußballerinnen in den ersten drei WM-Vorbereitungsspielen ja regelrecht verhätschelt worden.

Ausgerechnet in der Generalprobe am Donnerstagabend in Mainz gegen Norwegen aber ging 78 Minuten lang wenig vor dem gegnerischen Tor, es schien bereits auf ein wenig begeisterndes Nullzunull hinauszulaufen, aber dann holten die deutschen Frauen binnen drei Minuten alles auf. In der 79., 80. und 82. Minute trafen sie spektakulär zum etwas verklärenden 3:0 (0:0)-Sieg, und einmal mehr musste nach diesem Spiel die Frage erlaubt sein, wann zu einer Kugel verschweißtes, thermoplastisches Polyurethan jemals so kunstfertig behandelt worden ist wie von den deutschen Fußballerinnen vor dieser ersten Frauen-WM in Deutschland?

Die Bundestrainerin Silvia Neid hat auch im vierten und letzten WM-Vorbereitungsspiel auf den Stamm jener Stammelf vertraut, die sie eigentlich gar nicht haben will, weil sie von Spiel zu Spiel flexibel bleiben möchte. Sieben bis neun von elf Startplätzen im Team scheinen dann aber doch irgendwie vergeben zu sein, und es würde auch nicht wundern, wenn die deutsche Startmannschaft vom Donnerstag vielleicht doch jene ist, die am 26. Juni im Berliner Olympiastadion gegen Kanada das Auftaktspiel bestreitet.

Nadine Angerer im Tor, Annike Krahn und Saskia Bartusiak in der Innenverteidigung sowie Kim Kulig und Simone Laudehr vor der Abwehr scheinen ihre Stammplätze ebenso bereits sicher zu haben wie Birgit Prinz in der zentralen und Kerstin Garefrekes in der rechtsseitigen Offensive, und in Linda Bresonik rechts und Babett Peter links könnten auch die beiden Außenverteidigerinnen gefunden sein.

Nur die einsame Spitze und die Linksaußenposition wären dann eventuell noch vakant. Nachdem alle Experten erwartet hatten, auf Links gebe es nur noch einen Zweikampf zwischen Melanie Behringer und Fatmire Bajramaj, stellte Neid in Mainz einfach mal die Stürmerin Celia Okoyino da Mbabi auf diese Seite. In der Spitze gewährte sie wieder Inka Grings den Vortritt vor Alexandra Popp, und wenn denn die Zahl der herausgespielten Chancen relevant war, dann hat Neid eine starke Startelf nominiert. Am Torjubel bemessen, fehlte zumindest vor der Pause noch ein bisschen was.

Die Verteidigerin Annike Krahn hatte sich ja vor diesem Spiel gewünscht, nach den halbwegs mühelosen 5:0-Siegen gegen Italien und die Niederlande ein bisschen strenger geprüft zu werden, und diesen Wunsch erfüllten die Norwegerinnen ihr mit einer anfangs derart hochstehenden Formation, dass Krahn einen missratenen Ball ihrer Nebenfrau Bartusiak nach nur sechs Minuten zwecks Rettung beinahe ins eigene Tor gedroschen hätte.

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