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Verletztes Dressur-Pferd:Totilas konnte nicht schreien

Der schwarze Hengst strahlte Männlichkeit aus, Kraft und Eleganz. Sein außergewöhnliches Talent wurde ihm zum Verhängnis.

Kommentar von Gabriele Pochhammer

Totilas wird in Erinnerung bleiben: Als das Pferd, das die Herzen der Menschen berührte wie kein Dressurpferd zuvor. Piaffen? Passagen? Auch wer sich dafür nie interessiert hatte, konnte sich der Faszination dieses schwarzen Hengstes kaum entziehen. Totilas strahlte Männlichkeit aus, Kraft und Eleganz. Sein außergewöhnliches Talent wurde ihm nun zum Verhängnis.

Bei der Europameisterschaft in Aachen sollte Totilas die Goldmedaille für die deutsche Mannschaft sichern, obwohl mit ihm offensichtlich etwas nicht stimmte. Um dem Sagenumwobenen den Weg zu bereiten, wurde viel zur Seite geräumt.

Totilas brauchte sich zuvor nicht zu zeigen, als er dann untaktmäßig lief, schauten die Verantwortlichen weg. Es wird schon gut gehen, irgendwie - das war die Hoffnung, die auch durch den gewaltigen Preis genährt worden war, den die Besitzer einst für das Tier bezahlt hatten: angeblich zehn Millionen Euro. Nun liegt die Diagnose vor: Totilas plagt ein Knochenödem, das Ende seiner Karriere droht.

In diesem Fall haben viele versagt: Der Reiter, der nichts gemerkt haben will; die Funktionäre, die sich vom Glanz der Medaillen blenden ließen; die Besitzer, die nur ihre Geschäftsinteressen sahen. Ein Sportler, der ein Knochenödem hat, kann schreien, protestieren, pausieren. Ein Tier, mit dem Sport getrieben wird, kann das nicht. Es muss darauf vertrauen, in die richtigen Hände zu geraten.

© SZ vom 17.08.2015/anri

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