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Dritter Europapokal-Wettbewerb:Noch mehr Spiele, noch mehr Geld

Stadion Düdelingen

Auch ein mögliches Spiel für die neue Europa League 2: F91 Düdelingen aus Luxemburg gegen den FC Milsami Orhei aus Moldawien (Foto von 2013).

(Foto: imago sportfotodienst)

Die Europa League 2 soll kommen, aber wer will eigentlich CFR Cluj gegen FC Milsami sehen? Es werden die Zuschauer sein, die die Schmerzgrenze bestimmen.

Es war gewiss kein Auftritt, den die Welt gebraucht hat. Aber in Südamerika hat Gianni Infantino halt ein Heimspiel. Und weil der jüngste G-20-Gipfel in Argentinien stattfand, im Fußballreich Diego Maradonas, der ja mit einem (sicher lukrativen) Fifa-Beraterjob ausstaffiert ist und zudem ein enger Kick- und Feierkumpel des Weltverbands-Bosses, durfte also Infantino tatsächlich bei den Gipfel-Politikern in die Bütt. Dort lud er die üblichen PR-Banalitäten über die gesellschaftlichen Heilkräften des Kickergewerbes ab: Frauen, Integration, dingens, Gesundheit, äh, Jugend und Bildung - was man so runterbetet als affärenumtoster Fußballboss.

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Nichts erzählt hat er über reale Themen: Etwa darüber, wie er die Fifa mithilfe einer obskuren Investorengruppe ausschlachten will. Das hätte ja entlarvt, was der Werte-Kram in der Fifa wirklich zählt: nichts. Der Boss fädelt klammheimlich mit arabischen und anderen Geschäftskameraden den totalen Rechte-Ausverkauf ein ( SZ vom 17.11.); parallel erzählt er seinen Vorständen monatelang von neuen Turnierformaten, die aber nur als Tarnung über diesen Ausverkauf gespannt worden sind: eine reformierte Klub-WM und eine neue Nations League.

Seit das Projekt aufgeflogen ist, wurde es still darum. Und weil es nie ein gutes Zeichen ist, wenn der Autokrat zu heiklen Wirtschaftsthemen schweigt, halten stattdessen kritische Geister das Thema wach. Das ein oder andere Kontrollorgan in der Fifa will die Pläne des Patrons nun genauer studieren; und vor allem jene alarmierende Expertise, die dazu von den Topjuristen des Hauses verfasst wurde. Letztere können ihre Sorgen ja nicht mehr selbst darlegen, sie mussten leider gehen. Höchste Zeit also, dass Compliance- und Governance-Experten der Fifa ihre Fragen an den Herrscher richten. Zumal die fachkundigen Aufseher mit satten sechsstelligen Salären entlohnt werden: Wofür genau? Für ihre Expertenarbeit - oder fürs Wegschauen? Auch das ist nun zu klären.

Uefa führt „Europa League 2“ ein

Dublin - Die Uefa führt von der Saison 2021/22 an einen neuen Europacup ein. Neben Champions League und Europa League wird es einen dritten Wettbewerb geben, der vorerst den Namen Europa League 2 erhält. Das beschloss das Exekutivkomitee des Kontinentalverbandes am Sonntag. Aus der Bundesliga wird der Sechste oder Siebte der Tabelle der Vorsaison vertreten sein, in der Europa League dann nur noch zwei statt maximal drei Teams, inklusive Pokalsieger. An allen drei Wettbewerben werden je 32 Teams teilnehmen, die Europa League wird also um 16 Teams reduziert. Die Zahl aller Vereine in Europapokal-Wettbewerben erhöht sich von 80 auf 96. Nach der Gruppenphase der EL 2 spielen die Gruppenersten und -zweiten mit den Gruppendritten der Europa League eine K.o.-Runde, gespielt wird wie in der Europa League donnerstags, manche Partien beginnen künftig bereits um 16.30 Uhr. Der Wunsch nach einem neuen Wettbewerb kam speziell aus den Schwellenländern des europäischen Fußballs. Teams aus Ländern wie Rumänien, Österreich, Schweden oder Ungarn versprechen sich die Chance, in einem internationalen Wettbewerb länger dabei zu sein. DPA

Die Diaspora glaubt an sich, die Frage ist aber, was die Zuschauer tun

Zudem rumort es in einem anderen Gremium. Das World Leagues Forum (WLF), das - unter Führung des deutschen Liga-Chefs Christian Seifert - die wichtigsten Ligen der Welt versammelt, lehnte soeben Infantinos Reformpläne zu Klub-WM und Nations League erneut strikt ab. Den Sonnenkönig früh und rigoros auszubremsen, zeugt von Weitblick. Zumal nächste Woche Infantinos Taskforce zum Thema tagt; irgendeinen Dreh wird er sich da schon einfallen lassen.

Andererseits ist es nicht so, dass der Fußballbetrieb seine Marktgrenzen für ausgereizt hält. Sonst müsste sich das WLF, das aus Zusammenschlüssen hunderter Klubs besteht, auch gleich gegen diesen neuen, dritten Vereinswettbewerb in Europa wehren, der jetzt gegründet worden ist: Arbeitstitel Europa League 2. Diese wird unterhalb von Champions League und Europa League ausgetragen, mit 32 Teilnehmern. Das genau wollen sie also, die Klubs: Noch mehr Spiele. Für noch mehr Geld, so hoffen sie.

Aber wer will CFR Cluj gegen FC Milsami sehen, außerhalb Rumäniens und Moldawiens? Die Diaspora glaubt an sich, die Frage ist aber, was die Zuschauer tun. Jüngste Erhebungen zeigen, dass in Europas fünf Topligen die Fans bereits im Schnitt pro Jahr 701 Euro für den Fußball ausgeben. Wo ist die Schmerzgrenze?

Dass die Branche sogar vor- und nachmittags spielen würde, liegt in der Natur der Goldmine Profifußball. Warum auch nicht? Das Ende des Booms wird die Zahlkundschaft bestimmen. So lange rasen die Fußball-Züge dahin, und Medien und Sponsoren rasen mit. Gebremst wird erst, wenn die Passagiere abspringen. Dann kommt ja nur noch die Wand.

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Uefa beschließt neuen Europacup-Wettbewerb

In dem Wettbewerb mit dem Arbeitstitel "Europa League 2" sollen 32 Teams in einer Gruppenphase starten. Die Zahl aller Vereine in den Europapokal-Wettbewerben erhöht sich damit von 80 auf 96 Teams.