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Doping:"Ich will meinen Namen reinwaschen"

SHAYNA JACK ASADA BRIEFING Australian swimmer Shayna Jack left and her mother Pauline right are

Shayna Jack (li.): Hofft auf eine Reduzierung ihrer Doping-Sperre durch den Cas

(Foto: Darren England/imago)

Shayna Jack wurde 2019 positiv getestet, als ihr Teamkollege Mack Horton gerade gegen Dopingsünder protestierte. Die australische Schwimmerin kämpft gegen ihre Vier-Jahres-Sperre - wirkt aber ratlos.

Die Schwimm-WM geht immer noch weiter. Die letzten Medaillen wurden zwar schon im vergangenen Juli in Gwangju in Südkorea um die Hälse der Schnellsten gehängt, doch manche Geschichte ist noch immer nicht zu Ende geschrieben. Klar, die von Sun Yang, der kürzlich beim Schweizer Bundesgericht Einspruch gegen seine Acht-Jahres-Sperre wegen des Zerhämmerns einer Dopingprobe eingereicht hat, aber es gibt ja auch andere: die der Australierin Shayna Jack etwa, Teamkollegin von Mack Horton.

Horton hatte sich in Gwangju als Protestler gegen den verurteilten Doper Sun Yang aufgeschwungen. Er verweigerte Sun etwa den Handschlag bei der Siegerehrung. Dass dann - am vorletzten WM-Tag - der Dopingfall seiner Kollegin publik wurde, brachte ihm so manche Beschimpfung als Heuchler ein. Jack war schon Ende Juni positiv auf das Muskelwachstumspräparat Ligandrol getestet worden, eine Erklärung, versichert sie, habe sie dafür bis heute nicht. Fast neun Monate lang liefen die Ermittlungen, Anfang März hat die australische Anti-Doping-Agentur (Asada) gegen sie eine Vier-Jahres-Sperre verhängt - doch Jack will nun (wie ihr chinesischer Kollege) beim Sportgerichtshof Cas vorstellig werden. Schon im Juni könnte es zu einer Video-Anhörung kommen.

Shayna Jack ist erst 21 Jahre alt, bei der Schwimm-WM 2017 in Budapest sahnte sie mit der Staffel vier Medaillen ab: zwei Mal Bronze, zwei Mal Silber. Auch an der WM in Gwangju sollte sie teilnehmen. Doch als sich Australiens Schwimmer im Trainingslager in Japan vorbereiteten, wurde Jack vom Anruf der Dopingbehörden überrascht: Eine Probe war positiv ausgefallen, Jack wurde von den verantwortlichen Trainern am 12. Juli nach Hause geschickt. "Aus persönlichen Gründen" sei sie abgereist, erzählte man den Teamkollegen - erst zwei Wochen später bei der WM, acht Tage nach dem positiven Fund in der B-Probe, machte Jack publik, worum es sich wirklich gehandelt hatte.

Sie habe damit warten wollen, damit sich die anderen auf ihre Wettkämpfe konzentrieren können, sagte Jack. Leigh Russel, die Geschäftsführerin des australischen Verbands, sagte, aufgrund der Bestimmungen der Asada hätte man abwarten müssen, bis die Schwimmerin selbst oder die Behörde mit einem Statement an die Öffentlichkeit treten. Als Jack das tat, brachen die Anfeindungen über sie herein - und auch über Horton, dessen Protest nun für manchen in einem anderen Licht erschien.

Ligandrol ist ein bei Bodybuildern verbreitetes Anabolikum; wie das in ihren Körper gelangt ist, kann Jack nicht verstehen, wie sie beteuert: "Ich habe diese Substanz nicht wissentlich genommen. Ich habe nicht betrogen und werde es nicht tun, ich will weiter kämpfen, um meinen Namen reinzuwaschen", schrieb Jack damals in einem Statement in den sozialen Medien. Viele Monate vergingen, in denen Jack nicht trainieren durfte und auf eine Entscheidung der Anti-Doping-Behörde wartete. Ratlosigkeit rechtfertigt keine mildernden Umstände, befand die Asada und verhängte die Höchststrafe von vier Jahren für einen Ersttäter in Sachen Dopingvergehen. Jack will vor dem Cas eine Reduzierung der Strafe erreichen; auch weil etwa die US-Anti-Doping-Behörde bei ähnlichen Fällen nur Zwei-Jahres-Sperren verhängt hatte.

Wie die Zeitung Sunday Mail berichtet, will Jack nun Beweise anführen, dass sie im australischen Trainingscamp mit der Substanz in Kontakt gekommen sei. Was wiederum den nationalen Schwimm-Verband in den Fokus rückt. Man verfolge eine "Null-Toleranz-Politik" gegenüber Doping, hatte Geschäftsführerin Russel im vergangenen Sommer gesagt, ein positiver Befund sei "bitter enttäuschend und beschämend für unser Team, unseren Sport und unser Land". Jack habe aber eine faire Behandlung verdient.

Eine Olympia-Teilnahme Jacks 2021 wäre aufgrund des Trainingsrückstands selbst bei einer Reduzierung der Sperre unwahrscheinlich. Dazu muss es bei all der Ratlosigkeit aber auch erst mal kommen.

© SZ vom 15.05.2020/ska
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