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Ukraine nach dem Torklau:"Bist du ein Mann, geh mit mir vor die Tür"

Nach dem Torklau von Donezk ist die Enttäuschung in der Ukraine riesig. Trainer Oleg Blochin droht einem Journalisten sogar Prügel an. Und die Uefa ist blamiert. Nur einen Tag vor der Niederlage des EM-Gastgebers gegen England hatte Präsident Platini die Torrichter als ultimative Lösung des Problems gepriesen und technische Hilfsmittel abgelehnt.

Oleg Blochin war rasend vor Wut. Er tobte, flippte aus. "Wenn du ein Mann bist, geh mit mir vor die Tür und wir haben eine Unterhaltung unter Männern." Der ukrainische Trainer meinte damit: nicht den Schiedsrichter.

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Ukraine nach dem Torklau

Neue Diskussionen um Torkamera

Das EM-Spiel zwischen England und Co-Gastgeber Ukraine (1:0) in Donezk liefert der Diskussion um technische Hilfsmittel zur Entscheidungsfindung neue Nahrung. Die Frage nach einer Torkamera oder einem Chip im Ball ist wieder aktuell.

Nach dem bitteren EM-Vorrundenaus seiner Mannschaft drohte er einem Journalisten Prügel an. Der hatte es gewagt, nach der 0:1-Niederlage gegen England die mangelnde Fitness seines Teams zu kritisieren. Selbst als ein Uefa-Sprecher schon die nächste Frage aufrufen wollte und die Journalisten bat, keine "Meinungen" mehr zu äußern, ließ sich der Coach nicht beruhigen. "Wenn Sie Blochin nicht mögen, zeigen Sie es. Aber ich lasse es nicht zu, dass Sie etwas gegen mein Team sagen", schimpfte der 59-Jährige. Auch als er wenige Minuten später den Pressesaal verließ, zeigte Blochin immer wieder zur Tür, forderte den Journalisten zum Mitkommen auf.

Blochin ist ein temperamentvoller Mann. Doch wahrscheinlich wäre es nicht zu diesem Ausfall gekommen, ohne diese andere Szene, die in der Ukraine noch in vielen Jahren für Diskussionen sorgen wird.

Es lief die 62. Minute an diesem denkwürdigen Abend in der Donbass-Arena in Donezk. Ein Schuss des ukrainischen Angreifers Marko Devic senkte sich hinter Englands Torwart Joe Hart Richtung Tor. Fast wirkte es im Stadion, als flöge der Ball in Zeitlupe. Die Ukraine hielt den Atem an. Der Ball senkte sich. Noch ein Stück. Und er überquerte die Torlinie. Knapp, aber doch deutlich für die Fernsehkameras sichtbar, bevor ihn Englands John Terry wieder ins Feld beförderte. Was die TV-Kameras einfingen, was die meisten Menschen im Stadion gesehen hatten und was als die Fehlentscheidung dieser EM-Vorrunde in die Rückblicke eingehen wird, hatte der Torrichter nicht erkannt.

Oleg Blochin tobte da zum ersten Mal an diesem Abend. An der Seitenlinie. Wild gestikulierend schrie er auf den vierten Offiziellen ein. "Wir waren besser, wir hatten die besseren Chancen", schimpfte Blochin später. "Die Schiedsrichter haben uns ein Tor gestohlen, das war ein klarer Treffer."

Er hatte recht, aber alles Jammern half nichts mehr. Nach den Polen ist auch der zweite Gastgeber der Fußball-Europameisterschaft schon nach der Vorrunde gescheitert.

Die Zeitung Podrobnosti schrieb: "EM-Aus für die Ukraine wegen eines Schiedsrichter-Fehlers. Die Wiederholung hat deutlich gezeigt, dass der Ball die Torlinie überschritten hatte. Wie konnte das passieren?" Auch für Segodnia ist der Schiedsrichter der Schuldige: "Die Ukraine verlässt die EM. Kassai - ein neues Schimpfwort. Wir haben verloren, der ungarische Schiedsrichter hat ein klares Tor nicht gegeben. Vielen Dank, ihr Nachbarn in Schwarz. Ihr habt uns einen schlechten Dienst erwiesen. Die Ukraine hat das Spiel um Leben und Tod verloren."

Dass der Fehlentscheidung des Torrichters eine Abseitsposition vorausgegangen war, dass es, hätte das Tor gezählt und 1:1 gestanden, für die Ukraine noch nicht gereicht hätte, dass sie noch ein weiteres Tor hätten erzielen müssen, um das Viertelfinale zu erreichen: All das ging in der Diskussion um den Torklau unter.

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