WM 2011: Abby Wambach:"Alle fühlen sich gleich stärker"

Später gelang Wambach mit einem schmerzfreien Kopfstoß, nach dem sie an den Pfosten prallte, das wegweisende 2:1. Auch im Viertelfinale gegen Brasilien war sie es gewesen, die mit ihrem Kopfballtor in der Nachspielzeit der Verlängerung die USA erst ins Elfmeterschießen gebracht hat. "Sie ist ein Biest", sagt US-Trainerin Pia Sundhage über ihre verdienteste und an Toren erfolgreichste Stürmerin, "vor dem jede auf dem Feld Respekt hat. Wenn du eine wie sie im Team hast, fühlen sich die anderen Spielerinnen gleich stärker."

Als Wambach vier Jahre alt war, begann sie - die jüngste Tochter einer neunköpfigen Familie aus Rochester/New York - in einer Mädchenliga mit dem Fußball. Nach nur drei Spielen, in denen sie 27 Tore geschossen hatte, wurde sie in die Jungenliga versetzt. Wambach hat vier ältere Brüder, sie fühlte sich gleich wie zu Hause - die Jungs aber bekamen sie auch nicht in den Griff und waren wohl froh, als sie sich auf die High School verabschiedete.

2002 dann, ein Jahr vor ihrem US-Debüt, wurde Wambach Profi und wechselte von der College-Liga nach Washington. Die Ehrfurcht, dort in der Offensive mit Mia Hamm zu spielen, wich bald der Dankbarkeit, endlich jemanden an der Seite zu haben, der weiß, wie es ist, exponiert zu sein. Und der weiß, wie Talent in Exzellenz zu verwandeln ist. "Ich habe viel gelernt von Mia", sagt Wambach: "Von der richtigen Einstellung über die richtige Ernährung bis zu dem Punkt, dass du immer auf dein Ziel fokussiert sein musst." Und Wambachs Ziel ist längst nicht mehr, ganz alleine die Tore zu schießen.

Unter Greg Ryan, dem Vorgänger von Sundhage, hatte Wambach die Rolle, im gegnerischen Strafraum den Wellenbrecher zu spielen, die Flanken anzunehmen und irgendwie das Ding reinzumachen. Mit Sundhage "spielen wir mehr, statt nur zu laufen, wir sind taktisch flexibler geworden, auch ich", sagt Wambach. Ob Heather O'Reilly oder Lauren Cheney, ob Megan Rapinoe oder Alex Morgan - unter Sundhage kreiselt die Offensive der USA mit vielen Positionswechseln übers Feld, Wambach spielt sie oft frei, setzt ihre Wucht jetzt dosierter ein und hat in der Folge "mehr Power in den Momenten, auf die es ankommt".

Am Sonntag, im Endspiel gegen Japan, kommt es noch einmal darauf an. Mit ihrem Treffer im Halbfinale, ihrem zwölften Tor bei einer WM, hat Wambach schon jetzt mit der US-Legende Michelle Akers gleichgezogen, doch Wambach bleibt bescheiden. "Das ist eine Ehre, aber dafür spiele ich nicht. Ich will diesen Titel. Japan spielt hier zwar einen großartigen Fußball. Aber jetzt stehen wir im Finale, und in so einem Spiel wird es darauf ankommen, wer es mehr will." Und wenn es sein muss, wird sie sich auch wieder in die Gegner und gegen die Pfosten werfen.

© SZ vom 16.07.2011/jbe
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