Timo Werner Werners schöne Folkloregeschichte ist auch ein bisschen kompliziert

Timo Werner muss jetzt damit leben, dass die Nation alle Hoffnungen auf einen Neuner setzt, der sich selbst gar nicht als richtigen Neuner sieht. "Ich glaube, meine große Stärke ist meine Variabilität", sagt er, "ich kann klassisch vorne drin spielen, aber auch hinter einem anderen Stürmer oder auf dem Flügel. Und beim DFB rochieren wir ja viel, Marco Reus, Thomas Müller und ich, wir sind quasi wie drei Zehner, die auf einer Höhe spielen und oft ihre Positionen tauschen." Reus fehlt diesmal verletzt, dennoch geht Werner nicht davon aus, dass sich die Rollenprofile ändern. "Der Bundestrainer will, dass wir unberechenbar bleiben", sagt er, "der Gegner soll nie wissen, wer wann von wo kommt, und ich finde, beim Hinspiel gegen Frankreich haben wir das schon ganz gut gemacht."

Allerdings: Das Spiel gegen Frankreich, in dem sie's ganz gut gemacht haben, endete 0:0. Und an dieser Stelle beginnt die schöne Folkloregeschichte doch etwas komplizierter zu werden für Timo Werner.

Stets hat Werner die Beute im Auge

"Nein, gar nicht", sagt er zwar, wenn man ihn fragt, ob zurzeit nicht arg viel Verantwortung auf seinen Stürmerschultern laste. Aber was soll er sonst sagen? Er weiß ja, dass diese Drei-Zehner-Stürmer-Variante einerseits vielleicht ein bisschen modern, andererseits aber auch eine reine Improvisation ist. Deutschland hat zurzeit keinen international tauglichen Zentralstürmer außer Timo Werner, und wenn man Jogi Löw ständig über mangelnde Chancenverwertung klagen hört, heißt das ja nichts anderes als: Timo, mach du!

Ein einziger Topmann ist nicht viel für so ein Neunerland, Timo Werner ist auch nicht immer gesund und in Form, aber immerhin hat dieser eine Stürmer zwei Augen, die Hoffnung machen. Wer Werner beim Stürmen ins Gesicht schaut, entdeckt den Habicht-Blick seiner Vorfahren. Selbst wenn es ihn auf den Flügel zieht, zieht es ihn gleichzeitig immer irgendwie Richtung Tor, stets hat er die Beute im Auge. Diesen abgerichteten Blick kennt man von Rudi Völler, der immer zum Zupicken bereit war, auch der nette Uwe Seeler konnte so gucken. "Meinem Spiel tut es zwar gut, dass ich nicht stur im Zentrum bleibe", sagt Timo Werner, "aber meine Fixierung geht trotzdem immer Richtung Tor."

Wenn der junge Mann nicht aufpasst, wird doch noch ein echter Neuner aus ihm.

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