Vor FC-Bayern-Spiel:"Wir sind ein internationaler Verein in einer internationalen Stadt"

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Viele in der Stadt fremdelten anfangs mit dieser scheinbar bunt zusammengewürfelten Gruppe, so sehr, dass sich Kovac bemüßigt fühlte festzustellen: "Wir sind ein internationaler Verein in einer internationalen Stadt, in der Integration groß geschrieben wird. Das passt."

Tatsächlich ist es dem akribisch arbeitenden früheren Profi Kovac gelungen, einen Teamgedanken zu entwickeln. Dazu hat er seinen Kader fast den ganzen Tag beisammen. Los geht es mit einem gemeinsamen Frühstück gegen 8.30 Uhr, das Ende der Zusammenarbeit kommt oft erst in den Nachmittagsstunden. Nichts will Kovac dem Zufall überlassen, jeder Schritt wird vermessen, kein Training ohne Videoanalyse und Blutabnahme. Seit Kurzem findet nur noch dienstags ein öffentliches Training statt, ansonsten wird hinter verschlossenen Toren geübt.

Kovac lässt nicht locker, zerrt und zieht an den immer gläserner werdenden Spielern, gibt keine Ruhe, fordert, verlangt. "Es muss immer Druck auf die Pipeline", sagt Fredi Bobic. Zuletzt, nach einer peinlichen 1:3-Niederlage in einem Freundschaftskick gegen den Zweitligisten Sandhausen, hat Kovac seinem Team eine mangelhafte Einstellung attestiert: "Das ist nicht akzeptabel." An diesem Samstag kommt nun der FC Bayern. Ob Kovac danach wieder laut wird?

Kein Mensch kann derzeit die wahre Leistungsstärke dieser Mannschaft einschätzen, sie ist eine Wundertüte, ein Überraschungs-Ei. Ansprechenden Vorstellungen daheim gegen Schalke (1:0), Leverkusen (2:1) und Berlin (3:3) stehen furchtbar unnötige Niederlagen auswärts in Darmstadt (0:1) und Freiburg (0:1) gegenüber. Kaum einer hat ein Gefühl für diese Multi-Kulti-Elf, die Große schlägt und gegen Kleine patzt. Und wofür steht diese Mannschaft eigentlich? Wo liegen ihre Stärken? In einer stabilen Defensive? Im Umschaltspiel? Im Ballbesitzfußball?

Von allem zeigt die Mannschaft ein bisschen, mal mehr, mal weniger. Immerhin hat die Eintracht mit dieser unkonventionellen Art schon zehn Punkte auf ihr Konto geschaufelt - und sogar einen Ritterschlag von Bayer Leverkusens Rudi Völler erhalten: Eintracht Frankfurt, sagte der Bayer-Sportchef und gebürtige Hesse, sei für ihn bislang "die größte Überraschung der Saison".

Nach dem Mal-so-mal-so-Start steht den Frankfurtern nun ein heißer Herbst bevor. Nach dem Spiel gegen die Bayern müssen sie in Hamburg und in Mönchengladbach ran, danach kommt der 1. FC Köln. Eine ruhige, unaufgeregte Saison wollen sie spielen in Frankfurt, möglichst fern der fiesen Abstiegsplätze, und wer vom internationalen Geschäft zu träumen wagen sollte, "soll sich einen anderen Verein suchen", empfiehlt Bobic. Bei dem Satz klang er fast schon so, wie Bruchhagen oft klang. Der übrigens hat Bobic zum Einstand seine Eintracht-Klubjacke geschenkt. Sie hängt bei Bobic im Büro. Sie ist ihm zu groß.

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