Nadal und Kyrgios:Zwei auf Kollisionskurs

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Nadal und Kyrgios: Spürt, dass sein Spiel "mehr Schaden anrichtet" als zu Beginn des Turniers: Rafael Nadal nach seinem Achtelfinalsieg gegen den Niederländer Botic van de Zandschulp.

Spürt, dass sein Spiel "mehr Schaden anrichtet" als zu Beginn des Turniers: Rafael Nadal nach seinem Achtelfinalsieg gegen den Niederländer Botic van de Zandschulp.

(Foto: Shaun Botterill/Getty Images)

Nick Kyrgios provoziert diesmal nur ein bisschen - und könnte in Wimbledon bald auf Rafael Nadal treffen. Der überzeugt zwar auf dem Platz, doch eine Frage zu einem mysteriösen Pflaster will er nicht beantworten.

Von Gerald Kleffmann, Wimbledon

Der böse Nick? Wo war er? Das fragte sich am Dienstag die Tageszeitung Daily Mail und kam zur Erkenntnis: "Das Einzige, das er aggressiv machte, war Banane-Essen." Tatsächlich war das ein überraschender Auftritt von Nick Kyrgios am Tag zuvor gewesen. In mancher Runde zuvor hatte der australische Profi Richtung Publikum gespuckt, wollte Linienrichter vom Platz werfen lassen, pöbelte sogar sein eigenes Team an, forderte die Disqualifikation seines Gegenübers.

Im Achtelfinale gegen den US-Profi Brandon Nakashima: brav wie Rufus The Hawk, der Wüstenbussard, der über dem All England Club fliegend pflichtbewusst Ausschau nach lästigen Tauben hält. Nur ein eher murmelndes Grollen manchmal. Als die Schulter zwickte: kein Lamentieren. Man fing schon an, sich Sorgen um ihn zu machen, so still absolvierte Kyrgios das Match über 3:11 Stunden.

Wie so ein richtiger Durchschnittsmusterprofi agierte Kyrgios, fast schon langweilig. Vielleicht deshalb hat er ganz am Ende nach seinem 4:6, 6:4, 7:6 (2), 3:6, 6:2-Erfolg doch eine winzige Provokation gewagt - und ist mit roter Kappe vom Centre Court marschiert, auf dem er erstmals bei diesem Wimbledon-Turnier spielen durfte. Weiß soll ja, so die eiserne Regel, die vorherrschende Kleiderfarbe sein. Warum er das tat, wurde er später gefragt. "Ich mache, was ich will," sagte Kyrgios und blieb: völlig ruhig.

Nadal und Kyrgios: Kleiner Stilbruch: Als Nick Kyrgios nach seinem Erfolg gegen den Amerikaner Brandon Nakashima zum Interview auf dem Centre Court schritt, zog er eine rote Kappe auf - Weiß soll in Wimbledon ja die vorherrschende Kleiderfarbe sein.

Kleiner Stilbruch: Als Nick Kyrgios nach seinem Erfolg gegen den Amerikaner Brandon Nakashima zum Interview auf dem Centre Court schritt, zog er eine rote Kappe auf - Weiß soll in Wimbledon ja die vorherrschende Kleiderfarbe sein.

(Foto: James Veysey/Shutterstock/Imago)

Einen Aufreger war diese Aktion wahrlich nicht wert. Der Centre Court, das räumte er ein, sei ein besonderer Ort, woraus man schließen konnte: In dieser Kirche des Tennissports traute sich selbst er nicht, sein Temperament zur vollen Entfaltung zu bringen. Kyrgios spielte einfach Tennis. Verrückt. Auch in der Pressekonferenz war ein konstruktives Gespräch mit ihm möglich, ohne Vorwürfe. Er geriet gar ins Plaudern. "Es gab eine Zeit, da musste ich gezwungen werden, um vier Uhr morgens aus dem Pub zu gehen, weil ich dann gegen Nadal in der zweiten Runde spielte", erzählte er. 2019 war das, damals verlor er in vier Sätzen gegen den Spanier. "Ich bin einen langen Weg gegangen, das steht fest", resümierte Kyrgios.

Warnung an die Konkurrenz: Rafael Nadal sieht sich "auf einem sehr positiven Level"

Sollte er am Mittwoch gegen den Chilenen Cristian Garín, 26, gewinnen, könnte das von vielen erhoffte große Halbfinalduell mit Nadal anstehen; sofern der 22-malige Grand-Slam-Sieger sein Viertelfinale gegen den Amerikaner Taylor Fritz, 24, erfolgreich bestreitet. Nadal hatte zwar am Montagabend beim 6:4, 6:2, 7:6 (6) gegen den gefährlichen Niederländer Botic van den Zandschulp einige enge Phasen zu überstehen, aber er spiele immer mehr, wie er betonte, "auf einem sehr positiven Level". Nach seinem 14. French-Open-Sieg hatte er sich noch am chronisch angeschlagenen linken Fuß einer Sonderbehandlung unterzogen. Nun sei er schmerzfrei. Noch etwas freute ihn: "Ich spüre, dass mein Ball mehr Schaden anrichtet als zu Beginn des Turniers."

Aber Nadal wäre nicht Nadal, würde es nicht doch eine gesundheitliche Beschwerde geben. In der Bauchgegend war bei ihm, als er das Hemd einmal wechselte, ein mysteriös aussehendes Pflaster zu erkennen. Er wollte nichts dazu sagen. "Und ich bin auch ein bisschen müde, über meinen Körper zu reden", sagte er und warb um Verständnis: "Es geht nicht darum, dass ich die Frage nicht beantworten will. Aber manchmal habe bin selbst müde davon, all diese Probleme zu haben. Ich ziehe es vor, nicht darüber zu reden. Entschuldigung dafür."

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