WM 2010: England "Vergeudete Zeit"

Eigene Interessen mögen den Ausschlag für seine (versuchte) Revolution gegeben haben, doch das heißt nicht, dass die Mannschaft einen großen Teil seiner Bedenken nicht teilt. Capellos Tick, erst zwei Stunden vor Anpfiff die Aufstellung bekannt zu geben, wird hinter vorgehaltener Hand stark kritisiert; gezielte "Elf gegen Elf"-Übungen im Training seien so nicht möglich.

Auch eine Systemumstellung auf ein 4-5-1 mit Wayne Rooney als Solo-Spitze würde breiten Anklang finden. Der zaghafte Riese Emile Heskey hat als Rooneys Sturmpartner keine Lobby mehr, dafür würden viele lieber Joe Cole auf dem linken Flügel sehen. "Er ist neben Wayne der Einzige, der Abwehrreihen öffnen kann", plädierte Terry für seinen Chelsea-Kumpel. Cole, 28, hat bisher noch keine Minute bei der WM gespielt.

Den Spielern ist zudem nicht verborgen geblieben, dass sich Capello nach dem grauenhaften 0:0 gegen Algerien merklich von ihnen distanziert hat. "Ich habe das Gefühl, dass die vergangenen zwei Jahre vergeudete Zeit waren", sagte der 64-Jährige, "im Training ist alles gut, aber auf dem Platz lähmt die Furcht die Beine und die Köpfe. Ich weiß nicht, warum und wie es soweit gekommen ist".

Eine prophylaktische Einlassung

Als Angsthasen lassen sich englische Profis höchst ungern bezeichnen. Und Rooney war nicht begeistert, als ihm Capello mentale Probleme unterstellte. Bequemer wäre es für Englands "goldene Generation" natürlich, wie in der Vergangenheit bei Sven-Göran Eriksson und Steve McClaren die fachlichen Fehler den Vorgesetzten ankreiden zu können. Terrys Einlassung war somit auch prophylaktischer Natur, gedacht dazu, die Schuld-Debatte nach einem Vorrunden-K.o, in Richtung Capello zu lenken.

"Ich persönlich finde es eine Frechheit, wenn gesagt wird, dass wir Angst haben", sagte der in seinem Klub als "Mr.Chelsea" verherrlichte Mann, dem man das ruhig abnehmen darf. Selbstzweifel, das ist die größte Stärke und Schwäche von John Terry zugleich, hat er im Gegensatz zu seinen Mitspielern noch nie gehabt.

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