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WM 2010: Halbfinale:Gegen die Kraft von vier Herzen

Der Sieg gegen Argentinien war das Gesellenstück der jungen deutschen Mannschaft, die Meisterprüfung wartet im Halbfinale gegen Spanien. Joachim Löw warnt vor allem vor den Mittelfeldspielern Spaniens.

Jürgen Schmieder

Das war ja leicht, gegen diese Argentinier zu gewinnen - zumal deren Trainer Diego Maradona schon vor dem Spiel verraten hatte, wie das zu schaffen ist. "Unser Ziel muss sein, dass Lionel Messi so oft wie möglich den Ball berührt", hatte er immer wieder betont, was im Umkehrschluss bedeutete, dass Maradonas Zielführung erheblich behindert würde, wenn Lionel Messi den Ball so wenig oft wie möglich berührt.

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Vier Herzen beim Jubeln: David Villa (unter den Mitspielern versteckt) freut sich mit Cesc Fabregas, Andrés Iniesta und Sergio Ramos.

(Foto: afp)

Freilich war es alles andere als leicht, gegen diese Argentinier zu gewinnen, es war eine taktische Meisterleistung von Joachim Löw ("Das 4:0 war eines der besten deutschen Länderspiele aller Zeiten") und eine läuferische Meisterleistung seiner Spieler, diesen Lionel Messi immer wieder einzukreisen. Spätestens der dritte deutsche Akteur konnte dem argentinischen Dribbler den Ball stibitzen. Begünstigt wurde dieser Eifer der deutschen Verteidiger durch die argentinischen Mittelfeldspieler Angel di Maria, Maxi Rodriguez und Javier Mascherano, die sich nicht als Mitspieler Messis begriffen, sondern darauf vertrauten, bei einer genialen Aktion ihres Kollegen den besten Platz im Stadion zu haben. "Sie waren als Mannschaft nicht gut eingestellt", urteilte Philipp Lahm nach der Partie, was eine recht nette Umschreibung war.

Messi ist es nicht gewohnt, mit Spielern auf dem Platz zu stehen, die ihre Rolle dermaßen eindimensional interpretieren: Angreifer greifen an und bleiben bei Spielzügen des Gegners stehen - Carlos Tévez band sich ein Mal gar die Schnürsenkel, als Bastian Schweinsteiger einen Angriff inszenierte. Die Verteidiger verteidigten und blieben dann stehen - es war zwar nicht zu beobachten, doch hätte es nicht verwundert, wenn sich auch Martin Demichelis die Schnürsenkel gebunden hätte, als Messi wieder einmal erfolglos versuchte, sich als Einzelkönner gegen das deutsche Kollektiv durchzusetzen.

Als Vereinsfußballer spielt Messi beim FC Barcelona in einer Elf, in der er nicht das Herz sein muss, weil neben ihm noch drei Herzen schlagen. Die Mitspieler Messis sind Xavi, Sergi Busquets und Andrés Iniesta - und diese drei bilden gemeinsam mit Xabi Alonso von Real Madrid das Mittelfeld der spanischen Elf, gegen die Deutschland nun im Habfinale antreten muss. Die spanische Elf hat eben nicht nur eines, sondern mindestens vier Herzen. "Die Spanier legen sehr viel Wert auf Spielfluss, Spielfreude und Leichtigkeit", sagte Joachim Löw am Montag. Schweinsteiger ergänzt: "Wir müssen eine taktische Meisterleistung bieten und im Kollektiv gut arbeiten."

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