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TV-Experten bei der WM:Sie wussten es schon immer besser

Aber die untoten Alten wussten schon immer, wie dieser DFB tickt: falsch. Und mit jedem daheimgelassenen Wagner (kritischer Geist!), aber mitgenommenen Özil (Wegducker!) bestätigt sich ihre eigene Legende. Stefan Effenberg meint, dass man damals mit ihm und Uli Stein ganz anders verfahren sei als heute mit Özil und Gündogan. Logischer Schluss: "Der DFB dreht es sich so hin, wie er's braucht." Nur sie bleiben standhaft. Auch Lothar Matthäus - über den Karl Allgöwer einmal sagte, mit ihm sei es sehr lustig gewesen, denn wo immer acht Journalisten herumstanden, "wusste man, Lothar ist mittendrin" -, ist dabei. Wo fünf Experten herumsitzen, weiß man, Matthäus ist mittendrin. "Özil fühlt sich im DFB-Trikot nicht wohl", schreibt also Matthäus etwa in Bild über Mesut Özil, der in diesem Unwohlfühlhemd 90 A-, 16 U21- und elf U19-Länderspiele gemacht hat. Der arme Kerl.

Wirklich skurril wurde das am Montagabend, als die ARD kurz vor Geisterstunde zu Hart aber fair geladen hatte. Der Moderator Frank Plasberg, bekennend ahnungslos in Sachen Fußball, bespricht an dieser Stelle normalerweise, wie viel Islam Deutschland verträgt oder wie viel Gauland (mehr Islam als Gauland, by the way).

Aber wie viel Basler kann der deutsche WM-Stammtisch vertragen?

Der ehemalige Kartenspieler und Kettenraucher, dessen Trainerkarriere ihn zuletzt in die Hessenliga führte, verglich bei Plasberg die Körpersprache von Mesut Özil mit der eines toten Froschs und sich selbst mit Toni Kroos. Er, Basler (30 Länderspiele, zwei Tore), wäre im Spiel gegen Mexiko sicher noch weniger gelaufen als der viermalige Champions-League-Sieger Kroos (84 Länderspiele, zwölf Tore), "aber ich hätte ein Tor geschossen und zwei vorbereitet". Alsdann kramte er, beobachtet von den weit aufgerissenen Augen des Trainergespensts Christoph Daum, in seiner Max-Merkel-Gedächtnisfibel nach der "Wohlfühloase DFB" und den Taschen, die den Nationalspielern "hinterhergetragen" würden. Kicherkicher, kam aus dem Off, ungefähr von dort, wo man den Fußball-Laien Plasberg vermuten konnte, der bei den letzten etwa neun Weltmeisterschaften in einem Bergwerk gelebt haben muss - sonst hätte er sich über diesen 90er-Jahre-Unsinn nicht so amüsiert. Der ist heute noch, was er damals war: falsch.

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© SZ vom 20.06.2018/fued
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