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WM 2010: Deutschland:Mittel des kleinen Mannes

Die DFB-Elf zieht ohne ein Tor nach Standardsituationen ins Achtelfinale. Freistöße und Eckbälle scheinen für Joachim Löw einen strengen Geruch zu haben - er will gegen England auf anderem Wege siegen.

Joachim Löw hat das Spiel der Japaner im Fernsehen verfolgt, und er war am nächsten Tag immer noch beeindruckt "vom Tempo und von ihrer Laufstärke". Beides war in der Tat außergewöhnlich, aber es besteht Hoffnung, dass Löws Deutsche in dieser Disziplin konkurrenzfähig sind. Mindestens ebenso Aufsehen erregend waren aber die ersten beiden Tore der Japaner, und wer in dieser Disziplin auf Deutschland hofft, der glaubt wahrscheinlich auch noch an das Fritz-Walter-Wetter. Die ersten beiden Tore waren Freistöße.

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Bastian Schweinsteiger beim Eckball: Standardsituationen sind ein Thema, das den DFB bei jedem Turnier wieder einholt.

(Foto: afp)

Es ist ein Thema, das den DFB bei jedem Turnier wieder einholt. In einem Turnier lässt sich Deutschland komprimiert betrachten, da spielt Deutschland jeden vierten oder sechsten Tag, und die Häufigkeit des Auftritts ermöglicht den Blick auf Details. Wenn Deutschland nur einmal in einem Vierteljahr zum Länderspiel antritt, dann versendet sich der Eckball von Bastian Schweinsteiger, der sich hinterm Tor verfliegt. Und auf wenig Interesse stößt dann auch der Freistoß von Mesut Özil, der spätestens in der Mauer aufhört, ein Freistoß zu sein. Er ist dann nur noch ein toter Ball.

"Zwei-, dreimal geübt"

Am 6. September 2008 hat Thomas Hitzlsperger ein Freistoßtor geschossen, in einem WM-Qualifikationsspiel immerhin. Es war, um der Wahrheit die Ehre zu geben, das 5:0 in Liechtenstein. Seitdem wartet Löws Elf auf Standardtore aller Art, auf Tore nach direkten Freistößen, nach Freistoßflanken, nach Eckbällen.

Löw hört die Frage nach Standardsituationen nicht so gern, er muss dann immer dasselbe sagen. "Wir haben das hier zwei-, dreimal geübt", sagte Löw vor dem Spiel gegen England. Ihm ist dieses Thema immer etwas unangenehm, man kann das schon verstehen. Er fühlt sich dann wie ein Schüler, der mal wieder genau jene Grammatiklektion abgefragt wird, die er nur überflogen hat.

Zurzeit ist Löw aber in absoluter Turnierform, er ist durch nichts zu kränken. Er schafft es, auch dieser Frage eine tröstliche Pointe abzugewinnen: "Bei der EM waren unsere Standards in der Vorrunde auch nicht gerade durchschlagskräftig, und im Viertelfinale haben wir dann gegen Portugal zwei Tore aus Freistößen erzielt", sagt er. Damals lenkte erst Klose einen Schweinsteiger-Freistoß per Kopf ins Tor, später Ballack - allerdings unter Zuhilfenahme eines reichlich zerstreuten portugiesischen Torwarts.

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