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Dopingverdacht bei der Tour de France:In fragwürdigem Ambiente

Schleck ist insofern vorbelastet, als dass er im September 2008 als Kunde des spanischen Dopingarztes Eufemiano Fuentes, der zentralen Figur des Puerto-Skandals bei der Tour 2006, enttarnt worden war. Die Süddeutsche Zeitung hatte ihm eine Überweisung an Fuentes auf dessen Konto nachgewiesen, sie belief sich auf im März 2006 auf exakt 6991 Euro.

Nach der ersten SZ-Veröffentlichung in dieser Sache hatte Schleck nicht nur im Heimatfernsehen noch entrüstet kundgetan, er kenne "diesen Herrn Fuentes nicht!" Später erklärte er die Überweisung an einen szenebekannten Blutmischer, der er nicht kannte, als Zahlung für Trainingspläne - die er aber nie in Anspruch genommen hatte.

Luxemburgs Anti-Doping-Agentur nahm dem damaligen Profi des Teammanagers Bjarne Riis diese abenteuerliche Erklärung ab und verzichtete auf Sanktionen. Fränk Schleck soll allerdings mit Riis und weiteren Fahrern des umstrittenen Dänen schon im Dezember 2005 bei Fuentes gewesen seien. Riis wies das zurück.

Inzwischen gehen Riis und die Brüder Andy und Fränk Schleck getrennte Wege; der 27-jährige jüngere Bruder Andy, Tourzweiter 2011, verließ mit Fränk 2010 den Rennstall des Skandinaviers, der für seinen Toursieg 1996 Doping eingeräumt hat und dessen einstiger Kapitän Ivan Basso wegen erwiesener Verbindung zu Fuentes für zwei Jahre gesperrt wurde.

Bei RadioShack bewegen sich die Schlecks wieder in fragwürdigem Ambiente: Teammanager Johan Bruyneel ist nicht bei der Tour, wegen der Dopinganklage gegen ihn im Rahmen der schweren Vorwürfe gegen seinen langjährigen Kapitän Lance Armstrong. Auch der aktuelle RadioShack-Teamarzt Pedro Celaya wird verdächtigt, am jahrelangen Dopingsystem in Armstrongs Teams beteiligt gewesen zu sein. Dem Team gehören außerdem Fahrer wie Andreas Klöden (Cottbus) oder Jaroslaw Popowitsch an, die ebenfalls mit früheren Dopingaffären in Verbindung gebracht werden.

Man glaube, Fränk Schlecks Ausstieg sei der richtige Weg, damit die Tour in Ruhe fortgesetzt werden kann, teilte RadioShack am Abend mit. "Xipamide gehört nicht zur medizinischen Ausstattung des Teams und deshalb ist es unklar, wie es in die Urinprobe von Schleck gelangte."

© SZ vom 18.07.2012/mike
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