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US Open:Volle Konzentration auf das Duell Williams gegen Kerber

Tennis: U.S. Open

Serena Williams in ihrem Erstrunden-Match bei den US Open.

(Foto: USA Today Sports)
  • Serena Williams zieht bei den US Open locker in die zweite Runde ein.
  • Das Turnier ist komplett auf die Weltranglistenerste ausgerichtet - im Finale wird ihr Duell mit der Deutschen Angelique Kerber erwartet.

63 Minuten. Immerhin. So lange dauerte es, dann hatte Serena Williams ihre Erstrunden-Partie gegen Ekaterina Makarowa bei den US Open mit 6:3, 6:3 gewonnen. "Ich wollte, dass es möglichst schnell geht", sagte sie danach angesichts der Schulter, die noch immer nicht schmerzfrei sei: "Ich muss jetzt mal abwarten, wie ich mich morgen fühle - weil der Tag danach meist ein wenig schlimmer ist. Ich habe seit Wimbledon nicht besonders viele Partien gespielt und konnte mich kaum auf die Hartplatz-Saison vorbereiten. Aber damit muss ich nun umgehen."

Es war bislang ein kniffliges Jahr für Williams, die außer Wimbledon nur in Rom gewinnen konnte - wobei natürlich das Wort "nur" ausschließlich im Zusammenhang mit Serena Williams verwendet werden darf, weil 99 Prozent der Tennisprofis überaus glücklich wären über ein Jahr, in dem sie ein Grand-Slam-Turnier und noch eine weitere Veranstaltung gewinnen können. Doch Serena ist eben Serena - und gerade in New York erwarten die Menschen von ihr nichts weniger als historische Erfolge.

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Schon im vergangenen Jahr waren die US Open einzig auf diese junge Frau ausgelegt gewesen. Sie hätte ihren vierten Grand-Slam-Titel in diesem Jahr gewinnen können, es wäre der 22. Erfolg bei den bedeutendsten Wettbewerben gewesen, in der Profi-Ära hatte nur Steffi Graf so viele große Turniere gewonnen. Der Schatten, den Serena 2015 warf, er war gewaltig. Zum ersten Mal in der Geschichte eines Grand-Slam-Turniers war das Frauenfinale schneller ausverkauft als das der Männer. Das war kein Zeichen, dass sich die Menschen nun stärker für Frauentennis begeisterten. Die Menschen wollten dabei sein, wenn Historisches passiert.

Im Finale spielte dann aber gar nicht Serena Williams, sondern Roberta Vinci, die sich im Halbfinale gegen die US-Amerikanerin durchgesetzt hatte. Ihre Endspiel-Gegnerin war Flavia Pennetta - wie Vinci eine Italienerin. Pennetta setzte sich durch.

Ein Jahr später haben die Organisatoren das Turnier erneut überfrachtet - wieder mit Williams. Sie kann ihren 23. Grand-Slam-Titel holen und damit an Graf vorbeiziehen. Sie kann mit einem Turniersieg die Nummer eins der Weltrangliste bleiben - ansonsten kann sie überholt werden, unter anderem von Angelique Kerber. Die Organisatoren versuchen deshalb schon, die Frauen-Konkurrenz auf dieses mögliche Duell im Endspiel zu konzentrieren.

Die Menschen strömen selbst abends auf die Tennisanlage nach Flushing Meadows, auch wenn die angesetzten Partien oftmals keine sportlichen Leckerbissen sind. Es sollen die Protagonisten präsentiert werden, bei den Männern etwa Novak Djokovic und Andy Murray (er gewann nach der Partie von Williams ebenfalls locker) und bei den Frauen eben die Williams-Schwestern. Kerber spielte ihr Erstrunden-Match dagegen tagsüber. Es sollen lockere Übungen sein, mehr Warmspielen als Kampf. Ein bisschen Show, ein bisschen Gesang, ein bisschen Tennis.

Williams wollte nach der ersten Partie bei diesem Turnier keinesfalls über die Weltrangliste oder den möglichen Rekord sprechen - sie sagte: "Fragen danach beantworte ich nicht!" Sie sprach lieber über das neue Dach über dem Stadion ("Ich liebe es!"), das Publikum in New York ("Ich liebe es!") und ihr neues Outfit ("Ich liebe es!").

So sind die ersten Abende im Arthur Ashe Stadium, die Zuschauer kommen dennoch gerne. Und sie gehen zufriedener nach Hause als im vergangenen Jahr. Da stand Williams in der ersten Runde gerade einmal 21 Minuten auf dem Platz. Ihre Gegnerin Witalia Dijatschenko (Russland) humpelte über den Platz wie ein verwundetes Reh, schaffte mehr Doppelfehler (sechs) als Punktgewinne und gab bei 0:6, 0:1 verletzt auf. So locker wollen es die Verantwortlichen der US Open dann doch nicht haben.

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