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WM 2010: Niederlande - Japan:Oranje wohnt kein Zauber inne

Dank eines Tores von Wesley Sneijder gewinnt Holland mit 1:0 gegen Japan und ist für das Achtelfinale qualifizert. Ein Torwartfehler hilft kräftig mit. Der WM-Favorit kann erneut nicht überzeugen - und van der Vaart wird unsichtbar.

Es ist auch ein bisschen die Weltmeisterschaft der Experten. Der ehemaligen Profis, die ihre fundierten Analysen am TV-Mikrofon abgeben. Und der branchenfremden Kommentatoren, die mit dem Begriff "Experte" nur zähneknirschend in Einklang zu bringen sind. Im Falle Deutschlands sind das beispielsweise die stimmlich stets einwandfrei zu identifizierende Verona Pooth, eine Art Vuvuzela auf zwei Beinen. Oder die Moderatorin Sonya Kraus, die sich alle Mühe gibt, über ihre Abiturnote von 1,6 hinweg zu täuschen: "Jetzt müssen die Jungs ran, verdammt nochmal", sagte sie nach dem 0:1 der Deutschen gegen Serbien in der Bild-Zeitung.

Netherlands' Sneijder celebrates his goal with teammate van der Vaart during their 2010 World Cup soccer match against Japan in Durban

Wesley Sneijer (rechts) bejubelt seinen Siegtreffer zum 1:0 der Niederlande gegen Japan. Rafael van der Vaart (halb verdeckt) feiert mit.

(Foto: rtr)

Selbstverständlich haben auch die Niederländer derartige Fachleute, und einer von ihnen, der Zauberkünstler Hans Klok, hat Erstaunliches festgestellt: Magie und Fußball seien vergleichbar, sagte Klok der Münchner Abendzeitung: "Man muss etwas vortäuschen, was gar nicht ist, man muss mit Illusionen arbeiten."

Abrakadabra!

So gesehen ist die niederländische Nationalmannschaft bei der Fußball-WM geradezu magisch unterwegs: Wie schon beim 2:0 gegen Dänemark versteckte die Elftal ihr Potential im Spiel gegen Japan lange, um dann - Abrakadabra! - dank Wesley Sneijder und eines Torwartfehlers in Führung zu gehen und - Dreimal schwarzer Kater! - letztlich mit 1:0 zu gewinnen. Nach Argentinien ist Holland der zweite WM-Favorit, der sich - Hokuspokus! - für das Achtelfinale der WM qualifiziert hat.

In seiner Expertise hatte Hans Klok auch gesagt, der frühere HSV-Profi Rafael van der Vaart sei für ihn der "Houdini des Fußballs", gewissermaßen ein Entfesselungskünstler am Ball. Das war mit Abstand das Freundlichste, was über van der Vaart nach dessen Leistung im Dänemark-Spiel zu hören war. Andere Fachleute hatten den Vertreter des verletzten Arjen Robben (Muskelfaserriss) für den fehlenden spielerischen Glanz verantwortlich gemacht und harsch kritisiert. Van der Vaart reagierte beleidigt: "Immer bin ich der Schuldige", klagte der Mann von Real Madrid.

Gegen Japan wollte er es besser machen. Von Beginn war van der Vaarts Bemühen zu erkennen, die Fesseln der japanischen Defensive abzulegen, die den Blue Samurai im ersten Gruppenspiel einen 1:0-Sieg gegen Kamerun eingebracht hatte. Und van der Vaart war nicht allein: Die ganze Mannschaft präsentierte sich spielerisch variabel und sicher im Kurzpassspiel. Mitte der ersten Halbzeit hatte Holland 75 Prozent Ballbesitz vorzuweisen und auch eine Chance durch Dirk Kuyt, der mit einem Fallrückzieher scheiterte.

"Wir sind ein Schwarm hungriger Fliegen", hatte Japans Nationaltrainer Takeshi Okada vor der Partie gesagt. Seine Spieler müssen das falsch verstanden haben: Sie schwirrten und surrten um die Holländer herum, ohne das Objekt ihrer Begierde, den Ball, berühren zu können. Und dann kam auch noch der Mann mit der Klatsche.

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