Süddeutsche Zeitung

Dopingverdacht bei der Tour de France:Fränk Schleck suspendiert

Keine Tour ohne Doping? Nach einer positiven A-Probe verlässt der Luxemburger Radprofi Fränk Schleck die Tour de France - sein Team nimmt ihn aus dem Rennen. Mit der Ruhe bei der Rundfahrt ist es damit endgültig vorbei. Denn Schleck gilt als vorbelastet.

Sportlich spielt Fränk Schleck bei der 99. Tour de France keine Rolle mehr. Der Tourdritte von 2011 liegt vor den beiden Bergetappen aussichtslos auf Platz zwölf, fast zehn Minuten hinter Bradley Wiggins. Eine Rückkehr auf das Pariser Podium hatte der 32-jährige Luxemburger allerdings nach einem verkorksten Frühjahr schon vor dem Prolog als unwahrscheinlich erachtet, überhaupt wirkte er in den ersten beiden Wochen der Rundfahrt mürrisch und lustlos, wohl wegen der gesamten Situation um sein Team RadioShack, das ihm noch rund eine halbe Million Euro vorenthält und vom Lizenz-Entzug bedroht ist.

Doch das alles hat den älteren der beiden Schleck-Brüder womöglich nicht daran gehindert, eine lange Sperre und den Verlust seiner Reputation zu riskieren, sofern davon in seinem Fall noch etwas vorhanden gewesen sein sollte: Denn Fränk Schleck steht seit Dienstag unter Dopingverdacht und verlässt die Tour.

Die Nachricht von der positiven A-Probe durchbrach am Dienstagabend die Stille des zweiten Ruhetages in Pau. Eine am Samstag, dem französischen Nationalfeiertag, im Ziel genommene Dopingprobe wies nach einer Mitteilung des Weltverbandes UCI ein "abnormales Ergebnis" auf; die Dopingfahnder entdeckten das Arzneimittel Xipamid, eine Entwässerungssubstanz (Diuretikum), das zur Ausschwemmung von Wasser durch die Niere eingesetzt wird. Es kann demnach dazu dienen, andere verbotene Substanzen zu kaschieren. Die Polizei verhörte Schleck und verließ gegen 23 Uhr das Teamhoteal in Pau.

Eine provisorische Sperre konnte die UCI aufgrund der Natur der Substanz nicht aussprechen, allerdings nahm RadioShack Schleck umgehend aus dem Rennen. Die Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) stuft Diuretika als spezifische Substanzen ein, die auch ohne Dopinghintergrund erklärbar sein können. Laut Wada-Code hat der Athlet die Chance "nachzuweisen, dass die Benutzung einer solchen spezifischen Substanz nicht zur Leistungssteigerung benutzt". Das Strafmaß reicht bei einem Erstvergehen von einer Verwarnung bis hin zu einer einjährigen Sperre.

Mit der Ruhe bei der Tour ist es endgültig dahin. Am ersten Ruhetag war der Cofidis-Profi Rémy di Gregorio im Teamhotel verhaftet worden; ihm sollten offenbar Injektionen und Hilfsmittel für eine verbotene Behandlungsmethode geliefert werden, die Justiz in Marseille hat Anklage erhoben. Nun also Fränk Schleck, einer der Hauptdarsteller dieses Sports, der von sich selber annimmt, er nähere sich einer "rosigen Zukunft", wie es der geständige schottische Ex-Doper David Millar am Freitag nach seinem Etappensieg in Annonay glauben wollte.

In fragwürdigem Ambiente

Schleck ist insofern vorbelastet, als dass er im September 2008 als Kunde des spanischen Dopingarztes Eufemiano Fuentes, der zentralen Figur des Puerto-Skandals bei der Tour 2006, enttarnt worden war. Die Süddeutsche Zeitung hatte ihm eine Überweisung an Fuentes auf dessen Konto nachgewiesen, sie belief sich auf im März 2006 auf exakt 6991 Euro.

Nach der ersten SZ-Veröffentlichung in dieser Sache hatte Schleck nicht nur im Heimatfernsehen noch entrüstet kundgetan, er kenne "diesen Herrn Fuentes nicht!" Später erklärte er die Überweisung an einen szenebekannten Blutmischer, der er nicht kannte, als Zahlung für Trainingspläne - die er aber nie in Anspruch genommen hatte.

Luxemburgs Anti-Doping-Agentur nahm dem damaligen Profi des Teammanagers Bjarne Riis diese abenteuerliche Erklärung ab und verzichtete auf Sanktionen. Fränk Schleck soll allerdings mit Riis und weiteren Fahrern des umstrittenen Dänen schon im Dezember 2005 bei Fuentes gewesen seien. Riis wies das zurück.

Inzwischen gehen Riis und die Brüder Andy und Fränk Schleck getrennte Wege; der 27-jährige jüngere Bruder Andy, Tourzweiter 2011, verließ mit Fränk 2010 den Rennstall des Skandinaviers, der für seinen Toursieg 1996 Doping eingeräumt hat und dessen einstiger Kapitän Ivan Basso wegen erwiesener Verbindung zu Fuentes für zwei Jahre gesperrt wurde.

Bei RadioShack bewegen sich die Schlecks wieder in fragwürdigem Ambiente: Teammanager Johan Bruyneel ist nicht bei der Tour, wegen der Dopinganklage gegen ihn im Rahmen der schweren Vorwürfe gegen seinen langjährigen Kapitän Lance Armstrong. Auch der aktuelle RadioShack-Teamarzt Pedro Celaya wird verdächtigt, am jahrelangen Dopingsystem in Armstrongs Teams beteiligt gewesen zu sein. Dem Team gehören außerdem Fahrer wie Andreas Klöden (Cottbus) oder Jaroslaw Popowitsch an, die ebenfalls mit früheren Dopingaffären in Verbindung gebracht werden.

Man glaube, Fränk Schlecks Ausstieg sei der richtige Weg, damit die Tour in Ruhe fortgesetzt werden kann, teilte RadioShack am Abend mit. "Xipamide gehört nicht zur medizinischen Ausstattung des Teams und deshalb ist es unklar, wie es in die Urinprobe von Schleck gelangte."

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SZ vom 18.07.2012/mike
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