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Rassismus von Schalke-Boss Tönnies:Mit einer Entschuldigung ist es nicht getan

Clemens Tönnies Aufsichtsratsvorsitzender ist betroffen über den Tod von Rudi Assauer beim DFB Po

Schalke-Aufsichtsratsvorsitzender Clemens Tönnies hat sich rassistisch geäußert.

(Foto: Thomas Pakusch/imago)

Die widerlichen rassistischen Äußerungen von Schalke-Boss Tönnies müssen Konsequenzen für ihn haben. Sonst sind alle Anti-Rassismus-Kampagnen im Fußball moralisch bankrott.

Kommentar von Martin Schneider

Man kann mittlerweile davon ausgehen, dass Clemens Tönnies die Aussage tatsächlich bedauert. Die Frage ist: Weswegen bedauert er die Aussage? Weil er eingesehen hat, dass sie rassistisch war, dass sie widerlich war, dass er Menschen aufgrund ihrer Herkunft vor Publikum verächtlich gemacht hat? Oder bedauert er sie, weil er nun merkt, dass seine Worte ernste Konsequenzen für ihn haben könnten?

Clemens Tönnies hat am vergangenen Donnerstag beim Tag des Handwerks in Paderborn gesagt, er würde gerne im Jahr 20 Kraftwerke in Afrika finanzieren. Denn: "Dann würden die Afrikaner aufhören, Bäume zu fällen, und sie hören auf, wenn's dunkel ist, Kinder zu produzieren." Ein Reporter der Zeitung Neue Westfälische machte das Zitat öffentlich. Tönnies bat sofort um Entschuldigung.

Er begibt sich auf offener Bühne auf die allerniedrigste Ebene

Keine Stimme in seinem Kopf oder in seinem Gewissen hielt Tönnies davon ab, die Bewohner eines ganzen Kontinents als Idioten darzustellen. Der Aufsichtsratsboss von Schalke 04, der mächtige Konzernchef, der Metzger, der Milliardär - er begibt sich auf offener Bühne auf die allerniedrigste Ebene.

Die Zeiten, in denen so etwas irgendwie abgebügelt wird ("Wird er schon nicht so gemeint haben"), sind zum Glück vorbei. Hans Sarpei, ehemaliger Schalke-Spieler, unterstellte Tönnies das "Weltbild eines Großwildjägers". Der Schalker Ehrenrat forderte Tönnies zur Stellungnahme auf. Das Organ, in dem laut Vereinssatzung mindestens zwei Personen die Befähigung zum Richteramt haben müssen, kann Tönnies verwarnen, aber auch hinauswerfen. Man kann davon ausgehen, dass dem Ehrenrat die Brisanz des Vorgangs bewusst ist.

Denn mit einer Entschuldigung kann es nicht getan sein. Würde Tönnies ohne weitere Konsequenzen einfach weitermachen dürfen, wären alle Anti-Rassismus-Aktionen des Fußballs moralisch bankrott. Man kennt die Vorfälle: Bei einem Freundschaftsspiel der deutschen Nationalmannschaft in Wolfsburg beschimpften einzelne Zuschauer DFB-Spieler als "Neger" und "Bimbo". Der FC Chelsea verhängte vor ein paar Tagen gegen sechs Fans Stadionverbote, weil sie den Manchester-City-Spieler Raheem Sterling rassistisch beleidigt hatten, einer der Fans darf nie wieder ein Spiel der Londoner besuchen. Vorfälle, in denen ganze Fanblöcke Affenlaute von sich geben, wenn schwarze Spieler am Ball sind, gibt es immer noch, etwa beim Länderspiel Montenegro gegen England im März.

Tönnies' Worte sind eine Legitimation für Rassisten

Jürgen Klopp forderte danach eine noch schärfere Auslegung der Regeln, und dass man ein Fußballspiel bei solchen Vorfällen sofort abbrechen solle. "Vielleicht denken manche Leute, so etwas zu rufen, ist lustig. Aber das ist es einfach nicht. Es ist schrecklich." Kevin-Prince Boateng beschrieb einmal in einem Interview, dass ihm als Jugendspieler jemand gesagt hätte: "Für jedes Tor kriegst du eine Banane." Er sagte, er habe als Kind viel geweint, hätte sich mit dem späteren Bundesliga-Spieler Chinedu Ede zusammengetan und die Vorfälle "weggedacht". Er beschrieb diese Situation als "Hölle". Boateng spricht mittlerweile darüber, viele andere versuchen sie immer noch "wegzudenken".

Wenn man vom für Clemens Tönnies allerbesten Fall ausgeht und unterstellt, dass er sich "nur" gedankenlos geäußert hat, lieferte er dennoch eine Legitimation für Rassisten, Menschen, Jugendliche, Kinder wie einst Boateng fertigzumachen. Wenn diese Leute sehen, dass der mächtige Tönnies das machen darf - wieso sollten sie damit aufhören? Wieso sollten sie sich hinterfragen? Wieso sollte man sie vom Fußballplatz werfen?

Mit einem einfachen "Tut mir leid" ist es für Tönnies nicht getan. Der Klub sollte ihn bestrafen. Tönnies sollte nicht nur dem Ehrenrat, sondern allen Schalke-Mitgliedern eine am besten gute Erklärung liefern, wie ihm so etwas passieren konnte. Wenn er ohne ernsthafte Konsequenzen Aufsichtsratsboss bleibt, kann sich Schalke 04 in Zukunft jede Anti-Rassismus-Kampagne verkneifen.

© SZ.de/sonn
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