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Corona-Tests für Fans bei Union Berlin:Alleingang für volle Ränge

1. FC Union Berlin - Fans im  Stadion Alte Försterei

Bald wieder mit Fans? Union Berlin will in großem Stil auf Corona testen.

(Foto: Soeren Stache/dpa)

Keine Lust auf Geisterspiele: Ab dem ersten Spieltag der neuen Saison will Union Berlin alle Zuschauer vor Spielen auf Covid-19 testen - und bekommt prominente Unterstützung.

Von Jonas Beckenkamp

Aus dem Zentrum Berlins ist es ein weiter Weg hinaus an die Alte Försterei JWD im Osten, doch die meisten Fußballfans nehmen ihn gerne in Kauf. Das Stadion von Union Berlin gilt als Sehnsuchtsort, als Arena mit ganz besonderer Atmosphäre. Hier atmet der Fußball noch den Geist von früher. Und hier soll er nun wieder so werden, wie er vor Corona war: mit Fans in einem beinahe ausgelasteten Stadion. Mit Singen, Schreien, Anfeuern, mit eng zusammenstehenden Menschen, die ohne Infektionsrisiko auf den Rängen ein Spiel verfolgen.

Dafür hat der Bundesligist jetzt einen ziemlich wagemutigen Plan vorgelegt, der durchaus revolutionären Charakter hat. Rein darf nur, wer einen negativen Covid-19-Test vorweisen kann. Das Stadion als Bubble mit gesunden, symptomfreien Menschen, so wünscht man es sich bei den "Eisernen". "Erste Gespräche mit möglichen Partnern" sind bereits in Gang, um das Konzept mit Tests für alle Stadionbesucher umzusetzen, heißt es aus Köpenick. Schließlich kosten großflächige Tests vor oder an jedem zweiten Wochenende eine Menge Geld - und Union Berlin gilt als einer der finanzschwächeren Klubs der Liga.

Aber: Bei Union will man einiges versuchen, den Zuschauern zuliebe. "Menschen flehen uns jeden Tag an, dafür zu sorgen, dass sie zurückkommen können. Damit wollen wir uns befassen", sagte Pressesprecher Christian Arbeit bei RBB24. "Daher ist das sicherlich auch ein Beitrag zu der jetzt laufenden Debatte, wie wir mit dieser Pandemie umgehen." Er wolle mit dem Vorstoß der Eisernen auch eine Vorreiterrolle einnehmen. Und überhaupt sei "Abstand zu halten bei einem Fußballspiel, so emotional wie das ist, kaum kontrollierbar."

Wenn die Rahmenbedingungen konkretisiert sind, soll das Konzept dem zuständigen Gesundheitsamt und dem Land Berlin vorgestellt werden. Auch eine öffentliche Präsentation steht an, so dass sich vielleicht andere etwas abschauen können. Ein wenig Geduld ist noch nötig, sagte ein Union-Sprecher am Freitagabend, es bedarf eben vieler Absprachen. Mit seinem hierzulande einzigartigen Vorhaben sorgt Union für Bewegung in der öffentlichen Debatte, wann wieder Profifußball vor Zuschauern möglich sein wird. Auch Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius wirbt beispielsweise schon länger offensiv für eine Rückkehr der Fans in Stadien ab dem späten Herbst - zu Beginn der neuen Saison rechnet der SPD-Politiker trotzdem erstmal weiter mit Geisterspielen. Eine Lockerung im September komme aus seiner Sicht "zu früh", sagte Pistorius an diesem Samstag der Neuen Osnabrücker Zeitung.

1. FC Union Berlin - VfL Wolfsburg

So soll es an der Alten Försterei bald wieder aussehen - wenn es nach Union Berlin geht.

(Foto: Andreas Gora/dpa)

Entscheidend für eine baldige Rückkehr auf die Tribüne sei, wie sich das Infektionsgeschehen über die Urlaubszeit entwickeln werde. "Ganz Deutschland ist auf Achse, und zwar in diesem Jahr überwiegend innerhalb unseres Landes. Da müssen wir erst mal abwarten, wohin das führt", sagte er. Pistorius verfolgt auch die Pläne bei Union Berlin mit Interesse, er hält aber "die drei Regeln Abstand, Maske und Hygiene für unverzichtbar, dass wir diesen Weg gehen." Wenn alle Vorgaben eingehalten würden, könne er sich "vorstellen, dass wir im Oktober, November wieder Zuschauer in den Stadien haben. Volle Stadien werden dies aber nicht sein."

