Victor Wembanyamas Debüt in der NBA:Der Auserwählte ist endlich gelandet

Victor Wembanyamas Debüt in der NBA: Victor Wembanyama ist erst 19, aber die Welt des Basketballs kennt diesen Mann aus der Nähe von Paris bereits. Denn die Aufregung um diesen Kerl ist riesig.

Victor Wembanyama ist erst 19, aber die Welt des Basketballs kennt diesen Mann aus der Nähe von Paris bereits. Denn die Aufregung um diesen Kerl ist riesig.

(Foto: Christian Petersen/AFP/Getty)

Als größte Attraktion seit LeBron James vermarkten sie den jungen Basketballprofi Victor Wembanyama in den USA, nun trat der 2,24-Meter-Franzose zu seiner ersten Profipartie in der NBA an - und sah, dass er doch recht weltlich ist.

Von Jürgen Schmieder, Los Angeles

Victor Wembanyama saß bedröppelt auf seinem Stuhl an der Seitenlinie. Das sah umso trauriger aus, weil es in der US-Basketballliga NBA nur Klappstühle in Normalsterblichengröße gibt. Der 2,24 Meter große Franzose hätte den hängenden Kopf also auf den Knien ablegen können. Die Partie zwischen seinen San Antonio Spurs und den Dallas Mavericks war ausgeglichen im Schlussviertel, doch hatte Wembanyama in den drei Abschnitten davor fünf Fouls gesammelt und war deshalb von Trainer Gregg Popovich auf diesen Stuhl auf der Bank gesetzt worden. Sollte sie tatsächlich so ausgehen, die erste NBA-Partie von Wembanyama, die die Liga zur Ankunft des großen Auserwählten im Basketball stilisiert hatte? Bis dahin hatte er gerade einmal zwei Würfe versenkt.

Wenn sie eines können im US-Sport, dann dies: einen Hype schaffen um ein Event (Super Bowl zum Beispiel) oder einen Sportler - mit dem Vorteil, dass dann leidenschaftlich über die Erfüllung einer Prophezeiung debattiert werden kann. Oder über die Enttäuschung, wenn dies misslingt. Wembanyama war gewogen und gemessen worden, er wurde nicht nur für schwer genug befunden, sondern zur Zukunft einer ganzen Sportart ausgerufen und von einem Sportartikelhersteller sogar werbemäßig zum "The Extraterrestrial", einem Außerirdischen, erklärt. Das Interesse war so gewaltig wie seit der ersten Profipartie von LeBron James vor zwanzig Jahren nicht mehr, der bekanntlich eine bemerkenswerte Laufbahn hingelegt hat. Es ist aber auch bekannt, dass Zion Williamson, ein weiterer Hochgelobter, sich nach mehr als vier Jahren noch immer nicht so recht durchgesetzt hat in der NBA.

Da saß Wembanyama also auf seinem Klappstuhl - und legte dann doch wieder los. Popovich wechselte ihn sieben Minuten vor Schluss gemäß einer alten Basketballtrainerweisheit ein: "Du spielst nun so lange, bis du dich mit dem sechsten Foul selbst vom Spielfeld subtrahierst." 103:108 stand es da, die erste Aktion von Wembanyama: Alley-oop-Dunking. Dann: Rebound, Dreier, Rebound, Dunking, erfolgreicher Wurf im Rückwärtsfallen. Plötzlich stand es 115:115, plötzlich sahen die Werte (15 Punkte, fünf Rebounds und zwei Assists) ordentlich aus, und die Zuschauer in San Antonio jubelten so, als hätten sie wirklich Erstaunliches gesehen.

Trainer Popovich versucht, den Neuling mit allen Tricks vor dem Rummel zu schützen

Popovich hatte in der Pause vor dem Schlussviertel auf die Frage einer Reporterin geantwortet, was er zu seinem neuen Riesen gesagt habe angesichts seiner bisweilen doch arg weltlichen Fouls: "Nichts." Er ergänzte: "Ich glaube, er weiß selbst recht genau, was passiert ist." Popovich befolgt im Umgang mit Berühmtheiten eine unvergessene Hermann-Gerland-Regel, sie lautet: "Wenn einer abheben will, hänge ich mich an die Beine - bei meinem Gewicht kommt er nicht weit." Zu den psychologischen Kniffen des Altmeisters gehörte es jahrelang, verdiente Veteranen wie David Robinson, Tim Duncan oder Tony Parker zu Saisonbeginn so richtig anzupfeifen, damit alle neuen Spieler sahen: Wenn der mit denen so umgeht, bin ich lieber mal brav.

"Der Rummel ist immens. Er ist aber sehr erwachsen und mit beiden Beinen auf der Erde", sagte Popovich nach der Partie, die San Antonio mit 119:126 verlor, weil die Dallas Mavericks in Luka Doncic (33 Punkte, 13 Rebounds, zehn Assists) auch einen Spieler haben, der zu ungewöhnlichen Leistungen fähig ist - und Doncic zeigte das in der entscheidenden Phase, als er an jedem der letzten elf Mavericks-Zähler beteiligt war. "Es war die erste Partie einer Saison mit 82 Spielen plus Playoffs, und er wird hoffentlich viele Spielzeiten in der NBA absolvieren", befand Popovich. Also: Lasst Wembanyama doch erst mal ankommen. Auf der Erde, in der NBA, bei den San Antonio Spurs.

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