Wayne Odesnik bei den US-Open Schweigen in der Umkleidekabine

Odesnik hat nicht den besten Ruf unter Tennis-Kollegen. Während einer Partie blaffte ihn Ryan Harrison bei einem strittigen Ball an: "Dir vertraut doch sowieso niemand." James Blake sagte, dass in der Umkleidekabine niemand mit Odesnik reden würde. Andy Murray nannte ihn "eine Petze".

Es blieb die Frage: Wenn dieser Sport tatsächlich so weiß ist wie die in Wimbledon geforderte Tenniskleidung - also rein und frei von Doping und anderen Manipulationen -, warum regen sich dann alle derart über Odesniks Kooperation auf? Und was könnte Odesnik erzählt haben, das eine Halbierung der Sperre rechtfertigt? Offiziell heißt es nur, er habe "entscheidende Unterstützung geleistet in Bezug auf das Durchsetzen der Berufsregeln".

Solche Fragen sind unangenehm, sie werden noch unangenehmer. Beim Skandal um die Dopingklinik Biogenesis in Florida, der zur Sperre zahlreicher prominenter Baseballspieler wie etwa Alex Rodriguez, Ryan Braun und Nelson Cruz führte, tauchte im vergangenen Jahr plötzlich auch der Name Wayne Odesnik auf. 24 Mal wurde er auf handschriftlichen Notizen erwähnt, er soll 500 Dollar pro Monat für HGH bezahlt haben - und zwar nicht nur vor seiner Sperre, sondern bis ins Jahr 2011 hinein.

Odesnik beteuerte, keinen Kontakt zur Klinik gehabt zu haben. Warum aber gibt es dann diese Zettel? Hat er weiter gedopt? Oder hat er als Spitzel der ITF dopingwillige Akteure angeworben, damit die später überführt werden können? Damit hätte er vielleicht tatsächlich geleistet, was eine derart drastische Reduzierung seiner Sperre rechtfertigen würde.

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Vor drei Wochen wurden der ehemalige Klinikchef Tony Bosch und zehn weitere in den Skandal verwickelte Personen verhaftet. Es heißt, dass Bosch gerade mit den Behörden über einen Deal verhandelt, bei dem er sich schuldig bekennt, Athleten mit Wachstumshormon versorgt zu haben. Die Ermittlungen konzentrieren sich zwar mehr auf die Klinik-Mitarbeiter als auf Sportler, doch könnte dabei auch herauskommen, welche Rolle Odesnik in dieser Scharade gespielt hat.

Der versucht gerade, wenig aufzufallen. Er trainiert in Florida und spielt vor allem in Südamerika, in diesem Jahr etwa in Chitré (Panama), Santos (Brasilien), Cali (Kolumbien). Hin und wieder qualifiziert er sich für ein bedeutendes Turnier. In New York wurde er erst einmal auf der Anlage gesichtet, am Sonntag auf einem Nebenplatz. Er nimmt zum ersten Mal seit 2009 an den US Open teil und soll am Dienstag gegen den Japaner Kei Nishikori antreten. Es dürfte nicht wenige Spieler geben, die zu Nishikori halten. Sie wollen, dass Odesnik, der ungebetene Gast, rasch verschwindet. Und dass danach möglichst niemand über ihn redet.