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VfL Wolfsburg:Passt ein bisschen auf Max Kruse auf!

Auch wenn der Wolfsburger wusste, was er mit seinem Verhalten aufs Spiel setzt: Es gibt offensichtlich Menschen, die ihm schaden wollen.

Die Solidaritätsbekundung kam via Instagram - von einem, der sich auskennt. Kevin Großkreutz hatte einst die gesamte Wucht der medialen Verurteilung zu spüren bekommen, als der damalige Dortmunder 2014 betrunken in einer Hotellobby urinierte. Etwas später funktionierte er einen Döner zum Wurfgeschoss um. Der Mann, der ihn abbekam, zeigte ihn wegen Körperverletzung an - viel schlimmer dürfte für Großkreutz aber die Häme gewesen sein, die sich daraufhin über ihn ergoss.

Der Großkreutz von damals heißt heute Max Kruse. Er hat, wie sein Nationalmannschaftskollege, eine Menge kleinerer und größerer persönlicher Verfehlungen angesammelt - mit dem Unterschied allerdings, dass er damit niemandem auch nur im Ansatz schadete. Er vergaß 75 000 Euro in einem Taxi, wurde nachts um zwei beim Feiern seines Geburtstages in einem Club erwischt. Nun tauchten auch noch intime Aufzeichnungen auf, auf denen mutmaßlich Kruse zu sehen ist.

"Mein Gott. Jeder Mensch macht Fehler und hat nen Privatleben", schreibt Großkreutz. "Jeder Mensch hat ne Leiche im Keller und sollte sich an die eigene Nase packen. Ich will es nicht gut reden, aber man sollte mal ruhig bleiben." Sein Appell: Einfach mal runterkommen. Und Max Kruse, trotz allem, bitteschön als Menschen behandeln.

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Großkreutz vermutet Kampagne gegen Kruse

Da ist Wahres dran, denn hinter dem Bekanntwerden der Nachrichten rund um Kruse stecken offenbar Menschen, die nicht nur sein Wohlergehen im Sinn haben. Dass die Bild-Zeitung den Nationalspieler nachts um zwei Uhr (auf Kruses Geburtstagsfeier) auf einer Tanzfläche ablichten lässt und tags darauf den dazugehörigen Artikel mit "Der wilde Kruse" überschreibt, ist ein Teil dieser Geschichte. Kruse ahnte bereits nachts, was ihm drohte. Er nahm der Bild-Reporterin, so ist es überliefert, im Nachtclub "Avenue" auf wenig galante Weise das Handy weg und löschte die Fotos. Bild veröffentlichte all diese Details - passten sie schließlich wunderbar zu der Taxi-Geschichte mit dem verlorenen Geld, die im Übrigen erst jetzt, fünf Monate später, publik wurde.

Und gerade jetzt tauchen auch noch diese intimen Aufzeichnungen auf. Das lässt vor allem den Schluss zu, dass es offenbar jemanden in Kruses Umfeld gibt, der ihm massiv schaden will. Über die sozialen Netzwerke und Whatsapp-Gruppen verbreiteten sich die Aufzeichnungen schnell. Schon im Februar war eine private Sprachnachricht öffentlich geworden, die in der Öffentlichkeit eigentlich nichts zu suchen hatte. Kruse reagierte auf seine Weise und löschte seine Accounts bei Facebook und Instagram.

Soll hier der Ruf eines Nationalspielers zerstört werden? Großkreutz vermutet genau das. Er könne "nicht verstehen, dass es so viele Menschen gibt, die mit dem Zeigefinger auf andere zeigen und wie kleine Kinder zur Zeitung laufen müssen". Auch Fußballprofis seien Menschen, die Fehler machen. Er schreibt weiter, in Großbuchstaben: "PASST AUF, DASS IHR DEN MENSCHEN NICHT KAPUTT MACHT."

Löw appeliert an die Vorbildrolle

Aktuell steht zunächst die öffentliche Maßregelung des Profis im Vordergrund. Bundestrainer Löw schmiss ihn nach Bekanntwerden der Berliner Party-Nacht aus dem Kader für die anstehenden Länderspiele. "Wir brauchen Spieler, die (...) sich ihrer Vorbildrolle bewusst sind", ließ Löw via DFB-Mitteilung verbreiten. Kevin Großkreutz hingegen oder auch Marco Reus (für monatelanges Autofahren ohne Führerschein) wurden nicht vom DFB bestraft. Auch Lukas Podolski durfte den damaligen Kapitän Michael Ballack während eines Länderspiels ohrfeigen, ohne dass etwas passierte.

Anders bei Kruse. Sein Klub, der VfL Wolfsburg, brummte dem Spieler bereits zum zweiten Mal eine hohe Geldstrafe auf. Am Dienstag fehlte er beim Mannschaftstraining, bekam laut VfL-Trainer Dieter Hecking "ein individuelles Programm." Mutmaßungen, ob er den Verein verlassen müsse, entgegnete Hecking: "Davon gehe ich im Moment nicht aus." Sollte er am 1. April in Leverkusen spielen dürfen, lässt sich die Reaktion der Fans aber bereits erahnen.

Kruse hat keine Straftat begangen

Rauswurf aus der Nationalmannschaft, Geldstrafe, öffentliche Häme: All das ist viel für einen 28-Jährigen, der sich zwar wenig gescheit angestellt hat und sicher wusste, was er mit der jüngsten Partynacht aufs Spiel setzt. Der aber - um dies in aller Deutlichkeit zu sagen - niemanden belästigt, verletzt, geschweige denn eine Straftat begangen hat. Geschadet hat er einzig und allein sich selbst - und seiner Reputation.

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