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Tokio 2020:Tokio-Entscheidung könnte Bach-Wahl beeinflussen

Finanziell steht die Megalopolis deutlich besser da als ihre beiden Gegnerinnen, Japans Konzerne gehören zu den bedeutendsten Konzernen des IOC. Es geht also nicht zuletzt ums Geld, und um Milliarden Fernseher und Kunden in Asien. Außerdem ist die Gefahr von Protesten in Japan deutlich geringer als in Spanien und der Türkei, und der Nahverkehr funktioniert. Außerdem stehen 15 Arenen in Tokio schon, weitere elf sollen entstehen, darunter ein neues Olympiastadion an der Stelle des alten. Die Sportstätten liegen in einem Radius von acht Kilometern des Olympischen Dorfes, das küstennah geplant ist. Der Staat will mindestens 4,38 Milliarden Dollar investieren, die Organisatoren wollen 3,4 Milliarden Dollar ausgeben, erfahrungsgemäß wird es noch teurer.

Istanbul ist enttäuscht, Madrid noch mehr. "Das ist ein politisches Spiel auf hohem Niveau, das wir nicht spielen können", klagt ein spanisches Delegationsmitglied nachher. Dabei hatten vor allem die Spanier allerhand Prominenz aufgeboten. Schon Tage vor Rajoys Ankunft machte Kronprinz Felipe Stimmung, zu den weiteren Werbeträgern gehörten Plácido Domingo, Antonio Banderas, Basketballer Pau Gasol und sogar der argentinische Fußballer Lionel Messi, der beim FC Barcelona spielt und für Turkish Airways Reklame läuft. Madrid warb damit, dass 80 Prozent der Anlagen fertig seien und deshalb alles billiger werde als je zuvor.

Rajoy schwärmte von einem "nationalen Projekt" und der "Hilfe ganz Spaniens", die Finanzkrise erklärte er zur Verblüffung des Publikums für mehr oder weniger beendet. Aber das vertrieb nicht Wirtschaftsprobleme, Arbeitslosigkeit, Korruptionsskandale und Dopingsünden. Obendrein hatte eine siegessichere Titelseite der Zeitung El Mundo unvorteilhafte Folgen im IOC-Klub, Patron Rogge rief deshalb den spanischen IOC-Mann Juan Antonio Samaranch Junior an.

Obendrein fiel während der Präsentation dummerweise der Strom aus. An der fernen Puerta de Alcalá im Zentrum Madrids standen derweil wieder Tausende hoffender Zuschauer vor einer Großleinwandung und zogen still ab, als ihre Heimatstadt im vierten Versuch diesmal nicht einmal Runde eins überstand.

Die geheimnisvolle IOC-Riege entschied sich für eine andere unbefriedigende Lösung, Tokio. Damit brach möglicherweise auch eine Strategie in sich zusammen. Es hieß, im Zuge von Madrid werde der deutsche Favorit Thomas Bach zum IOC-Präsidenten gewählt - als sein wichtigster Unterstützer gilt der mächtige Scheich und IOC-Vertreter Ahmad Al-Fahad Al-Ahmed Al-Sabah, der angeblich auch für die spanische Variante eingetreten war. Tagelang hatten die IOC-Grande und ihre Strippenzieher um Stimmen gerungen. Nie war die Lobby des Hilton so sehr Lobby, und nie war das Hilton ein Raumschiff, zu dem Normalsterbliche kaum mehr Zutritt haben. Magnaten und Monarchen gehören zu diesem olympischen Gral und seinen Freunden, darunter Fürst Albert aus Monaco.

Am Freitag hatte die IOC-Familie ihre 125. Session im ehrenwerten Teatro Colón eingeleitet. Nun wurde Tokio gekürt. Am Sonntag wird beraten, ob Ringen wieder ins Programm darf oder Baseball und Softball oder Squash. Am Dienstag wird entschieden, ob der frühere Fechter Bach der Nachfolger des Belgiers Rogge wird oder Richard Carrión aus Puerto Rico, Denis Oswald aus der Schweiz, Ser Miang aus Singapur, Ching-Kuo Wu aus Taiwan oder der ewige Stabhochsprungweltrekordler Sergej Bubka aus der Ukraine. Ab Montag soll es heiß werden in Buenos Aires.

© SZ.de/ska
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