Für die will sich indessen auch DFB-Präsident Fritz Keller einsetzen. "Wir müssen alles daran setzen, dass wir wieder Zuschauer in die Stadien reinkriegen", sagte der 63-Jährige im Gespräch mit SWR Sport. Er und der DFB seien diesbezüglich im regelmäßigen Austausch mit dem Gesundheitsminister und der Bundesregierung. Keller äußerte ähnliche Bestrebungen wie Union Berlin. "Mein Traum wäre es, über Testungen, vielleicht irgendwann mal ein volles Stadion zu kriegen", so der ehemalige Präsident des SC Freiburg. Mit den Tests könne im Idealfall dafür gesorgt werden, dass es keine Ansteckungsgefahr gibt.

Ähnliche Ansichten herrschen seit längerem in Sachsen vor. Dort tätigt die Landesregierung Überlegungen, Veranstaltungen mit mehr als 1000 Besuchern schon im September wieder zuzulassen, allerdings unter Einhaltung von Hygieneregeln und der Kontaktverfolgung - und nicht in gänzlich gefüllten Arenen. Davon könnten neben RB Leipzig auch die anderen sächsischen Vereine profitieren, die zum großen Teil von Zuschauereinnahmen abhängig sind. Das betrifft in erster Linie die Drittliga-Klubs Dynamo Dresden und FSV Zwickau. Bei RB ist man darauf bereits vorbereitet. "Wir haben ein Konzept für Spiele mit Zuschauern für die neue Saison entwickelt und dies mit dem Gesundheitsamt Leipzig diskutiert", hatte Ulrich Wolter, Director Operations bei RB, zuletzt angekündigt.

Union Berlin will noch einen Schritt weiter gehen - man möchte nicht nur vor ein paar tausend Leuten spielen, sondern es geht um "Vollauslastung" des Stadions an der Alten Försterei. Und zwar vom ersten Spieltag an, der ab dem 18. September steigt. Alle 22 012 Karteninhaber sowie alle weiteren Anwesenden vor Ort müssen dazu getestet werden. "Zugang zum Stadion erhält man dann mit einer gültigen Eintrittskarte und einem negativen Testergebnis, das zum Zeitpunkt der Stadionschließung nicht älter als 24 Stunden sein darf", so die Prämisse der Unioner.

Es würden verschiedenste Möglichkeiten geprüft, "die in ausreichender Menge zur Verfügung stehenden Testkapazitäten binnen 24 Stunden einsetzen zu können." Die Frage ist, wer diese Tests bezahlen soll. Denkbar sind etwa Sponsoren, die als Träger einspringen - oder eine Umlage auf die Ticketpreise. Günstig wird es aber in jedem Fall nicht und man darf bezweifeln, ob Fans in Krisenzeiten ein Stadionbesuch plötzlich doppelt so viel wert wäre wie vor Corona. Und es gibt noch ein Problem: Aktuell sind in der Hauptstadt noch bis 24. Oktober Großveranstaltungen mit mehr als 1000 Personen untersagt - es müsste also auch in den Auflagen nachgebessert werden.

Entscheidend für eine (Teil-) Zulassung von Fans seien die lokalen Konzepte der Vereine, welche von den zuständigen Gesundheitsbehörden vor Ort freizugeben sind. So hatte es die Deutsche Fußball Liga am Freitag mitgeteilt. Unabhängig von Alleingängen für eine Besucher-Rückkehr wie jetzt in Berlin gibt es aber auch Pläne für die gesamte Liga. Die Dachorganisation der 36 Profiklubs der 1. und 2. Liga hat vor, das Geisterspiel-Konzept der "Task Force Sportmedizin/Sonderspielbetrieb" für die neue Saison zu überarbeiten. Ziel ist es, möglicherweise gelockerte Vorgaben für den Arbeitsschutz rund um den Spiel- und Trainingsbetrieb zu erstellen.

Diese Art des Herantastens ist für Union keine Option. "Unser Stadionerlebnis funktioniert nicht mit Abstand, und wenn wir nicht singen und schreien dürfen, dann ist es nicht Union", lässt sich Klub-Chef Dirk Zingler zitieren. Ähnlich forsch hatten die Berliner auch schon Mitte März argumentiert. Damals wollten sie ihr Heimspiel gegen den FC Bayern unbedingt noch vor ausverkauftem Haus austragen, als anderswo längst Geisterspiele beschlossen waren. Doch dann wurde die Saison abrupt und folgenreich unterbrochen.

© SZ/dpa/saul
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