Uduokhai beim VfL Wolfsburg Alle lieben Udo

Läuft bei ihm: Felix Uduokhai

(Foto: imago/regios24)
  • Felix Uduokhai, 20, hat 1860 München für einen Schnäppchenpreis verlassen.
  • Nun verzückt er ausgerechnet den VfL Wolfsburg, wo sonst viel mehr Geld ausgegeben wird.
  • Er grätscht fast nie, ist stark in der Spieleröffnung. Und hat nun seine ersten zwei Treffer in der Bundesliga und im Pokal erzielt.
Von Carsten Scheele

Der einzig wahre Udo schlendert natürlich immer noch durch Hamburg, zwischen Reeperbahn und dem Hotel Atlantic. Doch auch in Wolfsburg haben sie jetzt ihr Exemplar: Den "Udo" nennen sie Felix Uduokhai. "Udo, Udo", hallte es zuletzt durch die Arena am Mittellandkanal. Der junge Spieler schreibt die schönste Geschichte einer bislang tristen Wolfsburger Saison.

Das schlaksige Abwehrtalent, das für lediglich eine Million Euro (in heutigen Tagen ein echtes Schnäppchen) vom Zweitliga-Absteiger 1860 München gekommen ist, entscheidet dem VfL mittlerweile sogar die Spiele. Zwei Tore hat er in vier Tagen erzielt, erst den Ausgleich in der Nachspielzeit in der Bundesliga gegen Hoffenheim, dann das Siegtor im DFB-Pokal gegen den Nachbarn aus Hannover. Eigentlich sollte er nur der Herausforderer in der Abwehr sein, wundert sich auch Sportchef Olaf Rebbe: "Jetzt ist er mittendrin." Am Samstag gegen Schalke wird er wieder in der Startelf stehen.

Mit weniger Geld geht manchmal mehr

Die Geschichte des deutschen U20-Nationalspielers mit nigerianischen Wurzeln ist auch eine, die beweist, dass mit weniger Geld manchmal mehr geht. Was hat Wolfsburg in der Sommerpause nicht wieder investiert: 17 Millionen Euro für Abwehrspieler Anthony Brooks, der noch verletzt ist, 15 Millionen für Mittelfeldmann Ignacio Camacho, zehn Millionen für Stürmer Nany Landry Dimata, 6,5 Millionen Leihgebühr für Stürmer Divock Origi, fünf Millionen für Rechtsverteidiger William. Und jetzt sind es doch Paul Verhaegh, der für 1,5 Millionen aus Augsburg kam, und eben Uduokhai, die unter dem neuen Trainer Martin Schmidt in der Startelf stehen.

Uduokhai wuchs im Erzgebirge auf, im Alter von neun Jahren zog er nach München und durchlief die Jugendabteilungen des TSV 1860. Im Sommer, nachdem er den Abstieg nicht hatte verhindern können, wechselte er schließlich nach Wolfsburg. Neun Mal hat er seitdem in der Bundesliga gespielt, zudem in beiden Pokalspielen, meist zentral in der Dreier- oder Viererkette. Für seine Unerfahrenheit agiert er erstaunlich resolut. Und er macht wenige Fehler. Der 1,88-Meter große Fußballer spielt auf technisch gutem Niveau, er grätscht selten, ist stark in der Spieleröffnung - und immer wieder jenseits der Mittellinie zu finden.

Bis er 16 Jahre alt war, wurde er als Mittelfeldspieler eingesetzt. Doch dann machte er noch einen Wachstumsschub, wurde langsamer und deswegen zum Innenverteidiger umgeschult. Dafür wurde er immer stärker beim Kopfball. In Wolfsburg werden seine Konkurrenten in der Innenverteidigung, Brooks und Jeffrey Bruma, bald wieder fit sein. Wie es dann weitergeht? "Wir sollten ihn nicht in den Himmel heben", warnt Rebbe, macht dann aber doch stolz darauf aufmerksam, dass Udukohai einen Vertrag bis 2022 unterzeichnet habe. Und bevor jemand auf dumme Gedanken kommt, fügt er hinzu: "Ohne Ausstiegsklausel."

Neben dem Platz präsentiert sich Uduokhai ziemlich geerdet. Nach dem Tor gegen Hoffenheim wollte er im Überschwang sein Trikot ausziehen. Doch dann hielt er inne. "Diese gelbe Karte kann ich mir sparen", habe er sich gedacht, erzählte er später. Nach dem Tor im DFB-Pokal verkündete er, als erstes seine Mama anrufen zu wollen. "Jeder in der Kabine mag ihn", versicherte Teamkollege Joshua Guilavogui. Nur mit dem Gesang auf dem Zaun vor der Fankurve klappte es noch nicht. "Ich muss da nicht immer stehen", entschuldigte sich Uduokhai. Den Text der Wolfsburger Hymne hatte er noch nicht wirklich drauf.

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