Dritte Liga Unterhaching geht an die Börse

Ertragreicher Boden? Hachings Chef Manni Schwabl (links Luca Marseiler), feiert den Klassenverbleib.

(Foto: Sven Leifer/imago)
  • Als zweiter deutscher Klub nach dem BVB geht die SpVgg Unterhaching an die Börse.
  • Die Aktie soll ungefähr acht Euro kosten. Der Klub erhofft sich dadurch die Rückkehr in die zweite Liga.
  • Präsident Schwabl, der selbst 16,66 Prozent der Aktien halten wird, nennt den Börsengang "nahezu alternativlos".
Von Stefan Galler, Unterhaching

Es klingt zunächst skurril: Knapp 20 Jahre nach Borussia Dortmund wagt sich ein zweiter deutscher Fußballverein an die Börse. Aber nicht etwa einer mit einem großen Namen. Sondern der Münchner Vorortklub SpVgg Unterhaching. Der Drittligist, der nach dem Ausstieg seines Hauptsponsors 2011 jahrelang vergeblich nach einem potenten Geldgeber gefahndet hatte, will sich finanziell völlig neu aufstellen. "Irgendwann muss die Struktur da sein, dass man aus einer gesicherten Position heraus handeln kann und nicht immer nur auf die Lizenzierung schauen muss", sagte Präsident Manfred Schwabl, 53, bei der öffentlichen Vorstellung des Konzeptes am Dienstagvormittag. "Ich möchte den Klub nicht hoffnungslos verschulden und dann irgendwann abtreten. Ich will kein Harakiri, sondern einen soliden Weg."

Claus Lemke, der Geschäftsführende Gesellschafter der Portfolio Control GmbH in Starnberg, die den Börsengang des Vereins begleitet, gab bereits einige Details preis: So werde das öffentliche Angebot derzeit vorbereitet, die Aktie soll noch bis spätestens Ende Juli erhältlich sein. Der Ausgabepreis stehe noch nicht fest, dürfte sich jedoch bei etwa acht Euro pro Anteil bewegen. Derzeit sammele man Kapital ein, vier Millionen Euro habe man bereits, weitere acht Millionen sollen bis zum Verkaufsstart noch dazu kommen. "Wir wollen einen sehr guten Mix aus ein paar Ankerinvestoren, die mit größeren Beträgen einsteigen, und zahlreichen weiteren Geldgebern, die sich kleinteilig zusammensetzen", sagte Schwabl, der als Geschäftsführer der GmbH & Co. KgaA (Kommanditgesellschaft auf Aktien) wirken und selbst 16,66 Prozent der Aktien halten wird. 50 Prozent werden vom Klub kontrolliert, nachdem man die Drittligamannschaft sowie die Jugendteams von der U16 bis zur U19 im Dezember 2018 nach einem fast einstimmigen Mitgliedervotum aus dem Gesamtverein ausgegliedert hatte. Der Rest ist, wie auch beim BVB, für jedermann zugänglich - die Haching-Aktien werden an der Münchner Börse gehandelt.

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Die BVB-Aktie war lange ein abschreckendes Beispiel: "Da wurde viel Kapital vernichtet."

Schwabl nennt den Börsengang "nahezu alternativlos": "In der dritten Liga machst du jedes Jahr ein operatives Minus von 2,5 Millionen Euro, das ist nicht zu vermeiden, erst recht nicht, wenn du ein Nachwuchsleistungszentrum unterhältst", sagte Schwabl, der den Verein 2012 mit 700 000 Euro aus seinem Privatvermögen vor der Insolvenz gerettet hatte. Ein Klub könne in dieser Spielklasse nicht lange überleben, außer er hat einen reichen Sponsor. "Als kleiner Verein muss man innovativ sein, sonst hat man nichts verloren im Haifischbecken Profifußball", sagt der frühere Profi, der beim FC Bayern, beim 1. FC Nürnberg und bei 1860 in der Bundesliga spielte. Der zweite Geschäftsführer von Portfolio Control, Jörg Flechtner, stützte Schwabls Aussagen: "Das ist ein Gegenentwurf zu Großinvestoren und kann ein Leuchtturmprojekt werden. Dieses Modell richtet sich an Fans und Gönner, aber auch an Sponsoren und jene, die einfach nur investieren wollen, weil sie auf eine Rendite hoffen." Im Gegensatz zu einer Fan-Anleihe habe der Börsengang den Vorteil, dass man mit Eigen- und nicht mit Fremdkapital arbeiten könne, keine Zinsaufwendungen zu tragen habe und das Kapital nicht irgendwann zurückzahlen müsse, so Flechtners Kollege Claus Lemke.

Die beiden Börsenexperten stellten klar, dass es sich nicht nur um eine "Idee vom Biertisch" (Schwabl) handelt: Es habe im Vorfeld eine Machbarkeitsstudie gegeben, die selbst bei konservativer Planung vielversprechende Ergebnisse ergab. "Positiv ist hierbei natürlich der Standort in der Metropolregion München, einerseits für die Spielerrekrutierung für die erste Mannschaft, aber auch durch potenzielle Geldgeber, die in dieser wirtschaftlich starken Gegend beheimatet sind", sagte Lemke.

"Zwingend erforderlich" für eine gute Entwicklung der Aktie sei laut Lemke jedoch der Aufstieg in die zweite Liga innerhalb der nächsten fünf Jahre, darauf hat man die Kapitalbedarfsplanung ausgerichtet. Erst in der zweiten Liga locken relevante TV-Erlöse. Schwabl will den Sprung dorthin sogar schneller schaffen: "In der neuen Saison wollen wir ganz klar in die obere Tabellenhälfte, 2020/'21 und 2021/'22 ist der Aufstieg dann bereits das offizielle Ziel." Dementsprechend sei man auch die Kaderplanung angegangen, sechs Zugänge wurden bereits verpflichtet, man habe sich "in der Breite und in der Spitze verstärkt", sagt Trainer Claus Schromm. Aber auch die Liga insgesamt sei stärker geworden, etwa durch die Zweitligaabsteiger Ingolstadt, Magdeburg und Duisburg, aber auch durch Neulinge wie Waldhof Mannheim.

Bleibt die Frage, warum sich seit Borussia Dortmund kein deutscher Verein mehr dazu durchringen konnte, Aktien herauszugeben. "Das liegt daran, dass ein Börsengang in vielen Klubs nicht umsetzbar ist, sei es wegen der Strukturen oder einer entsprechend skeptischen Mitglieder- und Fankultur", sagte Lemke. Daran scheitere in vielen Fällen bereits die Ausgliederung der Profiabteilung aus dem Gesamtverein. Außerdem sei die BVB-Aktie lange kein Erfolg gewesen und mit der Fast-Insolvenz des Klubs in Verbindung gebracht worden: "Das lag auch daran, dass man enorme Ablösesummen bezahlt hat und viel Kapital vernichtete", sagte Lemke und spielte auf die damaligen Rekordtransfers von Jan Koller, Tomas Rosicky und Marcio Amoroso an. Bei der SpVgg Unterhaching steht nicht zu befürchten, dass der Größenwahn Einzug hält, das würde dem Naturell des Klubs widersprechen. Aber selbstbewusst sind sie schon in der 25 000-Einwohner-Gemeinde im Landkreis München. "Die Machbarkeitsstudie hat gezeigt, dass Haching nicht ganz uninteressant ist", sagt Schwabl.

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