Wimbledon:Witthöft dreht jetzt aussichtslose Spiele

Day One: The Championships - Wimbledon 2017

Steht in Runde drei: Carina Witthöft in Wimbledon.

(Foto: Getty Images)
  • Carina Witthöft erreicht als erste deutsche Spielerin die dritte Runde von Wimbledon - und das, nachdem sie beim Turnierauftakt scheinbar aussichtslos zurückgelegen hatte.
  • Die Hamburgerin spielt nun sehr viel klarer und lässt sich nicht mehr so leicht ablenken.
  • Es hat sich bezahlt gemacht, dass sie Mentaltraining in ihren Übungsalltag integriert hat.

Von Matthias Schmid, London

Carina Witthöft wehrt auch diesen Angriff lässig ab. Die Fragensteller an dem runden Tisch im Millenium Building des All England Lawn Tennis & Croquet Clubs geben sich am Mittwochabend richtig Mühe, um ein bisschen mehr zu erfahren. Aber die 22-jährige Tennisspielerin aus Hamburg lässt sich nicht in Verlegenheit bringen. Wie schon zuvor im Match hat sie die richtige Antwort parat.

Höflich, aber bestimmt. "Mehr will ich dazu nicht sagen", entgegnet Witthöft auf Fragen zu einem Thema, aus dem jeder Sportler gerne ein Geheimnis macht. Nachdem sie als erste deutsche Spielerin mit einem Dreisatz-Erfolg 7:6 , 3:6, 6:3 über die Weißrussin Aryna Sabalenka in die dritte Runde von Wimbledon vorgerückt ist, verrät sie zwar, dass sie seit einiger Zeit auch das Mentaltraining in ihren Übungsalltag integriert hat. Aber die Inhalte oder mit wem sie zusammenarbeitet, behält sie lieber für sich. "Ich habe etwas Gutes für mich entdeckt", sagt sie lediglich. Und lächelt.

Dass die Arbeit sich lohnt, hatte man schon bei ihrem Erstrundensieg in Wimbledon gegen Mirjana Lucic-Baroni beobachten können. 0:5 lag Witthöft beim wichtigsten Tennisturnier des Planeten im dritten Satz zurück. Eigentlich aussichtslos. Doch dann gelang ihr auf dem Rasen ein wundersames Comeback und sie gewann noch mit 8:6. "Ich habe viel daran gearbeitet, dass ich ruhig bleibe, egal was passiert", erzählte die Weltranglisten-65. nach der ersten Runde.

Erwachsener geworden

Die nächste Prüfung wartete dann schon zwei Tage später. Die 19-jährige Sabalenka spielte nicht nur ein ausgeprägtes Haurucktennis, sondern schrie und stöhnte dabei so laut, als müsse sie einem Monster davonrennen. Witthöft störten aber weder die mächtigen Grundschläge ihrer Gegnerin noch das Gebrüll. Nicht mehr, muss man wohl sagen. Denn seit Witthöft mental an sich arbeitet, ist sie erwachsener geworden, reifer. "Im vergangenen Jahr hätte ich mich noch ablenken lassen und so eine Partie verloren", gibt sie zu.

Es hat etwas länger gedauert als bei anderen Spielerinnen, bis Witthöft erkannte, dass zum Trainingsplan einer professionellen Tennisspielerin mehr gehört als nur Vorhand, Rückhandslice oder Fitness. Schon lange galt sie als großes Versprechen im deutschen Tennis. Nun, so scheint es, hat sie endlich den nächsten Schritt gemacht. "Der Kopf macht einen Riesenunterschied aus", hat sie erkannt, nicht die Schläge, "das ist eigentlich erschreckend."

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema