TSV 1860 München Sie werden viel besser, wenn sie 1860 verlassen

Christopher Schindler (links) rangelt mit Manchester Uniteds Romelu Lukaku um den Ball.

(Foto: Lindsey Parnaby/AFP)
  • Der TSV 1860 München verliert am Wochenende das Regionalligaderby gegen Bayern - doch es kommt noch dicker.
  • Ein gewisser Felix Uduokhai trifft in der Nachspielzeit für Wolfsburg zum 1:1 gegen Hoffenheim, Marius Wolf ist Frankfurts Torschütze zum 2:2 gegen Dortmund und Christopher Schindler schlägt mit Huddersfield José Mourinhos Manchester United.
  • Der Profifußball ist derart unterwandert von glänzenden ehemaligen Löwen, dass 1860-Fans beim Fernsehgucken von Verfolgungswahn ereilt werden.
Von Markus Schäflein

Am Sonntag hat der TSV 1860 München 0:1 gegen den FC Bayern München verloren. Allerdings gegen den FC Bayern II, die U23 des benachbarten Rekordmeisters - in der Regionalliga. Die Blauen, die sich vor rund 15 Jahren unter dem längst verstorbenen Präsidenten Karl-Heinz Wildmoser noch auf Augenhöhe mit dem Nachbarn wähnten und eine gemeinsame Arena errichteten, unterlagen nun im Grünwalder Stadion in Giesing den "kleinen Roten", die noch grün hinter den Ohren sind. Das Ereignis wurde live auf Sport 1 übertragen, für 650 000 Zuschauer - ein neuer TV-Rekordwert für ein Viertligaspiel.

Wer aber dachte, dass das Wochenende für die Sechziger gar nicht mehr nerviger werden könnte, hatte nicht mit dem Bundesligaspiel am Sonntagabend gerechnet. Da traf ein gewisser Ohis Felix Uduokhai, 20, per Kopf in der Nachspielzeit für Wolfsburg zum 1:1 gegen Hoffenheim und verlängerte die Unentschiedenserie des VfL vor mutmaßlich noch größerem Fernsehpublikum auf fünf Spiele.

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"Große Leistung für kleines Geld"

Uduokhai also traf, der bei den Löwen gespielt hatte, seit er zehn Jahre alt war, und im Sommer nach dem Absturz aus der zweiten Liga in die Regionalliga für eine Million Euro nach Wolfsburg gegangen war. "Große Leistung für kleines Geld" attestierte der Sport-Informationsdienst dem "Schnäppchen".

Für den bei Huddersfield in der Premier League spielenden Christopher Schindler (gewann gegen José Mourinhos Manchester United) oder Marius Wolf (Frankfurts Torschütze zum 2:2 am Samstag gegen Dortmund) haben die Löwen einst noch Geld kassiert. Und für die Benderzwillinge Lars und Sven immerhin einen Apfel und ein Ei. Aber nach der vergangenen grandiosen Geldverbrennungssaison und der Weigerung des dafür maßgeblich verantwortlichen 1860-Investors Hasan Ismaik, wenigstens die Drittligalizenz zu sichern, fand nicht einmal ein Ausverkauf statt. Florian Neuhaus etwa ging ablösefrei nach Mönchengladbach, wurde von dort nach Düsseldorf verliehen und ist nun ein zentraler Spieler beim Zweitliga-Tabellenführer. Der Profifußball ist derart unterwandert von glänzenden ehemaligen Löwen, dass 1860-Fans beim Fernsehgucken von Verfolgungswahn ereilt werden.

Sogar Ribamar trifft jetzt - das ist nicht zu fassen

Natürlich haben nicht alle Akteure, die 1860 im Sommer verlassen haben, bei ihren neuen Klubs mehr Erfolg. Mittelfeldspieler Frank Boya kam bei Royal Mouscron in Belgien erst auf 13 Einsatzminuten, Flügelstürmer Daylon Claasens neuer Klub Bidvest Wits FC schwebt in Südafrika als Meister der Vorsaison in Abstiegsgefahr - und Deutschlands krisenerprobteste Pressesprecherin, Lil Zercher, steht mit Köln sieglos auf dem letzten Bundesligaplatz und musste nun auch Manager Schmadtkes Weggang begleiten.

Doch für die meisten Ehemaligen gilt die seit vielen Jahren gültige Regel, dass sie viel besser werden, wenn sie 1860 verlassen haben. Der für 2,5 Millionen Euro geholte und kostenlos gegangene Stürmer Ribamar traf in Brasiliens erster Liga vier Mal für Paranaense. Das mag nicht sensationell sein, aber wer ihn bei Sechzig gesehen hat, kann es nicht fassen.

Zum Positiven: 1860 ist Tabellenführer der Regionalliga und hat noch immer viele junge Talente aus seiner erstaunlichen Nachwuchsmaschinerie. Allerdings rückt der FC Ingolstadt als Verfolger langsam bedrohlich nahe. Der FC Ingolstadt II, die U23 des benachbarten Zweitligisten.

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