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WM: Deutschland im Achtelfinale:Lahm fälscht richtig ab

Mit zunehmendem Spielverlauf zeigte sich, dass die deutsche Abwehr ein Problem hat, mit dem sie in dieser Form wohl nicht gerechnet hätte. Während Arne Friedrich sicher stand und keinen Zweikampf verlor, wirkte Per Mertesacker unsicher. Mehrmals landete der Ball beim Gegner, nachdem Mertesacker Annahmen und Stoppversuche misslungen waren. Zum Glück für ihn blieben die kleinen Fehler folgenlos.

WM 2010 - Ghana - Deutschland

Der Torschütze des Tages: Mesut Özil (Mitte) wird von Jérôme Boateng (links) und Cacau zu seinem Siegtreffer zum 1:0 der Deutschen gegen Ghana beglückwünscht.

(Foto: dpa)

Mesut Özil schien mit der Rolle des Spielmachers zunächst auf eigentümliche Weise nicht zurecht zu kommen, es wirkte bisweilen, als verstecke er sich in der Gruppe. Dennoch war er es, der die beste Chance der ersten Halbzeit hatte. In der 25. Minute lief er plötzlich allein aufs Tor der Ghanaer zu, das musste es sein, Soccer City rumorte bereits vor Erwartung, doch Özil schoss Torwart Kingson an, dessen in Lilatönen schattiertes Trikot offenbar eine magische Anziehungskraft ausübte.

Ausgeglichen war die Begegnung und nicht besonders hochklassig. Im Fußball werden solche Partien unter der Rubrik "Zitterspiel" eingeordnet; für beide Mannschaften geht es um so viel, dass sie nicht imstande sind, ihr wahres Leistungsvermögen zu zeigen (oder, im Fußballdeutsch: abzurufen). Chancen gab es entsprechend auf beiden Seiten. Als Asamoah Gyan in der 26. Minute einen Kopfball aufs deutsche Tor zirkelte, war es Philipp Lahm, der auf der Linie stand und rettete. Als auf der anderen Seite Cacau aus 15 Metern schoss (29.) oder Schweinsteiger eine Freistoßflanke direkt aufs Tor zog (41.), war es jeweils Richard Kingson, der den Flug des Balles vor dem Netz beendete.

Sichtlich unter Druck

In der zweiten Halbzeit entfaltete die deutsche Mannschaft mehr Druck, sie bekam das Spiel besser in den Griff; die Ghanaer zogen sich weiter zurück, was sie in allerlei schwierige Situationen brachte. Schweinsteiger und Khedira trieben die deutsche Elf nach vorn, und nun kam auch Özil mit der Begegnung besser zurecht. Nach genau einer Stunde kam er 18 Meter vor dem Tor an den Ball, er warf einen Blick auf sein Ziel, kurz nur, dann jagte er die Kugel unhaltbar zum 1:0 in Netz.

Lange jubelten die deutschen Spieler, sie waren sichtlich erleichtert; kurz nur jubelte der deutsche Trainer Joachim Löw. Er stand sichtlich unter Druck. Eine Weile leisteten die Ghanaer nun ernsthafte Gegenwehr, einen Schuss von Andre Ayew fälschte Philipp Lahm im wirklich letzten Moment ab.

Dann schien die Kunde von Australiens Führung sich auf dem Rasen in Johannesburg herumgesprochen zu haben, die Ghanaer stellten ihre Bemühungen ein. Erst kurz vor Schluss, als Serbien noch einmal verkürzt hatte, nahm Ghana das Spiel wieder auf, allerdings war es zu spät, um Entscheidendes zu bewegen. Doch durch Australiens Sieg war es eine Niederlage, die die Ghaner kein bisschen betrübte.

WM 2010: Einzelkritik Deutschland

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