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Topnews:Spanier Xavi: Titelkandidat, aber nicht Favorit

Schruns (dpa) - Spaniens Spielmacher Xavi lehnt die Favoritenrolle für sein Team bei der Fußball-Weltmeisterschaft ab. "Wir sind ein Titelkandidat, aber nicht der Favorit", sagte der Mittelfeld-Star des Europameisters bei einer Pressekonferenz im verregneten Urlaubsparadies Schruns in Vorarlberg.

Die größten Chancen in Südafrika räumt Xavi "den Ländern mit der meisten Erfahrung ein, die bereits Weltmeister waren: Frankreich, Brasilien, Argentinien, Italien und Deutschland". Immerhin erklärte der für sein bescheidenes Auftreten bekannte Denker und Lenker der "selección" im "Haus des Gastes", dass sich Spanien vor niemand fürchten müsse und mit jedem Gegner mithalten könne. "Wir werden sehen, ob bei der WM die Stunde Spaniens schlägt", sagte Xavi. "Man muss uns auf der Rechnung haben. Aber uns charakterisiert auch Bescheidenheit."

In der WM-Gruppe H stuft Xavi Chile "von der Papierform her als schwersten Gegner ein". Aber das werde sich zeigen. Die Schweiz stehe für einen physisch starken, sehr europäischen Fußball mit einem direkteren Spiel als Spanien. Viele ihrer Akteure stünden bei großen Clubs unter Vertrag. Die Eidgenossen sind am 16. Juni erster Gegner des Geheimfavoriten. Auch Honduras sei zu beachten, warnte der Mittelfeld-Motor des FC Barcelona vor einer Unterschätzung der Zentralamerikaner.

Die drei von Trainer Vicente del Bosque nach der eineinhalbstündigen Trainingseinheit zur Pressekonferenz abkommandierten Spieler wichen Fragen etwas aus, ob der WM-Kader stärker als die EM-Mannschaft sei. "Das werden wir sehen", sagte Joan Capdevila. Sie hätten in den seitherigen zwei Jahren einiges verbessert. "Wir haben uns jetzt bei den Gegnern mehr Respekt als zuvor erworben", meinte der Linksverteidiger des FC Villarreal.

Xavi verwies auf die vielen Parallelen zum EM-Triumph. Die Spielphilosophie sei dieselbe, es seien nur ein paar neue Spieler dazugekommen und ein anderer Trainer. "Wir haben es in der Hand, auch wenn es nicht einfach wird", versicherte der 84-malige Nationalspieler. Xabi Alonso, der bei der WM Xavis Partner im zentralen Mittelfeld sein dürfte, hob eine weitere Parallele hervor: "Wir bereiten uns wieder in Österreich vor. Es gefällt uns in Schruns sehr gut. Das Dorf ist ähnlich wie Neustift vor zwei Jahren. Wir fühlen uns sehr wohl." Wie beim EM-Erfolg in Tirol wohnen die Spanier mitten in dem malerischen Ort.

Noch bis zum 3. Juni kann "La Roja" die Ruhe und Gastfreundschaft im Montafon genießen. Selbst das kühle, regnerische Wetter trübt die Freude nicht. Xabi Alonso gewann den nur zehn Grad bei der Trainingseinheit am Vormittag auf dem mit weißen Planen vor Neugierigen abgedeckten Platz des Landesligisten FC Hochjoch Schruns sogar Positives ab: "Das Klima ist ähnlich wie dann in Südafrika."

Auch bei der Torwart-Debatte ließen sich die Drei unweit des Skiparadieses Silvretta Nova nicht aufs Glatteis führen. "Iker ist wie immer drauf, sehr konzentriert und auf Erfolg ausgerichtet wie bei der EM", sagte Xavi zur Fangfrage nach dem Befinden des Kapitäns und Torhüters Iker Casillas. Xabi Alonso reagierte zu Casillas' Rivalen Victor Valdés ebenso gelassen. "Schön dass er dabei ist. Victor ist ein großer Torhüter und hat sich bestens eingewöhnt. Er freut sich und die Berufung ist eine Prämie für seine guten Leistungen in den letzten Jahren", sagte der Mittelfeldmann von Real Madrid.