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Radsport:Die Tour im Visier

Zugkräftiges Sky-Team: Chris Froome (im gelben Trikot) als Tour-Führender 2017 hinter seinen Tempomachern Mikel Nieve und Michal Kwiatkowski.

(Foto: AP)

Die Doping-Forscher lassen alte Proben von der Frankreich-Rundfahrt 2017 noch einmal untersuchen. Erst jetzt kann eine bestimmte Substanz nachgewiesen werden. Im Fokus: die besten Fahrer.

Es gibt viele Aspekte, wegen denen die Tour de France 2017 in Erinnerung geblieben ist. Der Grand Départ in Düsseldorf war der - nicht gerade sonderlich geglückte - Versuch, dem Radsport in Deutschland wieder zu mehr Popularität zu verhelfen. Der deutsche Sprinter Marcel Kittel absolvierte sein letztes starkes Jahr und schaffte gleich fünf Etappensiege. Und in der Gesamtwertung gab es das knappste Rennen der Sky/Ineos-Ära und distanzierte Christopher Froome die Konkurrenten erst im finalen Zeitfahren.

Nun zieht das Szenario herauf, dass die 104. Ausgabe der Frankreich-Rundfahrt noch mit einem weiteren unschönen Fakt verbunden werden könnte: dem ersten positiven Dopingnachweis bei einer Tour seit längerer Zeit. Denn wie am Wochenende die belgische Zeitung Het Nieuwsblad berichtete, widmet sich die im Radsport für den Anti-Doping-Kampf zuständige Organisation CADF nun noch einmal aufbewahrten Dopingproben aus den Jahren 2016 und 2017. Und die Frankreich-Rundfahrt 2017 stehe dabei im Fokus.

"Dank neuer Informationen haben wir relevante Proben identifiziert und die ersten Analysen durchgeführt", sagte ein CADF-Sprecher dem Blatt. Auf eine SZ-Anfrage zu Details und Umfang des Nachtest-Programms gab es keine Antwort.

Es geht um eine Substanz, die erst jetzt nachgewiesen werden kann

Die neuesten Nachforschungen stehen offenkundig im Kontext mit der sogenannten Operation Aderlass deutscher und österreichischer Behörden. Im Februar 2019 flog ein mutmaßliches Blutdoping-Netzwerk rund um einen Erfurter Sportmediziner auf. Neben verschiedenen Wintersportlern sind auch schon acht Radprofis aus fünf Ländern als Kunden enttarnt, darunter der ehemalige deutsche Sprinter Danilo Hondo. Die ARD berichtete im Dezember, es stünden noch zwei weitere Deutsche im Verdacht, zu dem Ring zu gehören; einer von ihnen sei noch aktiv. Zugleich teilte Ende des vergangenen Jahres der Rad-Weltverband (UCI) mit, dass er aufgrund von Informationen und Dokumenten aus der Aderlass-Affäre seine formal unabhängige Anti-Doping-Einheit CADF gebeten habe, Proben aus 2016 und 2017 zu analysieren. Und damit hat die CADF in den vergangenen Wochen begonnen.

Bei der neuerlichen Überprüfung der Proben soll der Fokus aber nicht auf Blutdoping von Kunden des Erfurter Sportmediziners liegen, sondern auf einer damals noch nicht nachweisbaren Substanz, die im Peloton genutzt worden sei. Inzwischen könnten die Doping-Kontrolllabore dieses Präparat detektieren.

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