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WM 2010: Bastian Schweinsteiger:Angst vor dem Sechser-Loch

Bislang hat Schweinsteiger die Rolle als Mittelfeld-Chef gut ausgefüllt. Nun bangt der DFB um seinen Einsatz gegen England, und es stellt sich die Frage: Wer könnte ihn zur Not ersetzen? Der Kader gibt nicht viele Alternativen her.

Im Soccer City haben die Veranstalter einen schier endlos geschwungenen Gang geschaffen, den die Mannschaften mit ihrem Begleittross allesamt bewältigen müssen. Hinter einer hüfthohen Ballustrade warten Berichterstatter aus aller Welt auf ein Wort, manchmal drängeln sie sich so nah aneinander, dass die Ballustrade umfällt und die Grenze zwischen Spieler und Öffentlichkeit für wenige Sekunden einstürzt. Am Mittwochabend, nach dem 1:0 gegen Ghana im letzten Vorrundenspiel der WM 2010, musste auch Bastian Schweinsteiger durch diesen Gang, es ist der einzige Weg zum Mannschaftsbus. Es war ein Leidensweg.

Bundestrainer Joachim Löw kann mit der bisherigen Leistung von Bastian Schweinsteiger sehr zufrieden sein.

(Foto: ap)

Er hatte zwar keine dieser riesigen Kopfhörer auf, die wie überdimensionale Ohrenwärmer aussehen und das Zeichen senden: Sprecht mich nicht an! Dennoch schien Schweinsteiger in diesen Sekunden überhaupt nichts wahrzunehmen. Das Gesicht wirkte verschlossen, der Blick ging zu Boden, die Schultern hingen weit nach unten - und er zog leicht das linke Bein nach. Bastian Schweinsteiger humpelte.

Zwei Meter vor ihm wedelte ein Mitglied der DFB-Delegation mit den Händen. "Er sagt nichts, heute nicht, er wird nichts sagen" und so weiter. Schweinsteiger schlich hinter dem Mann her, stumm, humpelnd. Doch das Nichtssagen wurde zur lautesten Ansage an diesem Abend. "Der spielt hier nicht mehr", bemerkte ein Reporter und blickte ihm nach.

Löw formuliert umständlich

Der Eindruck, Bastian Schweinsteiger habe sich im Spiel gegen Ghana eine nicht unerhebliche Blessur im hinteren linken Oberschenkel zugezogen, verstärkte sich noch, als Hans-Wilhelm Müller-Wohlfarth den Gang entlangging. Der Arzt des DFB blieb zwar stehen, sagte auch was - und doch nichts. "Kein Kommentar zu Schweinsteiger. Ich habe dem Bundestrainer gerade meine Diagnose gegeben, er wird gleich kommen." Der Fall Schweinsteiger wurde zur Chefsache erklärt.

Dann kam Ko-Trainer Hans-Dieter Flick und rückte mit dem ersten Befund heraus: Muskelverhärtung. Ob Schweinsteiger bis Sonntag, 16 Uhr, zum Achtelfinale gegen England wieder fit sein kann? Das wird vermutlich so schnell niemand beantworten, es kündigen sich Tage des Bangens an um den deutschen Mittelfeldlenker. "Es wird kritisch", konkretisierte Flick am Donnerstagmittag.

Während der Pressekonferenz hatte Löw noch nichts vom genauen Zustand Schweinsteigers gewusst, und war dennoch schon hoch nervös. "Ich hoffe, er ist mit seiner Muskelblessur früh genug rausgegangen. Sein Ausfall wäre für unser Spiel gegen England nicht gerade von Vorteil." Die etwas umständliche Formulierung im Löw-Deutsch bedeutet übersetzt: Es wäre eine Katastrophe.

Auf seiner Position im defensiven Mittelfeld hat die DFB-Truppe ja schon einige schlechte Botschaften verkraften müssen. Michael Ballack, Simon Rolfes und Christian Träsch verletzten sich, ebenso die B-Lösung Heiko Westermann. Torsten Frings und Thomas Hitzlsperger bestanden den Löw'schen Tauglichkeitstest nicht. So stehen in Südafrika nur zwei Profis im Kader, die auch im Verein auf der zentralen Position spielen: Schweinsteiger und der Stuttgarter Sami Khedira.

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