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TSV 1860 München:1860 hat 14 Tage für die Lösung

Trainingsstart TSV 1860 München

Daniel Bierofka und sein Regionalliga-Team.

(Foto: dpa)
  • Der TSV 1860 München hat nun Spieler für die Regionalliga.
  • Alles andere bleibt jedoch kompliziert. Es soll ein zuverlässiger Investor einsteigen bei 1860.

Von Markus Schäflein und Philipp Schneider

Der TSV 1860 München ist ein sehr spezieller und hochgradig komplizierter Fußballklub. Das dürfte inzwischen zum Allgemeinwissen zählen. Die Komplexität seiner Strukturen erschließt sich beispielsweise demjenigen, der einen Blick wirft auf ein Organigramm seiner Fußballfirma. Auf diesem sind dann Begriffe zu lesen sind wie "Beirat", "Weisungsrecht", "Aufsichtsrat" und "Geschäftsführungs GmbH". An den wildesten Tagen seiner Klubgeschichte (von denen die meisten nach dem Jahr 2011 datieren, in dem Sechzig eine Liaison mit dem damals weitgehend unbekannten Jordanier Hasan Ismaik einging, um eine Insolvenz zu vermeiden) verschickt 1860 zudem, auch das gehört inzwischen zur Tradition, Pressemitteilungen, deren Dekodierung fast schon zur Wissenschaft gerät.

Rund eine Million Euro für Talent Felix Uduokhai

Die Pressemitteilung, die der Klub am Freitag versandte, war in der Hinsicht ein kleines Kunstwerk. Wer sie dechiffrieren wollte, musste erkennen, was nicht in ihr stand. Das ging schon los bei der brüllenden Betreffzeile: "STARKES SIGNAL FÜR DEN SPORT. KONSTRUKTIVE GESPRÄCHE MIT BEIDEN GESELLSCHAFTERN."

Starkes Signal, schön und gut. Hätte es zwischen den Gesellschaftern e.V. und Investor Ismaik eine nachhaltige Einigung gegeben, dann hätte die Betreffzeile etwa gelautet: "Alle Finanzierungsprobleme gelöst. Geschäftsführer Fauser stellt positive Fortführungsprognose." Das konnte Fauser, ein Insolvenzexperte der Restrukturierungsfirma Anchor, allerdings nicht. Das letzte ungelöste Problem war ja ein seit Tagen diskutiertes, von Ismaik bis Sommer 2018 gewährtes, Darlehen in Höhe von acht Millionen Euro. In dessen Fortbestand könnte - trotz vorgenommener Stundung - der Grund zu finden sein, dass ein Sponsor, der für das weiter notwendige Geld zur Schließung der Finanzierungslücke in Millionenhöhe aufgekommen wäre, keinen Darlehensvertrag unterschrieb. Solang noch Darlehen von Ismaik bestehen, die nicht mit Rangrücktritt (also einer Schlechterstellung gegenüber anderen Gläubigern) versehen sind, hat ein neuer Darlehensgeber keinerlei Sicherheit, dass er sein Investment jemals wiedersieht. Viele andere Finanzierungsprobleme hatte Fauser am Freitag bereits überwunden, hauptsächlich durch Stundungen, etwa von ausstehenden Cateringzahlungen bei Arena One. Dazu hilft ihm die Ablöse von rund einer Million Euro, die der VfL Wolfsburg laut Kicker für Abwehrtalent Felix Uduokhai überweist. "Wir wollen gewährleisten, dass Daniel Bierofka und sein Team, die Tag für Tag enorm viel investieren, die positive Weiterentwicklung unserer Mannschaft fortsetzen können. Vor diesem Hintergrund haben wir es ermöglicht, dass kurzfristig notwendige Verträge geschlossen werden konnten", schrieb Fauser in der Mitteilung.

Ismaik ist beflissen auf der Suche nach neuen Geldgebern

Diese positive Weiterentwicklung der Mannschaft ist bei 1860 das wirtschaftliche Fundament des Unternehmens - und insofern die Basis für eine positive Fortführungsprognose. Daher konnte Fauser es sich erlauben, Verträge zu verlängern und neu abzuschließen, obwohl der Fortbestand von Sechzig noch immer nicht garantiert ist. Bisherige Zweitliga-Spieler wie Jan Mauersberger und Nico Karger, Zugänge wie Timo Gebhart (Rostock) und Aaron Berzel (Elversberg) und auch Kapitän Felix Weber sind also nun ab 1. Juli angestellt.

Der Hund, in diesem Fall ein ausgewachsener Bernhardiner, lag dann an späterer Stelle der Mitteilung begraben: "Damit haben wir die Weichen gestellt mit dem Ziel, in den nächsten zwei Wochen eine Gesamtlösung für die KGaA zu finden", schrieb Fauser: "Das ist ein starkes Signal in Richtung unserer Sponsoren und potentieller Investoren, mit denen wir uns ebenso wie mit unseren Gesellschaftern in konstruktiven Gesprächen befinden." In jenen kommenden zwei Wochen, hofft nicht nur Fauser, soll ein zahlungskräftiger, zuverlässiger Investor einsteigen bei 1860. Erst an diesem Tag könnte der Geschäftsführer dann guten Gewissens eine fundierte positive Fortführungsprognose stellen.

Hasan Ismaik, der derzeit in Jordaniens Hauptstadt Amman weilt, ist nach SZ-Informationen sehr beflissen auf der Suche nach Geldgebern. Er sei im Gespräch mit "zwei Familien aus München und einer Firma aus Bayern", hatte er der SZ gesagt. Er brauche "die Hilfe von Leuten, die aus München kommen". Sechzig hat nun Spieler - fast alles andere bleibt offen.

© SZ vom 01.07.2017
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